War nach vielen vielen Jahren wieder mal in der Kirche. Morgenpredigt mit Abendmahl. Unser Jüngster besucht den KUW, den Kirchlichen Unterweisungsunterricht. Freiwillig. Er will wissen, wo Gott hockt. Wenigstens einer in der Familie.
Also früh auf und ab. Der ältere Bruder pubertiert und bleibt liegen. Soll er doch, der liebe Gott wird sich das schon merken. Meine Geliebte und ich sowie die
aufgebotenen Grosseltern sehen also wieder mal die Dorfkirche von innen. Normalerweise betreten wir solche Gebäude nur in den Ferien. Aus kulturellem Interesse.
Der Pfarrer am Eingang umfasst meine Hand innig mit seinen beiden. Irgendwie ein bisschen too much. Wir setzen uns. Die KUWler sind schon da. Vorderste Reihe. Herzig. Sohn nickt uns ernst zu.
Predigt beginnt. Kirchgemeinderatspräsident begrüsst den Pfarrer, da er neu sei. So so.
Dann begrüsst der Pfarrer die Gemeinde und sagt, dass er neu sei. So so.
Dann beginnt die Predigt mit Multimedia. Orgelspiel (hat mir noch nie wirklich gefallen, diese gequetschten Himmelfahrtstöne), Powerpoint mit Geschichte, Singen (342, 1+2), Aufstehen, Beten, Absitzen.
Dann endlich der Auftritt der Kleinen. Deswegen sind wir gekommen. Braves Aufreihen vor dem Altar, kurzes Raunen im Auditorium. "Unserer? Der Vierte von Links!"
Kinderstimmen erheben sich. Fünf volle Strophen. Weiss nicht mehr welches Lied, bin immer zu berührt, wenn der eigene Sohn auftritt. Dann Stille. Und noch mehr Stille. Und noch viel mehr Stille. Verdammt. Warum klatscht in der Kirche nie jemand? Und ich auch nicht?
Warum hebt nie jemand die Hand und stellt eine Frage?
Warum lacht nie jemand voll Freude?
Warum gibt es in der Kirche keinen Applaus für gar nichts?
Fotos: Andrew / flickr / cc, PeWu / flickr / cc