Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Musik

Sonne, Sex und Rock'n'Roll

| Donnerstag, 08.07.2010

Aaaaah, diese Hitze. Ich habs einfach gern. Mag meinen Schweiss, der in Strömen strömt, das Flirren der Luft, das gewaltige Türmen der Wolken, das Zirpen der Grillen, den Sommer schlechthin.
Ich bin kein Schneemensch, neige eher zu winterlichen Depressionen. Aber sobald die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, geht es auch mit meinem Bio-Rhythmus wieder obsi, der sich eher nach den Jahreszeiten als nach den Monaten richtet.

Kaum ist es hell und warm, ändert sich auch meine Musikauswahl. Herrschen im Winter eher dunkle Klänge und Gesänge vor, beispielsweise Leonard Cohen, höre ich im Sommer am liebsten Swing à la Andrews Sisters und Benny Goodmann. 70 Jahre alt ist diese Musik und sie macht mich tanzen und singen. Und sie erinnert mich daran, dass sich die Generationen vor mir auch schon aus schrägen und schrillen Jugendlichen zusammensetzte. Das gilt auch für Rock'n'Roll. Eigentlich ein lauer Schmus, den dieser Elvis von sich gesondert hat - aber meine Mutter hat ihn geliebt. Und sie hat, noch bevor sie mir den Rhythmus weitervererbte, einen Rock'n'Roll-Tanz-Wettbewerb gewonnen. Irgendwo im Berner Oberland. In irgend einer Halbstarken-Beiz, die den Alten bestimmt ein Dorn im Auge war. Ich bin eigentlich eher die Rocker-Generation. Smoke on the Water und so, aber auch ein bisschen im Hippie-Groove daheim. Donovan und eine gute Tüte…aber das geht Sie gar nichts an. Was ich nämlich einfach sagen wollte, ist dies: Sonne, gute Musik und die Wärme wecken in mir die unbändige Lust nach Outdoor-Sex. Gruusig? Nein! Das nenne ich "natürlich leben".

Bild: clspeace / flickr / cc

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Katzenmusik

Andres Jordi | Freitag, 18.09.2009

Wie Sie wissen habe ich ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Kuscheltieren. Doch seit ich in einem Quasi-50-Prozent-Teilpensum mit zwei Katzen und einem Hund zusammenlebe, versuche ich meinem eigenen Frieden zuliebe und demjenigen des Hauses meine Sicht auf Haustiere den neuen Gegebenheiten anzupassen: Ich möchte Freundschaft schliessen. Und ich muss sagen: Wenn ich nicht gerade zwischen Atemnot und Brechreiz den vorzeitigen Geschäftsabschluss besagten Hundes vom Stubenboden aufwischen muss, sind meine neu gewonnenen Freunde eigentlich ganz nett.

Und sie scheinen uns doch sehr nahe zu stehen, haben sie doch ähnliche Dachschäden wie wir. Calimero, unser Kater, beispielsweise ist wahrhaftig ein Seelenverwandter des Don Quijotes. Er kämpft zwar nicht gegen Windmühlen, aber gegen unsichtbare Schatten und Wesen, vollführt im Kampf gegen seine Gegner akrobatische Hechtrollen in der Luft oder springt todesmutig die Wände an. Bei Chico, dem Haushund, bin ich überzeugt, dass der Arme manisch-depressiv ist. Wie nah Genie und Wahnsinn liegen, zeigt mir Nora, eine Katze, mit der ich leider bis jetzt nicht näher bekannt bin. Sie repräsentiert für mich in gewisser Weise das Ideal einer tierischen Freundin. Mit ihr kann man über Musik reden, denn Nora ist Pianistin. Der litauische Dirigent und Komponist Mindaugas Piečaitis hat ihr eigens ein Werk auf den Leib geschrieben. Hören und sehen Sie das CATcerto – mit Nora als Solistin. Haben Sie auch musisch veranlagte tierische Freunde in ihrem Bekanntenkreis? Vielleicht liesse sich ja ein kleines Hauskonzert organisieren oder ein Orchester gründen.

Foto: Gibsonclaire / flickr / cc

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Oh Wonne, so ganz ohne TV und Gras

Markus Kellenberger | Freitag, 06.02.2009

Jetzt ist es drei Wochen her, seit ich den Fernseher ausgestöpselt und im Keller zwischengelagert habe, und wir haben bis heute ohne Care Team und Survival Set überlebt. Einige Male noch hat meine Geliebte gemeint, sie würde sich gern vor dem Kasten niederlassen, auch die Kinder haben noch zwei, drei Mal mit Blick auf die Uhr erwähnt, dass genau jetzt die Simpsons laufen würden - aber sonst ist überhaupt nichts passiert. 

