Unsere Katze steht jeden Morgen vor unserer Schlafzimmertür. Blitzschnell streicht sie um meine Beine, was im Dunkeln nicht immer ungefährlich ist. Auf dem Weg ins Bad – da zieht es mich zuerst hin – kreuzt sie mindestens fünf Mal penetrant meinen Weg, und versucht, mich möglichst direkt zu ihrem Futternapf zu lotsen.
Das Spiel treibt sie seit Jahren, und ich weiss, dass meine Kinder und meine Partnerin diesem Drängen in der Regel sofort nachgeben. Ich nicht! Wer nicht arbeitet, soll gefälligst ein bisschen warten. Besonders auch darum, weil das Tier nach der Futtergabe häufig unzweifelhaft zu verstehen gibt, dass ihr das aktuelle Fressen nicht passt.
Nun gebe ich ja zu, dass ich, wenn das Einkaufen von Katzenfutter an mir liegt, grundsätzlich nur Aktionen kaufe – und wenn es keine solchen gibt, zum günstigsten Angebot greife. In der Migros ist das dann zum Beispiel irgendetwas aus der Budget-Linie.
Mit erstaunen stelle dabei jedesmal fest, dass im Katzenfutter, egal wie teuer und exklusiv, NIE Fleisch von Tieren zu finden ist, die zu den natürlichen Beutetieren unseres Stubentigers gehören. Nirgends auf den langen langen Regalen mit der immer grösser werdenden Auswahl an Tierfutter finden sich Büchsen oder Beutel mit artgerechten Inhalten wie «Maus mit Singvogel» oder «Regenwurm mit junger Amsel» oder schlicht «Schlachtabfälle gemischt». Stattdessen werden da regelrechte Menues angeboten, die mir das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, wie «Thunfisch mit Gemüse», «Feines Mark mit Leber», «Kaninchen in Gelee», und, und, und.
Damit nicht genug, gibt es eine ganze Anzahl Spezialfutter für junge Katzen, erwachsene Katzen, alte Katzen, anspruchsvolle Katzen, Katzen mit Diabetes und solchen mit Übergewicht. Dazu kommt relativ neu eine Palette an speziell aufbereiteter Katzenmilch, sowie Trockenfutter in den Biss-Qualitäten hart bis butterzart und als Ergänzung Katzendesserts, Knabberstangen und Vitaminzusätze. Ähnliches gilt übrigens auch für die Abteilung Hundefutter!
Und jetzt sagen Sie mir, a) mit welchem Recht rümpft unsere Katze ihre Nase, und b) warum schicke ich sie nicht zur Strafe als Menschenfutter in die Hungerzonen der Dritten Welt?
Bild: © Ruth Rudolph / PIXELIO
Nachtrag der Redaktion
«Natürlich» - Leser Urs Schäffler hat mir heute einen kreativen Vorschlag zugespielt, wie das Problem mit der eigenwilligen Katze eventuell auch lösbar wäre. Seine konstruktive Anregung möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: