Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Nacht

Worum sich die Welt wirklich dreht

Markus Kellenberger | Mittwoch, 29.06.2011

Ein Blog muss her. Ein Thema. Welches? Die Welt ist voller Themen. IWF, Fukushima, Schächtverbot, Korruption in Afghanistan, Frankenhoch, steigende KK-Prämien, Klimaveränderung, Weltbevölkerung, China, Menschenrechte, Palästina, Papierfabrik Biberist, Weltwirtschaft, Griechenland, Umweltzerstörung, Novartis, neue Krebstherapien, Maul- und Klauenseuche, Blitz und Donner, Dominique Strauss-Kahn, Männergewalt, Frauenintrigen, Zersiedelung, Ausländeranteil, EU, Libyen, Hunger, Übergewicht, Energieverbrauch…

…aber was mich wirklich beschäftigt, ist dies: in der Nacht verirrte sich ein Juni-Käfer in mein Schlafzimmer. Ich erschrak wahnsinnig ob seinem Gebrumm, das im dunklen Raum aber rasch verstummte – und schlief wieder ein.

Heute Morgen fand ich ihn. Auf dem Nachttischlein lag er. Tot. Was für ein Leben ist das wohl als Käfer in dieser Welt?

Fotos: Bluedharma / flickr / cc, mordorian / flickr / cc

 

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ChinaFukushimaJuniKäferKellenbergerNachtNovartis

Frohe dunkle Weihnacht allüberall

Markus Kellenberger | Dienstag, 21.12.2010

Zwei Dinge sind mir in den letzten zwei, drei Monaten extrem aufgefallen: Halloween hat bei uns ausgegeistert – und in Sachen Weihnachtsbeleuchtung halten sich Schweizerinnen und Schweizer in diesem Jahr erstaunlich dezent zurück.

Mich freuen beide Entwicklungen, aber aus unterschiedlichen Gründen. Fangen wir bei Halloween an. Das ist ein Fest aus Irland, das mit den hungrigen Inselbewohnern nach Amerika ausgewandert ist, dort zum Fasnachtsersatz aufgeplustert wurde, um danach via Hollywood wieder nach Europa zurück geschickt zu werden. Etwas mehr als zehn Jahre ist es her, seit hierzulande erste Versuche liefen, Halloween zu kommerzialisieren. Der Grund (so vermute ich) lag darin, dass sich mit unserer Art, Allerseelen zu feiern, sowie den hauptsächlich von Kindergärten organisierten Räbeliechtliumzügen zu wenig Geld verdienen liess.

In der Folge füllten sich ab Ende September die Regale bei Coop und Migros mit dem aus vielen aus amerika stammenden TV-Serien und Filmen bekannten Halloween-Plunder. Angefixt durch die parallel erfolgende Halloween-Werbung forderten schon bald auch meine Söhne, in der Nacht auf den 1. November auf "Süssigkeiten oder Streiche"-Tour gehen zu dürfen. Räbeliechtli zu schnitzen fanden sie entsprechend überholt, ja geradezu katastrophal traditionell, sprich altmodisch, da nicht aus Plastik!

Zum Glück ist die Schweizer Mentalität genetisch tief verwurzelt, will heissen, Fremden gegenüber sowohl misstrauisch als auch resistent. Ausnahmen wie Kebab oder Hamburger bestätigen diese Regel. Aber wie auch immer: In diesem Jahr fielen nicht nur die Halloween-Regale deutlich kleiner aus als auch schon - auch meine Jungs zeigten kein Interesse mehr an dieser importierten und uns wesensfremden Veranstaltung. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr mich das im tiefsten Innersten glücklich macht, ja geradezu befriedigt. Wieder so ein Seich aus Amerika, auf den wir hier Gott sei dank verzichten können. Es lebe das Räbeliechtli!

Ein bisschen ähnlich geht es mir mit der in den letzten Jahren in einer breiten Bevölkerungsschicht zunehmend grassierenden weihnächtlichen Illuminationswut. Inspiriert von Spielfilmen von änet dem Teich und entsprechend penetranter Sendezeitplatzierung durch die unsäglich von Werbeblöcken unterbrochenen Privatsendern entstand auch hierzulande bei vielen Menschen der Eindruck, dass leuchtende Schnee- und Weihnachtsmänner, sowie Rentiere, Schlitten und Zubehör um praktisch jeden Preis auf jedes Dach, in jeden Vorgarten und in jedes der Strasse zugewandte Fenster gehören. Arm in Arm mit den Stromproduzenten begrüssen die heimischen Grossverteiler diesen für sie günstigen Trend, nicht ohne den Zeitgeist frühzeitig zu erkennen, um gleichsam mit dem Ergrünen der Gesellschaft auch energiesparende Lichterketten auf den Markt zu werfen - was wiederum bedeutet, dass die bis Dato zur vollständigen Beleuchtung eines einfachen Einfamilienhauses notwendigerweise angeschafften Lichterketten von mehreren Kilometer Länge durch teurere der Energieeffizient AA+ ersetzt werden müssen.

Und das ist genau der Punkt, an dem auch der Hinterste und Letzte merkt, dass er im Namen des Klimaschutzes eigentlich für dumm verkauft wird - und wohl darum sind in diesem Jahr bei einer abendlichen Fahrt über Land oder einem Spaziergang durchs Quartier deutlich weniger Weihnachtsbeleuchtungen zu sehen als auch schon. Achten Sie mal darauf – und zünden Sie in der Stube ein schlichtes Kerzlein an. Im Gegensatz zu tausenden leuchtenden Weihnachtsmännern macht das richtig warm ums Herz, wirkt extrem weihnächtlich – und es ist erst noch wahnsinnig umweltfreundlich.

