Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Islam

Macht die Burka zum Mode-Hit

Markus Kellenberger | Freitag, 07.05.2010

Mal ehrlich, wann sind Sie zuletzt einer Frau mit Burka begegnet? Im Urlaub? An der Migros-Kasse? In der Badi? Meine letzte Begegnung liegt fast ein Jahr zurück und fand im Zürcher HB statt. Ein bisschen perplex starrte ich dort in das voll vergitterte Gesicht einer Frau (davon gehe ich aus) - und das war's dann schon.

Heute weiss ich, dass hinter (oder unter) dem Kleid mit grösster Wahrscheinlichkeit eine dieser wenigen Konvertitinnen gesteckt haben muss, die überall auf der Welt - und egal in welcher Religion - immer gern einen Hang zum Extremen zeigen.Aber konkret: Wir sprechen da von etwa 100 oder 150 Frauen in der Schweiz, die sich die Burka mehr oder weniger freiwillig überwerfen. Zum Vergleich: In Schweizer Frauenhäusern leben mindestens zehn Mal mehr Frauen, die vor ihren gewalttätigen Männern geflüchtet sind. In der Regel ohne Burka, dafür mit vielen blauen Flecken. Was ist nun wohl das dringlichere Problem?

Ich finde, wir sollten die Burka als neue Möglichkeit der Selbstverwirklichung entdecken und begrüssen. Die Modebranche hat es noch immer geschafft, jede Form von äusserlich zur Schau getragenem Protest oder Widerstand gegen die herrschende Gesellschaftsordnung weidlich auszunutzen. Ich erinnere an die Kommerzialisierung der Hippies, der Punks, der Skater, Hip-Hopper etc. So wurde noch jede Jugend- oder Protestbewegung erfolgreich gebodigt - und das erst noch mit Gewinn.

Man stelle sich dieses Konzept nun für die Burka vor. Schon im Sommer, so schwebt mir vor, tauchen in unseren Boutiquen die ersten Haut-Couture-Burkas auf. Edle Stücke mit wertvollen Applikationen aus Damast und Brokat, von Lagerfeld, Gucci und Dior. Bald darauf im grösseren Stil die gehobenen Prêt-à-porter-Kollektionen von Dolce & Gabbana, Hugo Boss Woman und eventuell auch Laura Ashley für die Freundinnen des Country-Styles.

Und schliesslich - und das wäre dann der endgültige Durchbruch - bei Manor, Coop, Migros und Vögele die Burkas für die breite Masse. Luftige Farben, gestreift, gepunktet, geblümt, fusslang, knöchellang, knielang, für den Aufriss die knapp gehaltene Mini-Version, und als chicer Abendbegleiter die seitlich raffiniert hochgeschlitzte Burka im Satinlook. Frauenwünschen und Männerphantasien sowie den Möglichkeiten für passende Accessoires sind hier keine Grenzen gesetzt. Ich bin sicher: Das würde nicht nur die Burka-Diskussion überflüssig machen, sondern auch noch die Welt revolutionieren - und Sie, lieber Leser, wüssten schon, was Sie Ihrer Frau zum Geburtstag schenken könnten. Ob die verehrte Gattin daran dann aber auch Freude haben würde - inschallah!

Bild: AfghanistanMatters / FLICKR / CC

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Minarett-Initiative und der "Swiss-Reflex"

Markus Kellenberger | Mittwoch, 02.12.2009

Ja! Ich habe Nein gestimmt! Und Ja! Ein kleines bisschen habe ich mich am Abend des Abstimmungssonntages auch geschämt für unser Land – und auch ein bisschen geärgert, wieder einmal zu den Verlierern zu gehören. Doch mittlerweile macht eine leise Wut meiner leisen Scham Platz. Konkret: Bei mir hat der "Swiss-Reflex" eingesetzt.



Der "Swiss-Reflex"? Ja, der setzt ein, wenn die Welt unser direktdemokratisches System (zu dem ich voll stehe, auch wenn mir dessen Resultate nicht immer gefallen) in Frage stellt. Drei Beispiele:

• Deutsche Politiker kritisieren uns  – doch deren Bürger hätten, wie erste Online-Umfragen unter anderem auch des Magazins "Der Spiegel" zeigen", die Minarett-Initiative mit rund 70 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Für Frankreich, Österreich und Italien gilt wohl dasselbe.

• Der türkische Ministerpräsident Erdogan wertet das Abtimmungsresultat als Zeichen einer "zunehmenden rassistischen und faschistischen Haltung" – und lässt zu, dass in seinem Land religiöse und politische Minderheiten nicht nur unterdrückt, sondern immer wieder auch tätlich und oft auch durch staatliche Organe angegriffen werden. Die Armenier-Frage lassen wir hier gleich ganz weg.

• Imame rufen die Muslime in Europa und insbesondere in der Schweiz "zur Besonnenheit" auf  und das lässt mich dann halt doch fragen, wessen Geist ist diese Religion, respektive die derzeit in vielen islamischen Ländern gelebte politische Realität, dass deren Führer ständig davon ausgehen, die islamische Bevölkerung könnte eventuell "unbesonnen", sprich mit Gewalt, reagieren?

Und noch ein heikler Punkt, den ich hier ansprechen will: Seit Jahren verfolge ich die Islam-Debatten im Schweizer Fernsehen, nicht zuletzt deshalb, weil zwei meiner Freunde und einige Freunde meiner Kinder Moslems sind, und weil ich weiss, dass die grosse Mehrheit aller Muslime in der Schweiz so friedlich sind wie Du und ich. Bei all diesen Debatten und Diskussionen ist mir aber eines negativ aufgefallen: Egal, ob Islamwissenschaftler oder Vertreter der diversen islamischen Vereinigungen in diesem Land – noch nie (und falls ich das verpasst hätte, dann tut es mir leid) hat einer von ihnen laut und deutlich gesagt, dass auch den Islam (oder zumindest einige Vertreter desselben) eine nicht geringe Mitschuld an der heutigen verfahrenen Situation trifft. Aus meiner Sicht wäre ein solches Mitschuld-Eingeständnis auch ein wichtiger Schritt hin zu einem Dialog, der – statt der immer schnell geäusserten Schuldzuweisungen an den Westen – ein ernsthaftes und lösungsorientiertes aufeinander zugehen ermöglichen könnte.

Foto: dierk schaefer / flickr / cc



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