Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Natur

Und wie fahren Sie zurück zur Natur?

Tertia Hager | Freitag, 22.07.2011

Städter neigen ja dazu, die Natur zu romantisieren. Sie kraxeln auf Berge, stürzen sich Wildwasser hinunter, lustwandeln durch Wälder. „Unbeschreiblich“, „faszinierend“, „wundervoll“, „so intakt“ schwärmen sie.

Ich bin auch so eine. Sitze ich irgendwo auf einer Bergspitze, das Panorama vor mir und die Stille um mich, dann ist das einfach nur schön und durch fast nichts zu übertreffen. Doch die Berge sind weit und so gehe ich – überkommt mich die Sehnsucht nach Natur – regelmässig in den nahen Wald, wo ich nicht nur die Krähen reklamieren höre, sondern auch Eichelhäher, Schnecken und manchmal Rehe sehe. Hin und wieder kreuze ich einen Jogger. Und entlang dem Waldrand führt die Quartierbevölkerung ihre Hunde aus. Es ist dort am Zürichberg durchaus idyllisch und so natürlich wie dies in städtischer Umgebung eben möglich ist. Hin und wieder begegne ich auch Kindern aus dem „Waldchindsgi“. Fröhlich und voller Tatendrang sind die Knirpse: Sie wollen den Wald, die Pflanzen und die Tiere entdecken, die Natur kennenlernen. Dass die Kinder dabei lernen, der Natur und unseren Ressourcen Sorge zu tragen, ist der positive Nebeneffekt ihres Abenteuers im Wald. Und von ihren Eltern wohl auch genauso beabsichtigt. Schliesslich hat heute jeder ein entwickeltes Umweltbewusstsein, bringt sein Glas zur Sammelstelle, kauft Green-Cotton und isst Regionales und Saisonales.

Während es in den 1980er-Jahren noch ein kleiner Haufen Aussteiger und zweifelnder Geister war, der sich für Naturschutz, alternative Energien und Bio-Müesli interessierte, gehört ein ökologisches Bewusstsein heute zum Allgemeingut. Bloss: Der Slogan aus den 80ern gilt eben auch immer noch: „Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuss.“ Hoffentlich fragen die „Waldchindsgi“-Buben und Mädchen eines Tages: „Du Mami, wieso fahräd mir eigentlich mit äm Auto zum Chindsgi? Und wieso hät s‘ Mami vom Lukas so än grossä BMW?“.

Fotos: tillwe / flickr / cc, Mario Spann / flickr / cc

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Burkhalters "Ja aber" zur Komplementärmedizin

Markus Kellenberger | Donnerstag, 13.01.2011

Warum nur hat es die Komplementärmedizin so schwer? Das Volk will sie in der Grundversicherung. Die Eidgenössische Leistungskommission will sie nicht in der Grundversicherung. Bundesrat Didier Burkhalter will sie in der Grundversicherung. Die Grundversicherer wollen sie eher nicht in der Grundversicherung. Ein elendes Hin und Her, das jetzt mit einem vorläufigen Machtwort des Gesundheitsministers ein zeitlich begrenztes Ende gefunden hat. Ab 2012 werden Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie, Phytotherapie und die TCM wieder in die Grundversicherung aufgenommen. Aber nur bis 2017, denn in diesen sechs Jahren müssen die Vertreter der Komplementärmedizin deren Wirksamkeit beweisen. Das wird hart.

Hart darum, weil vieles, was die Stärke der Naturheilkunde ausmacht, im Labor nicht messbar ist. So zum Beispiel die Stärkung der Selbstheilungskräfte, die bei Methoden wie der Homöopathie, der Spagyrik oder bei Bach-Blüten eine wichtige Rolle spielen. Wurde der Patient gesund, weil die Globuli wirkten - oder weil er an deren Wirkung glaubte? Den Labortest möchte ich sehen, der diese Frage zweifelsfrei beantwortet.

Aber genau diese Frageund noch ein paar dazu werden entscheidend sein, ob nach 2017 alle fünf Methoden der Komplementärmedizin weiter in der Grundversicherung bleiben dürfen - oder ob einige wieder rausfliegen. Entscheiden wird das unter anderem die Eidgenössische Leistungskommission ELGK), die sich bisher auf den Standpunkt stellt, dass die Komplementärmedizin die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit, welche das Krankenversicherungsgesetz verlangt, nicht erfüllen.

Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit, kurz WZW, sind also das Mass aller Dinge. Schulmedizin und Pharma erfüllen diese Kriterien, behauptet die ELGK, und stützt sich dabei bequem auf allerlei Studien. Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit - so, so! Wenn diese drei Kriterien auf Schulmedizin und Pharma zutreffen, dann stellen sich mir einige Gegenfragen. Zum Beispiel:

• Warum gibt es dann jedes Jahr mehr Patienten, die in die Arztpraxen strömen?

• Warum werden unsere Spitäler immer voller statt leerer?

• Warum verkauft die Pharma Jahr für Jahr mehr Pillen (ohne dass es deswegen mehr Gesunde gibt)?

• Warum braucht es immer mehr Ärzte und Pflegepersonal?

• Warum gibt es immer mehr Kaiserschnitte statt natürliche Geburten?

Der Gerechtigkeit halber müssen dieselben Fragen auch der Komplementärmedizin gestellt werden. Denn in den letzten Jahren sind unzählige Therapeuten und neue Produkte auf dem Markt aufgetaucht. Würde die Komplementärmedizin so ganzheitlich betrieben, wie  deren Vertreter nicht müde werden zu behaupten, müsste zumindest in diesem Bereich eine deutliche Verbesserung der Volksgesundheit zu beobachten sein - und die Umsätze in der Naturheilkundebranche müssten eigentlich sinken, doch wie bei der Schulmedizin und der Pharmaindustrie ist auch hier das Gegenteil der Fall.

Weil das so ist, komme ich zur abschliessenden und hoffnungslosen Diagnose: Unser ganzes Gesundheitswesen ist krank - und macht uns krank!

Fotos: Wonderlane / flickr / cc, AmxSelleck / flickr / cc


Waidmanns Heil!

Markus Kellenberger | Freitag, 01.10.2010

Auf einer Herbstwanderung im Bündnerland traf ich einen Jäger. Es war mitte September und wir kamen ins Gespräch, denn die Jagd war in vollem Gange. Wir redeten über dies und über das, über die Hirsche und die Gämsen, die heuer aus unerfindlichen Gründen nur schwer zu jagen waren, und schliesslich auch über Grossraubtiere. Ob der Luchs im Bündnerland schon eingewandert sei, fragte ich. „Nein“, sagte der Jäger, „und das wird er auch nicht.“ Eventuell leicht naiv wollte ich wissen, warum. „Nun“, sagte der Jäger, „der Luchs ist allergisch.“ Nach einer kleinen Kunstpause, während der er meine grossen staunenden Augen genoss, fuhr er fort: „Ja, allergisch ist er. Und zwar gegen Blei!“

Nun habe ich im Nationalrat die Wolfsdebatte mitverfolgt und weiss jetzt, auch der stolze Isegrim leidet an dieser Krankheit. Ich könnte mich an dieser Stelle nun einfach lustig machen über die hochsubventionierten Schafzüchter und die futterneidischen Jäger in diesem Land, insbesondere jene aus dem Wallis und dem Graubünden. Doch irgendwie verspüre ich keinen Drang, aus diesem Trauerspiel eine Glosse zu machen. Die Schweiz will mehr Natur? Welche denn? Die, die auf dem Mittelstreifen der Autobahn gerade noch so Platz hat?

Fotos: ninaaa / flickr / cc, tiegeltuf / flickr / cc

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): BielDebatteJägerNaturPolitikWolf

Richtig zersiedeln

Andres Jordi | Dienstag, 21.07.2009

Das aktuelle Pro-Natura-Magazin thematisiert die Zersiedelung in der Schweiz. Demnach verschwindet hierzulande jährlich Kulturland von der Grösse des Bielersees. Intakte Kulturlandschaften gerieten immer mehr in Bedrängnis, schreibt Pro Natura.  Mit der im August letzten Jahres eingereichten Landschaftsinitiative fordert die Naturschutzorganisation verbindliche Massnahmen gegen den Landschaftsfrass: Die Gesamtfläche an Bauzonen soll während zwanzig Jahren nicht wachsen dürfen, die Trennung zwischen Bau- und Nichtbaugebiet in der Verfassung verankert, das Kulturland geschützt werden.

Eigentlich gibt es am Bestreben, die verbliebenen Naturräume vor Überbauung zu schützen, nichts auszusetzen. Ich habe die Initiative seinerzeit ebenfalls unterschrieben. Ich will ja nicht in einer Betonwüste namens Mittelland leben und mir ist eine intakte Kulturlandschaft ein Anliegen.

