Seit Jahren trennen wir den Abfall. Wir trennen ihn in Kompost, Papier, Karton, Glas, Metall, PET, Batterien, Sondermüll (Sparlampen, die halt doch nicht 10000 Stunden lang halten). Wir bringen alte Elektrogeräte zurück, lassen demonstrativ überflüssige Verpackung im Laden zurück, verwenden Papiertragetaschen bis zum Reissen, machen Wocheneinkaufslisten, bereiten Essensreste bis zum Verleiden immer wieder auf, der Kleine trägt die Kleider des Grossen nach, Stromschienen schalten mit einem Klick Abend für Abend ganze Gerätegruppen aus, notorisch mache ich „Lichtlöschrunden“ durchs ganze Haus, im Winter wird gezielt Stossgelüftet, die Heizung ist auf 20 Grad eingestellt (weniger, und meine Geliebte sucht sich einen wärmeren Partner), Ferien verbringen wir so einfach wie möglich nach dem Campingprinzip, Fliegen kommt nicht in Frage, Wandern ist uns ein Anliegen, Fleisch kommt regelmässig aber nicht täglich auf den Tisch, Kartoffeln und Milch holen wir auf dem Bauernhof (mit dem Velo!), überhaupt brauchen wir Innerorts nur unsere Secondhand-Zweiräder (und auch die meisten Stubenmöbel sind von der Antik-Börse, was deutlich besser klingt als Brocki), Sparbrausen sind längst installiert, der Fernseher hat eine Diagonale von lächerlichen 23 Zoll, beim Einkaufen achten wir auf Bio oder zumindest naturnah und nachhaltig, Schuhe lasse ich sohlen, mein Brillengestell ist bereits zum dritten Mal wieder in Mode – und trotzdem liegt unser ökologischer Familien-Fussabdruck nur wenig unter dem Schweizer Durchschnitt von gerade mal 5. Ich bin erschüttert.
Ok, zugegeben! Unser Auto ist nicht eben klein, aber dafür haben wir nur eines. Unsere Wohnung ist nicht gerade winzig, aber auch kein Boni-finanzierter Palast. Das Geld, das wir verdienen, geben wir auch sofort wieder aus (als typische partnerschaftlich teilzeitarbeitsbedingte untere Mittelständler das meiste davon an den Staat). Ich habe zu viele Hemden, einige davon trage ich gar nicht. Meine Geliebte hat deutlich mehr Schuhe als ich. Wir jammern – aber verglichen mit Süditalien auf hohem Niveau.
Was können wir noch tun? Was tun Sie, um beim Kampf gegen Atomstrom und für den Klima- und Umweltschutz am Schluss nicht noch die Lust am Leben zu verlieren – oder als Sektenmitglied einer abstrusen grünen Religion zu enden?
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