Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Hunde

Was mich so alles nervt

Markus Kellenberger | Donnerstag, 24.06.2010

Früher war ich viel toleranter. Doch das Alter hat seine Spuren hinterlassen, man könnte es auch Lebenserfahrung, "alles schon erlebt" oder konstruktiv positiv ausgedrückt "man lernt dazu" nennen. Panflöten spielende Heimweh-Inkas am Loeb-Egge in Bern liessen mich jeweils die geistigen Schwingen ausbreiten wie ein Kondor. Heute mache ich einen grossen Bogen um solche Klänge.

DRS 3 war lange Dauer-Standard-Berieselung in meinem Junggesellen-Haushalt. Heute, als Partner und Vater, bevorzuge ich selektives Einschalten von DRS 1 oder (ehrlich!) auch mal DRS 2. Das nur ein paar kleine Beispiele dafür, wie sehr ich mich verändert habe.

Meine beiden Wunderknaben kommen jetzt langsam in dieses Alter, in dem ich einmal war. Ich stelle das anhand der sich verändernden Musikauswahl fest, die in ihren Zimmern gespielt wird - und natürlich an der langsam zunehmenden Lautstärke. Nix mehr Ohrwürmer und "Chömed Chinder, mir wänd singe", sondern beispielsweise "Bushido" oder so ähnlich. Meine Eltern bezeichneten meine Musikauswahl als "Negermusik". Weil das heute politisch unkorrekt ist, bezeichne ich die Musikauswahl meiner Söhne als "Saulärm". Bald werden stadtbernische Tierschutzorganisationen wohl auch hier eine schweinisch korrekte Ausdrucksweise verlangen.

Aber zurück zum Thema. Früher war ich eindeutig toleranter, heute nerven mich viele alltägliche Dinge. Die Inkaflötisten habe ich bereits erwähnt, DRS 3 ("Sali mitenand, hoi Du, Du, Du, Du und jetzt no nes Quizzli…") auch, drum hier meine persönlichen und aktuellen "Das-nervt-mich-Top-Ten":

1. Hündeler auf dem Vita-Parcours (egal ob mit oder ohne Leine)

2. Alle anderen Autofahrer

3. Unser ganzes Parlament inklusive Bundesrat (zurück in den Kindergarten mit ihnen)

4. Nachbars Katze, die ständig in meine Beete sch…

5. Schiedsrichter aus Saudiarabien

6. Falsch in die Abwaschmaschine eingeräumtes Geschirr

7. Selecta-Kaffe-Automaten

8. Leute, die sich ohne "isch do no frei" in mein Abteil flätzen

9. Biker auf dem Wanderweg

10. Treibhaustomaten aus Spanien

Das ist meine aktuelle Hitparade. Wie sieht die Ihre aus?

Foto: Hamed Saber / flickr / cc, Furryscaly / flickr / cc


Hunde, wollt ihr gratis brennen?

Markus Kellenberger | Dienstag, 07.07.2009

Eine vorgezogene Entsorgungsgebühr für Hunde - das will der Grosse Rat des Kantons Tessin einführen. Die Idee besticht in ihrer Einfachheit: Jeder Hundehalter zahlt bei der Einlösung der Marke für sein Tier im Voraus Fr. 40.-. Der Betrag dient später dazu, den Kadaver des Tieres fachgerecht zu entsorgen.

Selbstverständlich hat der Beschluss des Grossen Rates die Hundefreunde aus dem Häuschen gejagt, besser gesagt, von der Kette gelassen. Sie wollen sich gegen die Entsorgungsgebühr notfalls mit gefletschten Zähnen zur Wehr setzen.

Das erstaunt, denn Fr. 40.- sind nun wirklich nicht die Welt. Auf einem Hundefriedhof kostet eine Kremation inklusiver einfacher Tonurne ab Fr. 150.-, für aufwändigere Bestattungsformen (Sarg, Eiche mit Samt) sind schnell mal Fr. 1000.- oder mehr hinzublättern. Etwas günstiger sind virtuelle Bestattungen auf www.petfinder.ch sowie Urnenbestattungen in Waldfriedhöfen, die sind ab Fr. 300.- (inkl. Baum, des Hundes Traum), zu haben. Ganz exklusiv, quasi à la Michael Jackson, bietet die amerikanische Firma Summum Mummification an, Bello, Fido und Bläss zu ägyptischen Mumien zu verarbeiten. Das ganze kostet dann ein bisschen mehr, so um die Fr. 5000.-. Und das ohne Pyramide. Seit kurzem dürfen sich Herrchen und Frauchen auf ausgewählten Tierfriedhöfen übrigens gleich noch neben ihrem Hundchen zur letzten Ruhe betten lassen. Das Geschäft mit der Tierliebe blüht.

Dagegen sehen die in den Fr. 40.- enthaltenen Dienstleistungen geradezu mager aus: Zwar ist in der Entsorgungsgebühr eine letzte Reise des toten Tieres nach St. Gallen inbegriffen, doch dort endet sie unpathetisch in einer Kadaververwertungsanlage, wo Knochenmehl gewonnen wird - und Fido als Nahrunsmittelergänzung für seine Artgenossen in den Kreislauf zurückkehrt.

Da kann man sagen, was man will, doch so billig und gefühllos die Entsorgungsgebühr auch ist - sie ist so verdammt nachhaltig, dass man sie für Menschen auch gleich einführen müsste. Oder etwa nicht?