Ja. Rein nichts! Die Welt dreht sich noch. Die relevanten News entnehme ich den Zeitungen, die ich etwas intensiver als sonst lese, weil ich nicht schon (fast) alles in der Tagesschau gesehen habe. Und die Kinder? Die lesen tatsächlich Bücher. Für alle TV-Freaks unter Euch: Das sind diese dicken Dinger aus bedrucktem Papier mit vielen, vielen Seiten.

Seit die Glotze weg ist, habe ich zudem meine alte Plattensammlung wieder entdeckt. Sie umfasst über 500 LP's (das sind Langspielplatten mit 33 Touren, meine Lieben) oder anders ausgedrückt: Meinen gesamten Stiftenlohn!

Hey, was findet sich dort unter der dicken Staubschicht nicht alles. In diesen Tagen geniesse ich die fast komplette Donovan-Sammlung, von der Sie hier einige Kostproben hören können. Nimmt mich wunder, wie er Ihnen gefällt. Abend für Abend setze ich mich hin, lege eine Platte auf und ziehe sie mir rein. Immer nur eine. Meine Geliebte legt sich dann aufs Sofa und staunt, was ich früher so alles gehört habe - und was es früher doch für wunderbare Musik gab. Und auch meine Söhne, ansonsten eher der Green Day-Fraktion angehörend, lauschen gerne mit. Der spinnt halt ein bisschen, der Alte, besonders wenn er dann noch aufsteht, zuckt und tanzt und (grässlich) singt.

Wenn Donovan durch ist – "Jennifer, Juniper", "Season of the Witch" und "The Sun" sind die Familienlieblinge –, kommt Cat Stevens dran, danach vielleicht die Moody Blues und dann sehen wir weiter.

Donovans Hippie- Sound fährt ein. Mittlerweile auch ohne Gras!
Wir bleiben weiterhin ohne TV!

Donovan on tour: www.topact.ch

 

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Finanzkrise, Tierversuche und die Lieder alter Männer

Markus Kellenberger | Montag, 03.11.2008

Nein. Über die Finanzkrise schreibe ich nicht, das tun und können andere besser. Auch über die gestiegene Zahl der Tierversuche in der Schweiz will ich mich nicht auslassen, dazu fehlen mir die Worte. Viel lieber möchte ich Ihnen von einem Erlebnis erzählen, das mich im innersten berührt hat, das seit Tagen in mir nachhallt, das mich mit tiefer Freude, ebensolcher Sehnsucht und schierer Verzweiflung füllt.

Ich war am Leonard Cohen-Konzert in Zürich. Gute Kritiken eilten dem Mann voraus, dessen Lieder mich schon vor 30 Jahren in nachdenkliche Melancholie gestürzt hatten, insbesondere in Zeiten grösseren Liebeskummers und pubertärer Lebensverdrossenheit.

Ich erwartete ein bisschen «Suzanne» hier und ein wenig «Lover Lover Lover» da und dazu ein Quentchen gemütlich-beschauliche Rückschau auf vergangene Zeiten, das, was man von einem alten Barden in etwa so erwartet.

Was ich dann sah und hörte, hat meine Seele unerwartet stark und nachhaltig erschüttert. Cohen (www.leonardcohen.com) sang mit seiner tiefen Stimme, seine Band begleitete ihn Wort für Wort, Ton für Ton, geradezu leise und nur so viel wie nötig – ebenso wie die drei Chorsängerinnen, deren feine Stimmen die richtigen Akzente setzten. Kein Gehüpfe und Gezappel wie bei Madonna oder Musicstar. Kein «auf der Bühne herumwirbeln» wie bei Mick, der einfach nicht älter werden will, keine schrillen Schreie und ebensolche Kostüme wie bei Bobo, keine bunte und laute Showorgie, die miserable Musik und leere Texte verdeckt – einfach nur ein alter Mann, seine Lieder, seine Band und seine Sängerinnen, die achtsam jedes Wort und jede Note dort platzierten, wo sie hingehörten, und sonst gar nichts.

Aber nicht nur die Musik war es, die in mich drang. Was alle Lieder wie ein gewaltiges Himmelsdach zusammen hielt, war der für alle spürbare Respekt, den sich Sänger und Musiker entgegenbrachten, war die Art und Weise, wie sich der 74-jährige Cohen vor jedem seiner Mitmusiker und immer wieder auch vor seinem Publikum verbeugte. Dankbar. Würdevoll. Warm. Weise. Und eben voller Respekt.

