Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Pharmaindustrie

Kranke Kassen und lahme Bundesräte

Markus Kellenberger | Donnerstag, 24.09.2009

Wir haben einen neuen Bundesrat. Didier Burkhalter heisst er, sieht dynamisch aus und übernimmt von Monsieur Couchepin das Innenministerium und somit das Gesundheitswesen-Schlamassel. Der Neue hat in diversen Interviews auch schon angedeutet, er wolle in diesem Bereich – wir sprechen hier von der ungebremsten Kostenexplosion – Massnahmen ergreifen. Hahaha!
Sein Vorgänger hat das behauptet, der Vorgänger des Vorgängers ebenfalls und davor viele andere auch schon. Gescheitert sind sie alle an zwei massiven Hindernissen:
1. Der Angst der Bevölkerung vor dem Tod.
2. Der Pharma-, Ärzte- und Krankenkassen-Lobby im National- und Ständerat.

Zu Punkt Eins: Das Leben endet in jedem Fall tödlich  auch wenn uns die Vertreter der Spitzenmedizin zwischen den Werbezeilen das Gegenteil einzubläuen versuchen – die Gratisimpfung gegen die Schweinegrippe ist nur ein Teil dieser erfolgreichen Kampagne.

Zu Punkt Zwei: Geld verdient man im Gesundheitswesen grundsätzlich mit Kranken. Gesunde machen keinen Apotheker, keinen Arzt, keine Pharmafirma und keinen Spitalverwalter froh, auch wenn diese ständig das Gegenteil behaupten. Das trifft übrigens auch auf die meisten Vertreter aus dem Bereich Naturheilkunde zu. Stellen Dir vor, Du wärst Kräuterdoktor oder Homöopath – und niemand geht hin. Schöner Mist!

Was also tun? Die ständigen Prämienerhöhungen schlucken (und am Ende vielleicht doch ein klitzekleines Bisschen unsterblich werden – man weiss ja nie…) oder doch ernsthaft den Aufstand wagen? Im Ernst und ohne Rücksicht auf irgendwelche Arbeitsplätze: Eine ernsthafte Revision des Gesundheitswesens ist erst möglich, wenn die Hälfte aller Spitäler geschlossen wird, das Absaugen vorsätzlich angefressenen Fettes nicht mehr von der Krankenkasse berappt wird - und wir alle endlich wieder lernen, dass wir nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt müssen, sondern in gutem Glauben an die eigene Kraft simple Krankheiten wie Erkältungen und Wintergrippen wieder ertragen (und pflegen) lernen. Niemand ist unersetzlich – schon gar nicht am Arbeitsplatz.

Und: Ob man mit der Unterstützung durch viele Ärzte und teure Medikamente am Ende gesünder stirbt, ist nicht bewiesen.

Foto: eelsmann / flickr / cc


Hurra, die Pandemie ist da!

Markus Kellenberger | Freitag, 12.06.2009

Jetzt ist es soweit: die WHO hat die Schweinegrippe zur Pandemie erklärt. Ich habe sofort reagiert und Aktien von Pharmafirmen und Atemschutzherstellern gekauft. Das ist, finde ich, die einzig richtige Verhaltensweise. Kaufen Sie sich ruhig Tamiflu und Schutzmasken – ich fahre mit dem Gewinn in die Ferien.

Grippe ist eine Krankheit, die nicht zu unterschätzen ist. Das wissen wir alle. Aber der Medienkonsum ist eine Krankheit, die von vielen massiv unterschätzt wird. Warum das so ist? Lassen Sie mich ein paar Zahlen, basierend auf den Statistiken der Vorjahre, zusammenfassen:

Seit Jahresanfang starben allein in der Schweiz an Grippeerkrankungen 30 Menschen, an Aids 40, im Verkehr kamen 200 Junge und Alte ums Leben und im gleichen Zeitraum haben sich hierzulande etwa 600 Menschen das Leben genommen, die meisten so unspektakulär und still, so dass nur der engste Familien- und Freundeskreis davon weiss. Diese Zahlenspiele lassen sich noch viel weiter treiben: An den Folgen von Rauchen, Übergewicht und Alkohol sterben in der Schweiz jedes Jahr mehrere tausend Menschen – einige von ihnen ziemlich qualvoll.

Setzt man diese Zahlen in Relation zu den bisher knapp 150 Schweinegrippe-Opfern weltweit wird eines klar: Unser Alltag, und damit meine ich den ganz gewöhnlichen, birgt weitaus grössere Gefahren. Die Fahrt zur Arbeit, das fettreiche hastige Mittagessen und die vielen Stunden vor dem TV sind viel tödlicher als die Schweinegrippe, selbst dann noch, wenn die Medien bereits wieder warnen: Grippeviren können sich heimtückisch wandeln. Heimtückisch? Das ist eine beim Menschen häufig anzutreffende Eigenheit, die bewusstes, gezieltes und charakterlich schwaches Handeln voraussetzt. Einem Virus spreche ich das schlicht ab. Heimtückisch ist nämlich nicht er, sondern einzig die Schlagzeile und die Art und Weise, wie sie bei uns wirkt – und unser Bild von der Realität prägt und verzerrt.

Wie sehr lassen Sie sich von Schlagzeilen beeinflussen? Oder haben Sie auch schon Aktien gekauft?