Foto: © Rolf Plühmer, www.pixelio.de

8 Kommentar(e) Tags (Stichworte): EntsorgungGebührenHaustiereHundePolitikTessin

Die heiligen drei Ks

Andres Jordi | Mittwoch, 08.04.2009

Gelten Osterhasen eigentlich auch als Haustiere? Nun, zumindest wären es welche, die man bedenkenlos verspeisen kann. Hündchen und Kätzchen dagegen sind uns ja so nah wie Schwesterchen und Brüderchen und ihr Verzehr ist Kannibalismus. Während wir in ein Stück Kuh oder unschuldiges Lämmchen ohne Gewissensbisse beissen. Es sind eben keine Haustiere.

Ich schätze ein zartes Osterlamm zu Ostern sehr. Dagegen bin ich kein Freund von Haustieren. Nicht im Bezug aufs Essen natürlich, ich habe von ihnen wissentlich noch gar nie gekostet. Ich finde, dass der Mensch zu seinen besseren Mitmenschen Hund und Co. ein – sagen wir mal – seltsames Verhältnis hat. Meiner Meinung gehören Wolf und Wildkatze in den Wald, nicht auf den Stubenteppich.

Die Hündeleien wecken bisweilen sogar das Tier in mir und ich werde aggressiv, wenn ich all den Viechern zuschauen muss, wie sie an jeder Hausecke ihren Blaseninhalt deponieren. Mit Verlaub: Das scheisst mich an! Ich möchte ja sehen, wenn ich mir dies erlauben würde. Und in einer zivilisierten Gesellschaft, die die Hygiene zunehmend ad absurdum führt irgendwie auch ein kleines Bisschen widersprüchlich.

Ich habe das Gefühl, dass all das Hausgetier auf dieser Welt immer zahlreicher wird. Kam man früher in der Familie noch mit einem Hund aus, müssen es heute mindestens drei sein. Das hat wahrscheinlich mit artgerechter Haltung zu tun. Die heutige Familienplanung scheint zudem auf dem kategorischen Imperativ der drei Ks zu beruhen: Kommen die Kinder, braucht es einen Kombi und ein paar Katzen.

Übrigens: Der Feldhase (ein Wildtier) ist selten geworden, weil der Mensch seinen Lebensraum zerstört. Und: Osterhasen sind keine Feldhasen.

(Bild: flickr.com, Yukari*)

16 Kommentar(e) Tags (Stichworte): FeldhaseHaustiereHundeKatzenKinderOsterhase

Chinesen bringen hilflose Büsi und Hundeli um

Markus Kellenberger | Freitag, 03.10.2008

Eine Sauerei, finden Sie nicht auch? Aber wenn Sie das erste Entsetzen und die erste Empörung überstanden haben, lesen Sie den Titel bitte nochmals. Er sollte richtig nämlich lauten: "Schweizer bringen jedes Jahr 1,7 Millionen hilflose Hühner um!" Ahhhh, denken Sie nun sicher erlöst, also doch nicht die armen Schmusebüsis und Knuddelhunde, einfach nur Hühner. Aber genau hier finde ich, müsste unser "Entsetzensfaktor" erst recht greifen.

Im Gegensatz zu den Miezis und Lumpis, die hie und da im Topf landen, haben die 1,7 Millionen Hühner kein lustiges Leben mit
viel Auslauf, regelmässigen Streicheleinheiten und einem artgerechten Agility-Vereinsleben,
oh nein! Sie haben, nachdem sie in anonymen Zuchtanstalten aus dem Ei geschlüpft sind (ohne ihre Mutter je zu kennen), zwei Jahre lang nichts anderes gemacht, als in einem engen Stall Eier gelegt, die meisten von ihnen im Auftrag der Mitglieder des Schweizer Geflügelzüchterverbandes. Tag für Tag haben sie gelegt. Für uns. Damit unser Kuchen schön gerät. Unsere Teigwaren fein schmecken. Unser Frühstückstisch mit einer Portion Eiweiss angereichert ist. Ostern möglichst bunt ausfällt. Und, und, und. Und der Dank dafür: Nach zwei solchen tristen Lebensjahren wird ihnen der Hals umgedreht, 1,7 Millionen Mal, denn nach zwei Jahren sind die Legehennen "ausgebrannt", leer, werden die Eier unregelmässig gross und eignen sich nicht mehr für die Ansprüche des verwöhnten Konsumenten, für Sie und mich.

Das Beste kommt aber erst noch: Die 1,7 Millionen Hühner landen nicht etwa auf unseren Tellern, wie man mit einem Anflug von Restanstand noch hoffen könnte, nein, denn dazu sind sie zu zäh und die Zubereitung eines Suppenhuhnes ist für die moderne Hausfrau und den modernen Hausmann zu zeitaufwändig. Ein kleiner Teil der abgemurksten Tiere endet als Tierfutter, der grosse Rest aber als Brennstoff für Zementfabriken und neuerdings auch noch im Interesse des Klimaschutzes in Biogasanlagen.

Aber was schreibe ich hier eigentlich. Dass wir viele Tiere schlimmer behandeln als eine Schaufel voll Kies, regt doch niemanden mehr auf, höchstens noch so "Spinner" wie den Erwin Kessler von der Vereinigung gegen Tierfabriken. Hauptsache ist doch für die meisten von uns, dass die Chinesen die Finger von Büsis und Hundelis lassen - und dass das Eigelb so richtig schön gelb ist! 

Sind Sie auch dieser Meinung?

Bilder: © Viktor Schwabenland / PIXELIO,

 



Natürlich im Mai 2012


Inhalt

Vorschau
Archiv

Schnupper Abo
4 Ausgaben für 20 Franken
Jetzt profitieren!

Aboservice

Werbung
Werbung

Natürlich Essen

Rezept der Woche: 27. April 2012

Spargeln im Strudelteig


Die Natürlich Bilder Galerie