Cohens aufs Selbstverständlichste zelebrierte Demut und Menschlichkeit, die in diesen Zeiten so rar geworden sind, hat mich, den alten Berufszyniker, während des Konzerts haltlos weinen lassen. Lange Angestautes. Verborgenes. Verbotenes. Verdrängtes. Vergessenes. Ich schäme mich nicht.

Danke, alter Mann.

Bild: Rama, Datei steht unter dieser Creative-Commons-Lizenz.

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Die Welt den Träumern!

Markus Kellenberger | Freitag, 25.04.2008

Madonna gibt eine neue CD heraus. Chartträchtiger Titel: «Hot Candy!». Inhalt: Bewährtes in flottem R’n’B-Pop, musikalisch herunter gebrochen auf den Geschmack der breiten Masse, die Millionenverkäufe des Al-bums sind prognostizierbar.  Ich freue mich ein bisschen auf den Titelsong, immerhin hätte Madonna eine Klasse über mir in die Schule gehen können – doch die CD werde ich mir deswegen trotzdem nicht kaufen.

Überhaupt habe ich seit Jahren keine CD mehr gekauft. Die Menge an Musik, die mir aus Radios, Ladenlautsprechern, Telefon-warteschlaufen, Klingeltönen, Restaurant-toiletten, MP3-Playern, Autos, Ghettoblastern und überhaupt aus allen Löchern und Ritzen dieser Welt entgegenbrandet, verstopft mir die Ohren zur Genüge.

Das nicht zuletzt aber auch darum, weil ich in der grossen Mehrheit dieses orga-nisierten Lärms keine wirkliche Botschaft mehr erkenne. Madonna singt am lieb-sten über sich, Rapper über mir fremde Welten aus Amerika, und der allgemeine Rest der Popwelt begnügt sich mit vergnüglichen Reimen, respektive melodiösen Hymnen an die Oberflächlichkeit eines auf Sun und Fun ausgerichteten Lebens.

Vor einigen Tagen aber horchte ich beim schnellen Einkauf im örtlichen Super-markt dennoch überrascht auf. Leise, schier übertönt vom Quitschen eines etwas schwergängigen Rades an meinem Einkaufswagen, vernahm ich Klänge aus der Vergangenheit. John Lennon. Imagine. Und das zwischen all den Sonderangebo-ten. Glauben Sie mir, irgendwie war ich den Tränen nahe. Die Hymne meiner Jugend hier im Grossverteiler.

Und damit den jüngeren Leserinnen und Lesern unter Ihnen klar ist, warum mich das so unendlich traurig stimmte, hier nochmals der Text meines Lieblings-liedes, der es angesichts von Tibet, der neuen Hungerkrise der Menschheit und des weltweit erstarkenden Nationalismus sicher nicht verdient hat, zum konsum-ankurbelnden Hintergrundgedudel degradiert zu werden:

Imagine there’s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky

Imagine all the people
Living for today

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Imagine nothing to kill or die for
And no religion too

Imagine all the people
Living life in peace

You may say I am a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

Imagine no possessions
I wonder if you can

No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world

You may say I am a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one



Stell dir vor, es gibt kein Himmelreich
Versuchs, es ist leicht
Keine Hölle unter uns
Über uns nur der Himmel

Stell dir vor, alle Menschen
Leben nur im Jetzt

Stell dir vor, es gibt keine Länder
Es ist nicht schwer
Nichts, wofür man töten oder sterben müsste
Und auch keine Religion

Stell dir vor, alle Menschen
Leben ihr Leben in Frieden

Vielleicht sagst du nun, ich sei ein Träumer
Aber ich bin nicht der einzige
Ich hoffe, du schliesst dich uns eines Tages an
Und die Welt wird eins sein

Stell dir vor, es gibt keinen Besitz
Ich frage mich, ob du das kannst

Keinen Grund für Gier oder Hunger
Alle Menschen wären Brüder
Stell dir vor, alle Menschen
Teilen sich die Welt

Vielleicht sagst du nun, ich sei ein Träumer
Aber ich bin nicht der einzige
Ich hoffe, du schliesst dich uns eines Tages an
Und die Welt wird eins sein 

Bilder: PD / WIKIMEDIA

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): FriedenLennonMusik


Natürlich im Februar 2012


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