Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Libyen

Die Schweiz, der Ball und die harte Realität

Markus Kellenberger | Donnerstag, 17.06.2010

Wir haben Spanien besiegt. Wir werden in den Final kommen. Und dort werden wir Deutschland 5:0 vom Platz fegen. Meine germanisch-stämmigen Arbeitskollegen lachen noch, aber das wird ihnen dann schon vergehen. Wir sind die Besten. Wir sind die Grössten. Wir sind ein Weltwunder. Und ganz besonders schade: Libyen spielt nicht mit. Stellen Sie sich das erst vor. Schweiz-Libyen im WM-Final. Rache für Göldi mit einem zweistelligen Schlussresultat. Oder auch nicht schlecht: Schweiz-Italien. Denen zeigen wir, was wir von Steuerfandern halten, die im Auftrag des römischen Obermafiosos im Tessin herum schnüffeln, wo die doch vor der eigenen Tür weiss Gott einen rechten Kehrichtberg zu beseitigen haben. Man denke nur an Napoli.

Träume können so schön sein. Vor dem Einschlafen, auf dem Weg zur Arbeit – oder noch besser während der Arbeit. Und beim Träumen darf man so wunderbar unhelvetisch sein. So unverschämt unbescheiden und so grosszügig grössenwahnsinnig.

Das passiert mir manchmal am Kiosk, wenn ich die Euro-Millions- oder Lotto-Gewinnsumme sehe. Boah! 70 Millionen! Was man damit ausser sofort Künden sonst noch alles machen könnte. Erst mal ganz bescheiden ausrechnen, wie viel man pro Jahr zum leben braucht. 200'000? 300'000 oder doch lieber gleich 500'000. Nur nicht so knausrig. 500'000 pro Jahr, das entspricht einem Monatseinkommen von etwas mehr als 40'000 Franken. Für unsereins der Überheuler, für einen wie Vasella oder Dougan ein Trinkgeld, aber anyway!

Aber zurück zum Traum. 500'000 Franken, das würde bedeuten, 25 von den 70 Millionen so anzulegen, dass Jahr für Jahr mit einem Zins- oder Sonstwie-Ertrag von durchschnittlich 2 Prozent zu rechnen wäre. Müsste auf den internationalen Finanzmärkten eigentlich machbar sein – und ist im Vergleich zu den Supermilliardären immer noch ein Klacks.

Wenn wir das schaffen, bleiben von 70 Millionen Lottogewinn also noch deren 45 Millionen übrig. Ich habe drei Schwestern, die kriegen je 5 … nein, sagen wir 10 Millionen. Soll dann aber keine mehr kommen und meinen, es gäbe noch mehr, wenn der Klotz bei H&M sinnlos verprasst ist.

Somit bleiben noch 15 Millionen. Damit könnte man sich bei Greenpeace lebenslang den vordersten Platz im Gummiboot reservieren. Oder eine Suppenküche für Arme einrichten, in der es jeden Samstag Kaviar gib. Oder sich einen Weltraumflug gönnen. Oder ein grosses Stück Urwald kaufen und umzäunen. Oder sonst was Gutes tun. Ist übrigens gar nicht so einfach, weil viele NGO's bei näherer Betrachtung auch nicht ganz sauber sind. Hier lohnt es ich also, noch ein bisschen weiter zu träumen – und darum kaufe ich mir heute keinen Lottoschein. Wäre ja schade, aus dem Traum würde harte Realität, und zwar für mich wie auch für unsere Nationalelf.