Nur: Wie intakt sind denn die «intakten Kulturlandschaften» grösstenteils wirklich? In meiner Wahrnehmung sind es vor allem ausgeräumte, intensiv genutzte Landwirtschaftsgebiete, die überbaut werden. Nehmen wir an, die neu entstandenen Einfamilienhäuser haben einen naturnahen Garten mit diversen Kleinstrukturen, vielleicht ein begrüntes Dach. Ich bin überzeugt, dass ein solcher Siedlungsraum aus Sicht des Naturschutzes letztlich wertvoller ist als die profane Fettwiese oder Maismonokultur, die vorher auf der überbauten Fläche stand. Vielleicht wäre auch hier ein etwas differenzierter Blick vonnöten und das Wie wichtiger als das Was.

Vorbehaltlos unterstützenswert finde ich hingegen die aktuelle Petition von Pro Natura und Birdlife zum Schutz der verbliebenen Trockenwiesen der Schweiz. Aufgrund der Intensivlandwirtschaft sind seit 1945 90 Prozent dieser Lebensräume verschwunden. 40 Prozent der einheimischen Flora und 50 Prozent der Fauna sind aber auf Trockenwiesen angewiesen. Hier sollen wirklich wertvolle Landschaften geschützt werden. Die Petition können Sie hier online ausfüllen.

Bild:  Franz Haindl / PIXELIO


Wie finden Sie das neue "natürlich leben"?

Markus Kellenberger | Donnerstag, 30.04.2009

Nicht ohne Stolz gehe ich davon aus, dass Sie bemerkt haben, dass sich bei uns etwas geändert hat - und zwar schon auf der Titelseite. Schauen Sie sich das ganze neue Heft rechts auf dieser Website in aller Ruhe an - einfach drauf klicken! Nach fast 30 Jahren haben wir es gewagt, den Namen von «natürlich» mit dem Zusatz «leben» zu ergänzen, kurz: aus «natürlich» ist mit der aktuellen Mai-Ausgabe «natürlich leben» geworden.

Lebenskonzept in zwei Worten

«natürlich leben» ist für uns aber mehr als nur eine Spielerei mit dem Titel - es ist ein Lebenskonzept in zwei Worten, und es bringt auf den Punkt, wofür unser Magazin steht.

Das zeigt sich auch im neu gestalteten Innenteil. Wir haben für Titel und Texte warme, feminine und gut miteinander harmonierende Schriften gewählt, zur Hauptsache aus der Times- und der Hevetica-Familie. Schriften und Gestaltungselemente wie Boxen und Linien, sowie die Bildsprache vereinigen sich zu einem modernen Retrolook, denn «natürlich leben» soll nicht nur den Intellekt, sondern auch den Bauch ansprechen. Ein Heft zum Anfassen und geniessen - und ein Heft, das man gerne auf dem Salontischchen präsentiert.

Auf den Inhalt kommt es an

Doch was wäre ein schönes Heft ohne einen interessanten und gehaltvollen Inhalt? Eine Art Sandwich ohne Käse und Fleisch! Aus diesem Grund haben wir auch daran gefeilt. Neue Rubriken wie «Haus&Garten» und «Leben» ergänzen unsere Evergreens «Gesundheit» und «Natur». Insgesamt ist der Themenmix damit reichhaltiger, nutzwertiger und auch aktueller geworden und bietet allen, die «natürlich leben» wollen, Information und Inspiration für den Alltag.

Neue Autoren wie der Gartenphilosoph Remo Vetter oder die Romanschreiberin Nicole Amrein erweitern anregend und unterhaltend den Kreis unserer gestandenen Kolumnisten, wie beispielsweise Heinz Knieriemen, der die Lockungen der Lebensmittel- und die Verheissungen der Pharmaindustrie messerscharf analysiert.

Und jetzt sind Sie dran

Falls Sie sich nun fragen: «Warum tun die das?», so lautet meine Antwort: «Weil wir so gut wie nur möglich für unsere Leserinnen und Leser da sein wollen - am liebsten sogar noch besser!» Und dazu brauchen wir Ihre Hilfe. Bloggen Sie uns, loben Sie uns, kritisieren Sie uns und/oder beantworten Sie die nebenstehende Frage. Auf Ihre Rückmeldung sind wir vom «natürlich leben» natürlich gespannt.

Herzlich

Ihr Markus Kellenberger
Chefredaktor «natürlich leben»

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