Warum nur hat es die Komplementärmedizin so schwer? Das Volk will sie in der Grundversicherung. Die Eidgenössische Leistungskommission will sie nicht in der Grundversicherung. Bundesrat Didier Burkhalter will sie in der Grundversicherung. Die Grundversicherer wollen sie eher nicht in der Grundversicherung. Ein elendes Hin und Her, das jetzt mit einem vorläufigen Machtwort des Gesundheitsministers ein zeitlich begrenztes Ende gefunden hat. Ab 2012 werden Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie, Phytotherapie und die TCM wieder in die Grundversicherung aufgenommen. Aber nur bis 2017, denn in diesen sechs Jahren müssen die Vertreter der Komplementärmedizin deren Wirksamkeit beweisen. Das wird hart.
Hart darum, weil vieles, was die Stärke der Naturheilkunde ausmacht, im Labor nicht messbar ist. So zum Beispiel die Stärkung der Selbstheilungskräfte, die bei Methoden wie der Homöopathie, der Spagyrik oder bei Bach-Blüten eine wichtige Rolle spielen. Wurde der Patient gesund, weil die Globuli wirkten - oder weil er an deren Wirkung glaubte? Den Labortest möchte ich sehen, der diese Frage zweifelsfrei beantwortet.
Aber genau diese Frageund noch ein paar dazu werden entscheidend sein, ob nach 2017 alle fünf Methoden der Komplementärmedizin weiter in der Grundversicherung bleiben dürfen - oder ob einige wieder rausfliegen. Entscheiden wird das unter anderem die Eidgenössische Leistungskommission ELGK), die sich bisher auf den Standpunkt stellt, dass die Komplementärmedizin die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit, welche das Krankenversicherungsgesetz verlangt, nicht erfüllen.
Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit, kurz WZW, sind also das Mass aller Dinge. Schulmedizin und Pharma erfüllen diese Kriterien, behauptet die ELGK, und stützt sich dabei bequem auf allerlei Studien. Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit - so, so! Wenn diese drei Kriterien auf Schulmedizin und Pharma zutreffen, dann stellen sich mir einige Gegenfragen. Zum Beispiel:
• Warum gibt es dann jedes Jahr mehr Patienten, die in die Arztpraxen strömen?
• Warum werden unsere Spitäler immer voller statt leerer?
• Warum verkauft die Pharma Jahr für Jahr mehr Pillen (ohne dass es deswegen mehr Gesunde gibt)?
• Warum braucht es immer mehr Ärzte und Pflegepersonal?
• Warum gibt es immer mehr Kaiserschnitte statt natürliche Geburten?
Der Gerechtigkeit halber müssen dieselben Fragen auch der Komplementärmedizin gestellt werden. Denn in den letzten Jahren sind unzählige Therapeuten und neue Produkte auf dem Markt aufgetaucht. Würde die Komplementärmedizin so ganzheitlich betrieben, wie deren Vertreter nicht müde werden zu behaupten, müsste zumindest in diesem Bereich eine deutliche Verbesserung der Volksgesundheit zu beobachten sein - und die Umsätze in der Naturheilkundebranche müssten eigentlich sinken, doch wie bei der Schulmedizin und der Pharmaindustrie ist auch hier das Gegenteil der Fall.
Weil das so ist, komme ich zur abschliessenden und hoffnungslosen Diagnose: Unser ganzes Gesundheitswesen ist krank - und macht uns krank!
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