Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Machos

Die Welt – die Medien – und der Rest vom Leben

Markus Kellenberger | Montag, 11.04.2011

Ein ganzes Wochenende lang habe ich mir erlaubt, keine Medien zu konsumieren. Keine Zeitungen, kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet, auf Facebook bin ich nicht und werde ich nie sein, Twittern soll wer will – es war der Himmel auf Erden. Meine Geliebte und ich haben an der Lenk lange Spaziergänge gemacht, die bösen Buben liessen wir eigens dazu rabenelternmässig in der Ferienwohnung zurück («Macht was ihr wollt – aber haltet Ordnung!») und fühlen uns nun schon fast unanständig erholt. Das hielt an bis Montags früh. Als Journalist fühlte ich mich verpflichtet, einen Blick in verschiedene Zeitungen zu werfen, und das mit der ernüchternden Erkenntnis: Die Welt dreht sich auch ohne mich – und erst noch ständig um denselben Seich! Soll ich mich frühpensionieren lassen?

Fotos: Zach Dischner / flickr / cc, c_pichler / flickr / cc

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Die Welt ist ungerecht – und Männer sind immer Schweine

Markus Kellenberger | Montag, 04.04.2011

Die schlechte Nachricht: Wir haben einen neuen Mister Schweiz. Die gute Nachricht: Ich bin es nicht! Und trotzdem musste ich mich mit diesem unsäglichen Anlass auseinandersetzen. Innerfamiliär. Auf der Sonnenterrasse eines Strassenkaffees. Am Sonntag nach der Wahl.

Meine Geliebte blicktt unvermittelt von der sonntäglichen Zeitungslektüre auf und fragt: „Schaust Du den jungen Frauen nach?“ Was soll ein ehrlicher Mann im Wissen darum, dass jede Antwort falsch ist, darauf antworten? Ich entscheide mich für die Vorwärtsstrategie. „Ja“, sage ich und dopple nach:. „Und einige sehen wirklich hübsch aus.“ Längere Pause. „Welche denn“, fragt meine Geliebte in dieser neutralen Tonlage, die eine Killerwelle ankündigt. „Die dort drüben zum Beispiel“, sage ich mit dem Mut der Verlorenen. Bedeutungsvolle Pause. „Wegen den grossen Brüsten, stimmts!?!“

Männer sind Chauvis, Machos, egal, was sie in solchen Situationen antworten. Und darum habe ich darauf verzichtet zu sagen: „Nein, es war das sympathische Lachen.“ Ich schweige – und zufrieden widmet sich meine Geliebte wieder dem gewiss hochspannenden Portrait des neuen schönsten Schweizers, völlig ausblendend, dass sie damit knapp am Vorwurf der Pädophilie vorbeischrammt. Ich verkneife mir eine entsprechende Bemerkung. Viel lieber halte ich es mit Georg Danzer und schaue der jungen Frau nochmals nach – und ja: mindestens C.

Meine Frage an Sie: Bin ich wirklich ein Schwein? Und was hat die Mister Schweiz-Wahl mit Männern zu tun?

Fotos: Maurice / flickr / cc, Illusive Photography / flickr / cc

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Macho oder Metro?

Markus Kellenberger | Donnerstag, 19.06.2008

Angst vor Frauen habe ich heute keine mehr - und somit auch keinen Grund, sie zu belügen, zu betrügen und zu ojektivieren. Das hat damit zu tun, dass mich meine eigene Männlichkeit nicht mehr schreckt und verunsichert. Ich bin gerne Mann, nicht zuletzt darum, weil ich die geistigen Latzhosen der 70-er und 80-er abgestreift habe. Das geschah in den 90-ern und wie so oft in solchen Fällen dadurch, dass das Pendel eine Zeit lang in die andere Richtung ausschlug. Der alles und alle verstehende Softie verwandelte sich vorübergehend in ein, ich mag es rückblickend nicht anders nennen, echtes Arsch - einige meiner damaligen Partnerinnen werden das wohl noch immer so sehen. Aufriss um jeden Preis, hiess die Devise, eleganter Ausgedrückt bezeichnet man(n) diesen Lebensabschnitt auch gerne als die Zeit des Hörner abstossens. Und mehr gibt es darüber nicht zu erzählen, auch wenn einige von Euch darauf gehofft haben.

Aber nochmals zurück zur Aussage, "ich bin gerne Mann". Ja! Allerdings ist dieses wohlige Selbstverständnis heute sacht erschüttert worden. Auslöser für das kleine Beben ist die Firma "Richterich & Partner Media Services". Sie hat mir im Auftrag des Rasierapparateherstellers Braun folgenden Werbetext gemailt, den Sie sich unbedingt auf der Zunge zergehen lassen sollten:

"Macho oder Metro? Trendforscher wissen, dass diese oberflächlichen Männerbilder ausgedient haben. Das starke Geschlecht findet einen neuen Stil. Ein Typ, der ganz er selbst ist, ohne langweilig oder ungepflegt zu sein: Genau das kommt beim anderen Geschlecht gut an. Denn dieses achtet auf das Gesamtbild. Laut einer Forsa-Umfrage finden 74 Prozent der Frauen ein rasiertes Männergesicht anziehender. Und auch die Entfernung von Körperhaaren bei Männern wird immer häufiger erwartet. Nur zwölf Prozent der Frauen finden Körperhaare bei Männern attraktiv. Wer den Wildwuchs unter den schicken Klamotten in Schach hält, kommt also einfach besser an."

Nun bin ich platt, ja regelrecht verunsichert, und zwei Fragen drängen sich mir auf: Muss ich mir ins Schamhaar nun ein Herzchen rasieren - und falls ja: wie bemerken das die 74 Prozent Frauen, die das mögen, da ich diese Stelle in der Regel unter meinen schicken Klamotten versteckt halte?

Links
www.braun.com/de/bodycruzer
www.macho-man.ch

Bild: © R.B. / PIXELIO

 

3 Kommentar(e) Tags (Stichworte): HaareMachosMännerRasur


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