Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Jugend

Tod eines Rasers - oder die verlorene Unschuld

Markus Kellenberger | Freitag, 11.12.2009

Kurz vor 22 Uhr befolgte der schnelle Audi die Gesetze der Physik. Nach der langen Geraden zwischen Langenthal und St. Urban trieb ihn seine Masse statt um die nicht unproblematische Linkskurve direkt in den Wald. Dort erwiesen sich die Naturgesetze als besonders unerbittlich. Ein dicker Baum stoppte die Fahrt des Wagens innert einer Millisekunde, worauf es das Menschenwerk in drei Teile riss – und den Menschen darin im selben Augenblick aus dem Leben.  

Noch heute, wenn ich an dieser Stelle vorbei fahre, tschuddert es mich. Rund um den unbestechlichen Baumstamm sind noch Wochen nach dem Ereignis hunderte von Grabkerzen gruppiert. Einige brennen sogar noch – oder immer wieder.  Am Baum selber hängen zwanzig Zettel, Fotos und Abschiedskarten. Der junge Mann, der dort seine Familie und seine Freunde für immer verliess, war gerade mal 22 Jahre alt.

Ein Raser? Ja! Ein -ic? Nein. Ein ganz gewöhnlicher -er, wie Müller, Meier, Keller oder Berger. Einer aus der Region.

„Er hat Liebeskummer gehabt“, erzählte mir mein 12-jähriger Sohn. Das habe man sich auf dem Pausenplatz erzählt, denn der Tote war weit herum bekannt, und sein rasantes Ableben deshalb tage-, ja wochenlang Thema.

„Der Fahrer war alkoholisiert“, war im Polizeibericht zu lesen. Kein Wort von Liebeskummer, und deshalb wurde der Unfall von den Behörden ganz unpathetisch unter den beiden Rubriken „Alkoholeinfluss“ und „übersetzte Geschwindigkeit“ abgelegt.

Vielleicht tschudderts mich deshalb jedes Mal an der Unfallstelle. Ein Mensch, ein Leben, eine Geschichte, und jetzt nur noch ein Fall für die Statistik. So schnell geht das – und so schnell kann es jedem von uns passieren. Die Physik interessiert nicht, woher einer kommt und was er glaubt. Und auf Gefühle geht sie schon gar nicht ein.

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Jugend, Ausländer und die Kraft der Gewalt

Markus Kellenberger | Mittwoch, 11.03.2009

"16-Jährige lag tot in seinem Bad", und: "Also doch: Schülerin von Freund erschossen". In beiden Fällen sind die Opfer Schülerinnen, junge Menschen, Frauen, Kinder, Jugendliche, gerade mal der Schule entwachsen. In beiden Fällen sind die Täter junge Männer. Der eine 20, der andere 25 Jahre alt. Einer stammt aus dem Kosovo. Aha! Alles klar! Der andere stammt aus der Schweiz. Aha? Warum? Weil er vorbestraft war wegen sexueller Belästigung und versuchtem Totschlag. Aha! Auch alles klar! Wirklich alles klar?

Die Macht der Vorurteile
Einer der Täter hat einen Migrationshintergrund, und das erst noch aus einem Land, von dem wir – geben wir's doch ruhig zu – rein gar nichts erwarten. Gegen Menschen aus dem Kosovo hegen und pflegen wir doch unzählige Vorurteile und bekommen sie regelmässig auch noch bestätigt. Raser, Ehrenmörder, Einbrecher, Gewalttäter. Und Bestien wie der Schweizer, solche müsste man lebenslänglich wegsperren. Für immer. Noch besser gleich… aber das überlassen wir den Texanern, die wissen, wie' geht.

Hirn einschalten
Wenn sich die Stammtischwut dann ein bisschen in Hinrichtungsphantasien entladen hat, sollten wir das Denken wieder einschalten. Warum wurde aus diesen jungen Menschen Opfer und Täter? Und was können wir tun, damit unsere Gesellschaft, in der auch nach der Finanzkrise nur die Zahl unten Rechts in der Bilanz und nicht der Mensch zählt, sich wieder auf andere Werte besinnt?

Haben Sie eine Idee?

6 Kommentar(e) Tags (Stichworte): AusländerGewaltJugendKriminalitätVorurteile

«Scheisse, das ist so geil!»

Markus Kellenberger | Dienstag, 24.02.2009

Finden Sie den Spruch «mega», dann sind Sie wohl deutlich U40. Ich für meinen Teil bin gerade mal knapp U50 und halte von solchen Verbalentgleisungen herzlich wenig - auch wenn sie von unserem Superstar Stefanie Heinzmann begangen werden. Mann, bin ich froh, den Fernseher in den Keller gestellt zu haben!

Jetzt müsste ich dasselbe nur noch mit all den Druckerzeugnissen machen, die ich mir täglich zu Gemüte führen, denn selbst meine geliebte NZZ - beim Blick wunderte es mich überhaupt nicht - konnte es nicht lassen, mir in einer Kurznachricht (unter «Vermischtes») den unsäglichen Spruch unter die Nase zu reiben. Shit!

Warum nur, frage ich mich, traut sich heute keiner mehr, auf eine saubere Sprache zu achten? Auf gute Ausdrucksweise? Auf einen breiten und lebendigen Wortschatz? Warum ist heute alles, was nicht «geil» ist einfach «Scheisse» - respektive, warum ist «Scheisse» einfach «geil»?

Oder um mich klar auszudrücken: Mir ist eben nicht scheissegal, wie in der Öffentlichkeit gesprochen wird. Wäre es das, würde ich mich nicht weiter aufregen und betreffend Verbalgöre Stefanie Heinzmann einfach denken: «Fuck ya!»

9 Kommentar(e) Tags (Stichworte): HeinzmannJugendSlangSprache


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