Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Liebe

Exit und der ganze Rest vom Leben

Markus Kellenberger | Donnerstag, 18.11.2010

Ich will weder schwermütig werden, noch düster in die Zukunft schauen, sondern sachlich darüber reden. Wer von Ihnen hat mit Exit schon Erfahrungen gemacht. Nicht in Form einer TV-Reportage oder einer Blick-Schlagzeile, sondern richtig. Im Leben eben, denn darum geht es bei Exit. Ums Leben und dessen Ende.

Mein Freund hat sich entschieden. Sein Krebs wird in den nächsten paar Wochen, eventuell auch noch einigen Monaten, seinen Körper weiter zerstören. Die Metastasen im Kopf beeinträchtigen immer mehr seine Wahrnehmung, seine Koordination. Manchmal vergisst er, wie die WC-Spülung funktioniert. Um das Schulbuch seines Sohnes einzufassen, brauchte er einen ganzen Nachmittag - und das Endergebnis sah aus, wie das von einem 1. Klässler. Und das einem Mann, der Kunstwerke zusammengeschweisst hat, der Unterstände gebaut, elektrische Leitungen verlegt, Zimmer renoviert und überhaupt davon geträumt hat, im Alter vielleicht eine kleine eigene Möbelwerkstatt zu eröffnen.

Jetzt geht es darum, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Weihnachten noch, vielleicht die Sportwoche mit der Familie. Und dann?

Der Zeitpunkt muss stimmen, sagen die Bestimmungen von Exit. Eigenhändig muss der Cocktail eingenommen werden. Jede Hilfe von aussen ist verboten, und darüber wird streng gewacht. Sollte er den Zeitpunkt falsch wählen, das heisst zu spät, und ihm die eigenen Hände den Dienst versagen, darf nicht einmal seine Frau ihm den Kelch reichen. Das wäre je nach Auslegung Beihilfe zum Selbstmord, wenn nicht gar Mord. Aber wäre das wirklich verwerflich? Unmoralisch, eventuell unchristlich?

An seiner Stelle würde ich das von meiner Geliebten erwarten - und meine Geliebte dürfte das von mir erwarten. Aus meiner Sicht ist das wahre Liebe - und Liebe kann bekanntlich sehr sehr weh tun.

Fotos: Malkav / flickr / cc, llimllib / flickr / cc, Beverly & Pack / flickr / cc

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My Funny Valentine

Andres Jordi | Freitag, 13.02.2009

Zuerst einmal: Sorry, dass ich so oft englische Titel setze in meinen Blogs – ich selber bin da ja ziemlich allergisch, wir haben auch eine Sprache, finde ich –, aber manchmal passt es einfach. So wie jetzt. Denn morgen ist Valentinstag, der Tag der Liebe. Und wie Sie seit meinem letzten Blogbeitrag wissen, halte ich die Liebe hoch.

Doch nun dies: Die Liebe ist nur Chemie, behauptet Larry Young (auch hier halte ich mich ans Englische, da Mr. Young nicht – wohl auch nicht im Geiste – mit C.G. Jung verwandt ist). Alles nur Biochemie, ein paar läppische Hormönchen mit ebensolchen Namen (Oxytocin, Vasopressin), die einem einen Bauch voller Schmetterlinge vorgaukeln? Statt der Angebeteten im Kerzenschein beim Überreichen edelster Baccararosen süsseste Liebesbezeugungen zu rezitieren, mit Oxytocinspray die amorale Stimmung  heben? Mein heiliger Valentin!

Irgendwie fehlt mir da definitiv die metaphysische Dimension. Aber solche Gedanken sind wohl selber bloss biochemisches Hirngespinst. Was soll's! Ich bleib bei meinem Funny Valentine.

Bild: fmc.nikon.d40, Datei steht unter dieser Creative Commons Lizenz

 



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