Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Menschen

Die Schweiz wächst – mir über den Kopf

Markus Kellenberger | Donnerstag, 31.03.2011

Bis zum Jahr 2035 soll die Bevölkerung in der Schweiz um über 10 Prozent wachsen. Gegen 10 Millionen Menschen (der grösste Teil davon zum Glück in den Ballungsgebieten Zürich und Genf) wohnen dann hier, arbeiten hier, lieben hier, lernen hier, wandern hier, streiten hier, feiern hier, konsumieren hier, pendeln hier, flanieren hier, siechen hier, sterben hier, tanzen hier, verdienen hier, träumen hier, flirten hier, kochen hier, waschen hier, vögeln hier, lachen hier – kurz: leben hier.

Angesichts dieses demografischen Aussichten wandere ich diesen Sommer so häufig wie möglich, denn im Jahr 2035 stehen wir am Hohtürli möglicherweiseschon  Schlange, wie seinerzeit die Goldgräber am Chilkoot Pass.

Ich weiss, wir brauchen all diese Frauen und Männer, für den Erhalt unserer Arbeitsplätze, die AHV usw. usw. – und doch beschleicht mich schon heute des öftern das unangenehme Gefühl zunehmender Enge. Denn statistisch, geografisch und wirtschaftlich gesehen stimmt die durch verschiedene Statistiken belegte Rechnung: Die ganze Infrastruktur der Schweiz erträgt problemlos deutlich mehr Menschen als heute – aber ich vielleicht nicht.

Und Sie? Was halten Sie von einem zum gewaltigen Dorf zusammengewachsenen Mittelland?

Fotos: rileyroxx / flickr / cc, twicepix / flickr / cc

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Godzillas Wiedergeburt und die Strafe Gottes

Markus Kellenberger | Montag, 14.03.2011

In Japan hat Godzilla gewütet. Das aus Atomtests hervorgegangene Filmmonster hat nun in echt zugeschlagen. Erst hat es die Erde beben lassen, dann eine Flutwelle über das Land geschickt - und jetzt droht in mehreren seiner Brutstätten der Gau. Zeitungen, Radio, TV, das Web - alles ist voll mit den Schreckensmeldungen aus dem Inselreich - und ich mag sie mir gar nicht mehr anschauen. Machen wir einen kleinen Rückblick auf die letzten 15 Monate:

• Januar 2010: Erdbeben in Haiti.

• Februar 2010: Erdbeben und Tsunami in Chile

März 2010: Orkan Xynthia tötet über 60 Menschen in Westeuropa

März 2010: Vulkanausbruch in Island

März 2010: Wirbelsturm verwüstet den australischen Bundesstaat Queensland

April 2010: Die Ölpest im Golf von Mexiko.

April 2010: Erdbeben in China

April 2010: Erdrutsche und Überschwemmungen in Rio de Janeiro

Mai 2010: Wirbelsturm Agatha trifft Guatemala und El Salvador schwer

Juli 2010: Loveparade-Katastrophe in Duisburg

August 2010: Überschwemmungen in Pakistan.

August 2010: Waldbrände in Russland

August 2010: Hochwasserkatastrophe in Sachsen/Brandenburg

August 2010: Schwere Erdrutsche in China

Oktober 2010: Giftiger Industrieschlamm tritt in Ungarn aus

Oktober 2010: In Indonesien bricht der Vulkan Merapi aus

Dezember 2010: Überschwemmungen in Australien. 

Februar 2011: Die Neuseeländische Stadt Christchurch wird durch ein Erdbeben verwüstet

Frage eins: An wie viele dieser von den Medien jeweils tage-, einige auch Wochenlang ausgeschlachtete Ereignisse haben Sie sich aktiv noch erinnern können?

Frage zwei: Warum nur an so wenige?

Und Frage drei: Ist das Gottes Strafe?

Zur Beantwortung der letzten Frage halten einige Leserinnen und Leser bestimmt passende Bibelzitate bereit. Ersparen Sie es sich, mir diese zu schicken - ich glaube weder an Gott noch an Götter.

Aber ich glaube daran, dass wir Menschen einem Machbarkeitswahn unterliegen. Ich glaube daran, dass wir diesen Planeten mit unserer Rasse überfluten und vergiften. Aber ich glaube nicht daran, dass wir das in den Griff bekommen werden, so wie ein Freund von mir das tut. "Wir Menschen werden für alles eine Lösung finden", sagt er und setzt auf ungebremsten Fortschritt. In der Medizin, in der Technik und überhaupt. "Ohne Fortschritt", predigt er unerschütterlich, "werden wir bald wieder in Höhlen leben." Bei diesem Punkt gebe ich ihm jeweils recht. Wir werden bald wieder in Höhlen leben - aber wegen des Fortschritts.

Übrigens: Ghadhafi ist am gewinnen - und schon bald werden wir ihm wieder auf die Schultern klopfen, denn der Mann hat Öl. Und ohne Öl kein Fortschritt, geschweige denn ohne Atom!

Fotos: Making Thinks Better / flickr / cc, Abode of Chaos / flickr / cc

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): AtomtestsErdeFlutwelleGötterGhadhafiGodzillaMedienMenschenPlanet

Verospeln wir den Sommerblues!

Andres Jordi | Montag, 21.07.2008

So, da hock ich nun. Kollege Kellenberger hat sich in die Ferien verabschiedet, macht wahrscheinlich gerade mit seinem Solarmobil – oder ist es eine Moto Guzzi? – die Gegend unsicher und hat den Blog politisch korrekt links liegen lassen. Da hock ich nun, verlore wi ne Gagu, um es mit Endo Anaconda zu sagen. Überhaupt: Im Büro gähnende Leere, auf den Strassen, in den Zügen. Freunde, Frauen, Kinder, Kegel: alle weg. In den Ferien. I hasse Ferie, i hasse Ferie singt die Würgeschlange des helvetischen Blues. Was mich betrifft: vor allem wenn andere sie haben und nicht ich.