Frohe Festtage! Und "natürlich" ein wunderbares neues Jahr!!

Fotos: Per Ola Wiberg / flickr / cc, terren in Virgina / flickr / cc


Schönes Geschenk

Andres Jordi | Montag, 01.12.2008

Man muss sich ja langsam aber sicher über Weihnachtsgeschenke Gedanken machen. In meiner Familie ist diesbezüglich ein richtungweisender Entscheid gefällt worden. Nach den jahrelangen Austauschsritualen von Tee-Geschenksets aller Varianten oder anderweitig nützlichen und sehnlichst gewünschten Präsenten haben die stimmberechtigten Mitglieder des Heiligen Familienrats bei einer Enthaltung einstimmig und mit sofortiger Wirkung beschlossen, sich gegenseitig keine Weihnachtsgeschenke mehr zu machen. Bisher war zur Vermeidung der postweihnächtlichen Geschenkdepression und zur Beruhigung des schlechten Gewissens jeweils diese Anlaufstelle die beste Adresse.

Ein kleiner Zusatz im Kleingedruckten des Familienbeschlusses präzisiert jedoch: Den lieben armen Kinderlein wollen wir doch weiterhin ein kleines, kleines Geschenklein machen. Zwar quellen die Kinderzimmer über mit Materie, doch die Kinderlein wären enttäuscht und würden nicht verstehen, wieso sie denn nun nach Jahren der Materialschlachten nichts mehr zu Weihnachten bekämen. Man könnte ja einfach ein bisschen zurückfahren, wenden Sie nun vielleicht ein, liebe Natürlichblogger, und weniger und sinnvollere Geschenke machen. Geht leider nicht. Nicht wegen der antiautoritären Erziehung, sondern wegen Herbert Grönemeyer. Der forderte vor zwanzig Jahren mal unbedarft «Kinder an die Macht».

Schönes Geschenk! So ist es nun: Die lieben bescheidenen Kinderlein in unserer Familie diktieren uns den Schenkungsplan. Mein Göttibub hat mir kürzlich den genauen Ablauf erklärt. 1. Er wünscht sich von mir zu Weihnachten so ein sauteueres Legoset, 2. ich habe das im Laden xy zu kaufen, 3. von seiner Gotte will er bares Geld, 4. dies gibt er dann wiederum mir, damit ich ob dem sauteuren Legoset nicht gänzlich verlumpe und das Geschenk dann sowohl vom Gotti als auch vom Götti ist. Da kann ich doch nun nicht kommen und sagen: «I schänke dir mis Härz, me hani nid».

Irgendwie hat der Knirps die globalen Kapitalflüsse besser begriffen als ich. Denn je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir knauseriger Hinterbänkler, dass wir geradezu eine moralische Verpflichtung haben in Zeiten drohender Rezessionen und Bänklerkrisen haufenweise Frischgeld in den kapitalen Blutkreislauf zu pumpen, statt schnöde auf Verzicht zu machen. Nur so lässt sich die wirtschaftliche Blutleere abwenden. Also vergessen wir den amerikanischen Moralapostel Reverend Billy und seine Church of Stop Shopping. Kaufen wir, schenken wir, was das Portmonnaie hergibt, nicht nur den Kinderlein, sondern allen, die wir gern haben, uns selbst inbegriffen. Denn geben macht seelig. Schauen Sie mal, welche Dynamik dieses Credo entfalten könnte:
http://www.xing.com/app/forum?op=showarticles;id=10284657;articleid=10834117

Haben Sie Ihr Kauf- und Schenkverhalten schon kritisch hinterfragt? Noch ist es nicht zu spät.

Bild: Sister 72, Datei steht unter dieser Creative Commons-Lizenz

 

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): GeschenkeKonsumWeihnachten

Dieses Mal wird alles anders, gaaaanz anders!

Markus Kellenberger | Freitag, 28.12.2007

Die Idee stand rechtzeitig vor Weihnachten:

Die Festtage haben es in sich. Jedes Jahr dasselbe: Nein! Dieses Mal machen wir beim Weihnachtsrummel nicht mit! Dieses Mal wird alles gaaaanz anders! Heuer machen wir nur, was wir wollen! Aus, vorbei, die totale Verweigerung.

Und wie wars wirklich?

Blöd nur, dass Mutter bereits angerufen und gefragt hatte, wann es uns fürs Weihnachtsessen denn passen würde.  Blöd nur, dass die beiden Buben, der eine bereits recht ausgefeilt, der andere noch leicht krakelig aber nicht weniger bestimmt, ellenlange Wunschlisten abgeliefert hatten (darunter zu meinem Entsetzen ein Gameboy sowie ein «für immerundewig» gültiger Gutschein für McDonalds). Und blöd nur, dass ich fünf Minuten vor Weihnachten immer noch nicht wusste, was ich meiner Geliebten schenken soll. Was für drunter? Was für drüber? Und falls ja, welche Farbe und, ogottogott, welche Grösse? Ein Paar Ohrringe vielleicht?

Und was wünsche ich mir eigentlich? Vielleicht das: nächstes Mal soll alles gaaaanz anders werden! Oder doch nicht?

Bild: © Gabi Schoenemann / PIXELIO

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