Foto: © Guerry, www.flickr.com


Mein Schwanz gehört mir!

Markus Kellenberger | Freitag, 24.10.2008

"Schwanz" und "Tanz" reimt sich geradezu perfekt. Das wird sich auch Maggie Tapert gedacht haben, die kürzlich in Zürich die Aktion "Fit im Schritt" (auch so ein Brüllvers) über die Bühne, respektive übers Pflaster gehen liess.

Ziel der Aktion: Uns armen gebeutelten und völlig verunsicherten Männern ein bisschen Selbstvertrauen in Bezug auf unser bestes Stück zurück zu geben.

Grund der Aktion: Männer mit Potenzproblemen warten durchschnittlich zwei Jahre, bis sie sich getrauen, zum Arzt zu gehen - das hat eine Umfrage des Pharmaunternehmens Eli Lilly ergeben.

Oje! Da machen sich die richtigen zwei Sorgen um unsereins. Auf der einen Seite der arme "Machsteifdamiterewigkann-Pillen-Hersteller", der eben wegen unseriöser Werbepraktiken eine Strafe und gleich noch einen Milliardenverlust einstecken musste - und auf der anderen Seite die geschäftstüchtige und ewig feuchte Hohepriesterin der Lust, die im Internet ihre vielfältig eindeutigen Dienste prostituiert, pardon, wollte sagen anbietet. Und die gleich auch noch in rührend aufklärerischer Weise die postkoitale Diskussion lancieren will, ob man(n) seinem "Schwanz" in aller Öffentlichkeit einfach "Schwanz" sagen darf - aus Sicht der besorgten Orgasmustante ein weiteres echtes Männerproblem.

Nun, liebe Maggie und liebe Eli: Leute und Konzerne wie Ihr zwei seid es, die uns Männern Probleme bereiten, nicht unsere Unlust oder unsere Partnerinnen. Ihr und Euresgleichen, die mir täglich per Mail unaufgefordert dutzende von Potenzpillenangeboten schicken, die mir ständig weismachen wollen, dass es "unnatürlich", ja geradezu "krank", "besorgniserregend", "unmännlich" und überhaupt "abnorm" sei, wenn ich mal ein paar Tage lang nicht will. Nicht zu wollen ist natürlich - ständig zu müssen ist unnatürlich.

Tammisiech noch mal! Es ist, damit das deutlich gesagt ist, mein Recht als Mann und Mensch, nicht jederzeit und überall vögeln zu wollen und zu können. Es ist mein Recht als gesunder und gegen die Fünfzig zugehender Herr, einfach mal den "Schwanz hängen lassen zu dürfen" und "anstelle von" einfach neben meiner Partnerin liegend ein gutes Buch zu lesen, vielleicht auch ein bisschen zu kuscheln - und mehr nicht. Und darum rufe ich Euch Pillenverkäufern voll männlichen Stolzes zu: DAS IST NICHT KRANK! DAS IST NORMAL!

Und damit Sie, Frau Tapert, nicht die einzige sind, die mit lustigen Verslein à la "Fit im Schritt" glänzt, habe ich extra für Sie auch einen kurzen Reim gedichtet: "LASS MICH IN RUH - DU GEILE KUH!"


Profit, Profit, Profit!

Markus Kellenberger | Montag, 04.02.2008

Heute am Radio hörte ich eine Reportage über eine neue und bisher eher unbekannten Krankheit. Eindringlich wurden die vielfältigen Symptome geschildert, Betroffene kamen zu Wort und die Adresse der frisch gegründeten Selbsthilfeorganisation wurde mehrmals wiederholt – auf dass sich aus dem kleinen Trüppchen Leidender alsbald ein gewaltiges Heer bilde.

Ich verzichte darauf, hier die Krankheit oder deren Symptome zu nennen, von denen einige sicher auch auf Sie und mich zutreffen. Ich bin es nämlich leid, täglich neue Schreckensbotschaften aus dem Reich der Medizin zu hören. Nicht zuletzt dank den Medien, die gemäss dem Motto «bad news are good news» gerne solche Meldungen verbreiten, hat sich in unserer Wohlstandsgesellschaft ein Klima der Angst und der Angstmacherei gebildet. Gezielt schüren Spitzenmedizin und die Pharmaindustrie die Angst vor Schmerz, Tod und neuen Krankheiten, denn damit lässt sich viel Geld verdienen. Jahr für Jahr kommen neue Medikamente auf den Markt, die verkauft sein wollen. Jahr für Jahr werden neue Impfungen angeboten, die diese, eine und jene Krankheit verhindern sollen. Jahr für Jahr starten Apotheken neue Aktionen, um uns Konsumenten in die Läden und zum Arzt zu treiben. Die Krebsliga, die Lungenliga, die xy-Liga.....alle warnen sie unablässig vor schlummernden Krankheiten, drohenden Seuchen und qualvollem Leiden – und selbstverständlich finden sich auch immer arme Vorzeigeopfer, respektive solche, die nur dank dem Einsatz der Pharma noch am Leben sind (wie immer das auch aussieht!).

Aber lassen wir das. Stellen wir uns einfach die Frage: Warum heisst unser Gesundheitssystem eigentlich Gesundheitswesen – und nicht ANGSTsystem und KRANKEITSwesen. Es wäre ehrlicher!

Bild: © Chrisdesign / PIXELIO



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