Was ich mir bei Rushhour und Hochbetrieb jeweils sehnlichst wünsche – Platz, Ruhe, Frieden –, das ist nun plötzlich in Übermass vorhanden und beengt und beunruhigt mich. Wo mir all die Mitmenschen sonst manchmal ziemlich auf den Wecker gehen können, merke ich nun: Der Mensch und ich, wir sind zutiefst soziale Wesen. Wir brauchen Gesellschaft, sonst verkümmern wir wie eine Pflanze ohne Wasser und werden melancholisch. Wo seid ihr denn, all ihr lieben Leute? Und wer giesst eure Pflanzen? Muss denn niemand arbeiten? Hängt das Funktionieren unserer Wirtschaft nun gänzlich von einigen letzten verantwortungsbewussten Mohikanern wie mir ab?

Beim Wort verantwortungsbewusst kommt mir die UBS in den Sinn: Womöglich hat in der Grossbank bereits seit längerem die gesamte Belegschaft frei; das würde einiges erklären. Ob sich der Herr Ospel seit seinem Rücktritt als Verwaltungsratspräsident auch so verloren fühlt wie Endo und ich?

Apropos Ospel: Wer sich für subprime beziehungsweise suboptimale Anlagepraktiken und zugleich für die Weiterentwicklung der deutschen Sprache interessiert, der wird ab sofort das Verb «ospeln» (ich osple, du ospelst, sie ospelt usw.) in seinen Wort- und Erfahrungsschatz aufnehmen müssen. Alles Weitere dazu von Manfred Papst in seiner kürzlich erschienenen Zugabe in der NZZ am Sonntag: Was bleibt von Ospel?

Noch eine Zugabe meinerseits: Unterdessen existiert auch schon eine Internetseite zum Thema. Die Webseite informiert gemäss Eigendeklaration über Abzockerei, Grössenwahn, Gier, Uneinsichtigkeit, Rückschritt statt Rücktritt und Behördenwillkür. Es geht um Politik, Wirtschaft beziehungsweise Misswirtschaft und Unfähigkeit. Bitte eintreten: www.ospeln.com.

Nun aber genug geospelt. Zurück zu meinem einsamen Herz. Was soll ich tun gegen den Sommerblues? Was tun Sie, liebe Natürlichbloggerinnen und -blogger, dagegen? Gibt es eine Selbsthilfegruppe, an die ich mich wenden könnte? Helfen Sie mir! Ich bin für jeden Ospel dankbar.

Bilder: © Holger Raukamp / PIXELIO

3 Kommentar(e) Tags (Stichworte): FerienMenschenOspelSommerUBS

Free Tibet!

Markus Kellenberger | Donnerstag, 03.04.2008

Seit fast 50 Jahren besetzt China Tibet. Im Klartext heisst das: Tausende tote, gefolterte, vergewaltigte und eingekerkerte Menschen – und dieses Töten und Foltern ist nicht etwa Geschichte, sondern bis heute Alltag in Tibet. Damit nicht genug, betreibt das Reich der Mitte zusätzlich eine regelrechte Ausrottungspolitik, indem es Millionen von Chinesen in die tibetischen Städte und Dörfer umsiedelt. Hier heisst das im Klartext: Die Urbevölkerung Tibets, die Tibeter, wird gnadenlos verdrängt und vertrieben. Wer sich nicht ins chinesische System assimilieren lässt, wird ausgelöscht.

Und was tun wir dagegen? Nichts! Und warum nicht? Weil wir Schiss haben, dass uns ein Geschäft mit den Chinesen entgehen könnte! Weil es unser bequemes Leben empfindlich beein-trächtigen könnte, wenn die Olympiade ausfallen würde! Und weil wir zu feige sind, unser Recht auf freie Meinungsäusserung wahrzunehmen – oder wie anders kann ich mir erklären, dass bis heute kaum eine breite Front gebildet hat, die sich laut und deutlich gegen Chinas menschen- und menschenrechtverachtende Arroganz auflehnt.

Wo bleiben all die Vorbilder in unserem Land, die sich sonst auch nicht scheuen, in jedem Boulevardblatt zu jedem unwichtigen Hafenkäse ihre wichtige Meinung kund zu tun?

Wo bleiben all die Swiss-Awards- und Music-Awards- und Sport-Awards-Empfänger und all die Missen und Mister, wenn es um die Freiheit eines Landes und dessen Menschen geht?

Wo bleiben die Sportler, die sich weigern, nach China zur Olympiade zu gehen? Hallo Roger, hallo Simone und hallo Dölf! Ich höre Euch nicht!

Wo bleiben all die, die sich Künstler nennen? Hallo Francine, hallo Victor, hallo Bobo, hallo WAM! Ich höre Euch nicht!

Wo bleiben all die sonst auch nicht mundfaulen Politiker? Hallo Doris, hallo Sämi, hallo Pascal, hallo Ihr 246 gewählten so genannten Vertreter von Recht und Demokratie, Ihr Hüter der Moral und der eigenen Pfründe! Ich höre Euch nicht!

Und hallo Ihr alle da draussen! Auch Euch höre ich nicht!

 

Links zum Thema:
Tibeter Gemeinschaft in der Schweiz
Amnesty International Schweiz
Human Rights Watch Asia
NZZ Online – Dossier: Chinas Problem mit Tibet
taz.de – Dossier: Tibet im Aufruhr

Bild: PD / WIKIMEDIA

9 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ChinaMenschenrechteOlympiadeTibet


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