Fotos: Alfo23 / flickr / cc, D-32 / flickr / cc, pfala / flickr / cc

3 Kommentar(e) Tags (Stichworte): BallLibyenLottogewinnRealitaetSchweizSpanienTraum

Gadaffi, Ghadhafi oder Ghaddafi

Markus Kellenberger | Freitag, 19.03.2010

Wie schreibt man eigentlich Gadaffi richtig? Ghadhafi? Ghaddafi? Gadhafi? Jetzt geistert die Geisel-Affäre schon so lange durch die Medien - und noch immer hat sich kein einheitlicher Schreibstil durchgesetzt. Langsam frage ich mich besorgt: Wie lange geht es, bis die Libyer darin eine Beleidigung ihres "historischen Führers" sehen? Was werden sie dann gegen uns unternehmen? Den von GadaffiGhadhafiGhaddafiGhadhafiGadhafi bereits angedrohten heiligen Krieg (Djihad - richtige Schreibweise!) tatsächlich beginnen?

Des Wüstensohnes Freund Silvio Berlusconi (lustigerweise lässt sich aus Berlusconi das Wort Boni zusammensetzen, was irgendwie an Geld und Mafia erinnert) hat es da viel einfacher. Bei ihm hat sich eine einheitliche Schreibweise durchgesetzt. Er braucht deshalb auch keinen heiligen Krieg vom Zaun zu brechen. Wenn ihm etwas nicht passt, greift er einfach zum Telefon, tätigt ein paar Anrufe, und schwupps macht die Welt, was der Cavaliere verlangt - zumindest die italienische Medienwelt. Unglaublich, dieser Typ.

Stellen Sie sich mal vor, Hans-Rudolf Merz würde, sagen wir mal, mich anrufen und verlangen, ich solle mich über ihn nicht mehr bei jeder Gelegenheit lustig machen….wie das wohl enden würde?

Aber zurück zum Anfang. Wie schreibt sich dieser Terrorist und Menschenschlächter (ich brauche auf diplomatische Gepflogenheiten keine Rücksicht zu nehmen) nun richtig? Helfen Sie mir - und retten Sie die Schweiz!

Fotos: Dan.. / flickr / cc, Ciupix / flickr / cc

2 Kommentar(e) Tags (Stichworte): BerlusconiGeiselnGhadhafiLibyenMerzPolitikSchweiz

Die total blamierte Schweiz

Markus Kellenberger | Freitag, 28.08.2009

Nie zuvor hätte ich gedacht, dass ich übermässig viel Nationalstolz besitze. Doch definitiv spürte ich das heute Freitag (28.8.09), nachdem ich am Nachmittag die Radionachrichten gehört hatte: Der Bundesratsjet ist auf dem Rückweg aus Tripolis – an Bord nicht die Geiseln, nein, nur deren Gepäck. Die Libyer, hiess es, bestünden darauf, dass die Geiseln mit einem normalen Linienflug heimkehrten ... mir hängt der Kiefer noch immer  runter.

Nicht genug, dass «mein» Bundespräsident vor dem libyschen Oberterroristen und Diktator Ghadhafi die Hosen bis auf die Knöchel runtergelassen hat, nein, jetzt ... (hier Vulgärwort  für Geschlechtsverkehr einsetzen) dieser abgeschlagene ... (hier Wort einsetzen für Mischtier, das sowohl grunzt als auch bellt) auch noch «mein» Land!

Und was wird «mein» Land tun? Es wird die diplomatischen Anstrengungen zur Beilegung der «Missverständnisse» in den nächsten Wochen in allem Anstand wohl noch verstärken. Noch nie bin ich mir als Schweizer so ... (hier ein dem Hinterteil verwandtes Adjektiv einsetzen) vorgekommen. So blamiert und so vorgeführt, und das völlig losgelöst von der Frage, ob die Geiseln am Ende doch noch bis zum 1. September zurück sind.

Und wissen Sie, was das Beste am Ganzen ist?  Ich, Sie – als Steuerzahler kommen wir vollumfänglich für die Einsatzkosten des Bundesratsjets als Gepäcktransporter auf, statt dass diese Nochbundesrat Merz vollumfänglich vom Lohn abgezogen werden.

Ich schäme mich für unseren Kniefall vor diesem absurden Diktatorenklan.

Foto: maiak.info / flickr / cc

10 Kommentar(e) Tags (Stichworte): BundesratGeiselaffäreGhadhafiLibyenMerzPolitikSchweiz


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