Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Gott

Godzillas Wiedergeburt und die Strafe Gottes

Markus Kellenberger | Montag, 14.03.2011

In Japan hat Godzilla gewütet. Das aus Atomtests hervorgegangene Filmmonster hat nun in echt zugeschlagen. Erst hat es die Erde beben lassen, dann eine Flutwelle über das Land geschickt - und jetzt droht in mehreren seiner Brutstätten der Gau. Zeitungen, Radio, TV, das Web - alles ist voll mit den Schreckensmeldungen aus dem Inselreich - und ich mag sie mir gar nicht mehr anschauen. Machen wir einen kleinen Rückblick auf die letzten 15 Monate:

• Januar 2010: Erdbeben in Haiti.

• Februar 2010: Erdbeben und Tsunami in Chile

März 2010: Orkan Xynthia tötet über 60 Menschen in Westeuropa

März 2010: Vulkanausbruch in Island

März 2010: Wirbelsturm verwüstet den australischen Bundesstaat Queensland

April 2010: Die Ölpest im Golf von Mexiko.

April 2010: Erdbeben in China

April 2010: Erdrutsche und Überschwemmungen in Rio de Janeiro

Mai 2010: Wirbelsturm Agatha trifft Guatemala und El Salvador schwer

Juli 2010: Loveparade-Katastrophe in Duisburg

August 2010: Überschwemmungen in Pakistan.

August 2010: Waldbrände in Russland

August 2010: Hochwasserkatastrophe in Sachsen/Brandenburg

August 2010: Schwere Erdrutsche in China

Oktober 2010: Giftiger Industrieschlamm tritt in Ungarn aus

Oktober 2010: In Indonesien bricht der Vulkan Merapi aus

Dezember 2010: Überschwemmungen in Australien. 

Februar 2011: Die Neuseeländische Stadt Christchurch wird durch ein Erdbeben verwüstet

Frage eins: An wie viele dieser von den Medien jeweils tage-, einige auch Wochenlang ausgeschlachtete Ereignisse haben Sie sich aktiv noch erinnern können?

Frage zwei: Warum nur an so wenige?

Und Frage drei: Ist das Gottes Strafe?

Zur Beantwortung der letzten Frage halten einige Leserinnen und Leser bestimmt passende Bibelzitate bereit. Ersparen Sie es sich, mir diese zu schicken - ich glaube weder an Gott noch an Götter.

Aber ich glaube daran, dass wir Menschen einem Machbarkeitswahn unterliegen. Ich glaube daran, dass wir diesen Planeten mit unserer Rasse überfluten und vergiften. Aber ich glaube nicht daran, dass wir das in den Griff bekommen werden, so wie ein Freund von mir das tut. "Wir Menschen werden für alles eine Lösung finden", sagt er und setzt auf ungebremsten Fortschritt. In der Medizin, in der Technik und überhaupt. "Ohne Fortschritt", predigt er unerschütterlich, "werden wir bald wieder in Höhlen leben." Bei diesem Punkt gebe ich ihm jeweils recht. Wir werden bald wieder in Höhlen leben - aber wegen des Fortschritts.

Übrigens: Ghadhafi ist am gewinnen - und schon bald werden wir ihm wieder auf die Schultern klopfen, denn der Mann hat Öl. Und ohne Öl kein Fortschritt, geschweige denn ohne Atom!

Fotos: Making Thinks Better / flickr / cc, Abode of Chaos / flickr / cc

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): AtomtestsErdeFlutwelleGötterGhadhafiGodzillaMedienMenschenPlanet

Gott kennt mich - und Er hat ein Handy

Markus Kellenberger | Freitag, 24.04.2009

«Eine persönliche Begegnung mit Gott!» Die aussergewöhnliche Botschaft auf dem grossen Plakat am Trottoirrand spricht mich in ihrer Einfachheit an. Ja! Warum nicht? Man soll Neuem gegenüber schliesslich offen sein, pflege ich meinen Jungs regelmässig einzutrichtern. Also trete ich näher an das Plakat heran, auf dem eine adrette junge Dame seelig in ihren Laptop schaut, was mir sehr sympathisch ist. Fundamentale Islamisten erreichen diesen Gesichtsausdruck erst, wenn sie sich einen Sprengstoffgürtel umschnallen - fundamentalen Christen genügt dafür ein Blick in den Bildschirm. Das erleichtert vieles.

«Schreibe BRIEF an 5555 und Du bekommst von Gott eine Botschaft». So oder ähnlich steht es in kleinerer Schrift unter «Eine persönliche Begegnung mit Gott». Das mich milde stimmende Frühlingswetter lässt mich tatsächlich zum Handy greifen. Das will ich ausprobieren, denke ich, tippe BRIEF und schicke das Wort auch gleich an 5555. Ob sich mein Leben nun endlich zum Besseren wendet?

Nur knappe zehn Sekunden später erhalte ich tatsächlich eine Antwort. Von Gott persönlich! Gute Güte, hat der Kerl einen teuflisch schnellen Daumen!

«Stell Dir vor: Ich kenne dich», lese ich da zu meinem nicht geringen Erstaunen. Und weiter: «Deine Träume, Ängste, Freuden und Fragen sind mir vertraut. Hey, du bist kein Zufall! Ich liebe dich und möchte dich trösten, ermutigen und stärken. Ich höre dir zu. Willst du mir begegnen? Ich freue mich auf dich!

Dein Gott.»

Wow! Es ist, als hörte ich Engel singen. Alle meine Zweifel sind endlich ausgeräumt, beseitigt. Es gibt Ihn wirklich! Er hat mir geschrieben. Der Beweis für Seine Existenz ist auf meinem Handy gespeichert. Der nächste Schritt, ihn kennen zu lernen, wäre nun, seine Website zu besuchen. Mein Gott, denke ich, da hat der Himmel aber IT-mässig mächtig aufgerüstet, und das erst noch wireless, denn Glasfaserkabel in der Stratosphäre wären bestimmt aufgefallen.

Die Hölle übrigens ist noch lange nicht soweit, das kann ich Ihnen an dieser Stelle versichern. Als moderner Mensch und als kritischer Konsument (auch von göttlichen Botschaften) habe ich nämlich sofort eine Konkurrenzofferte eingeholt und BRIEF auch an 666 gesendet und festgestellt: Der Teufel geht die ihm zur Verfügung stehende Unendlichkeit viel lockerer an als Gott. Der Gehörnte hat mir sein Angebot noch nicht geschickt.

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Gott, Blut und die Kirche im Dorf

Markus Kellenberger | Freitag, 17.10.2008

Eine Frau sitzt allein in ihrem engen Zimmer. Ihre Seele brennt vor Sehnsucht nach dem einen einzigen Mann, für den sie alles gibt, durchs Feuer geht, dem sie ihr Leben widmet. Das schmerzende Herz pocht unerträglich, unaufhörlich. Der Mann, dem die einsame Frau so nahe sein will, ist so fern, dass nur strenge Exerzitien das heisse Verlangen wenigstens vorübergehend mildern können.

Hart und unnachgiebig, dabei wohl keuchend und stöhnend, geisselt die Frau ihr eigenes Fleisch. Mit Ruten, mit Stacheln kasteit sie es, vielleicht auch mit einem straff um den Oberschenkel gebundenen Bussgürtel straft sie ihre eigene Lust, sucht sie Nähe zum so unerreichbar scheinenden Geliebten, hofft, ihn beeindrucken und gnädig stimmen zu können. Ihr Blut tropft und besprenkelt auch die Wände ihrer Zelle, ist Beweis ihres Leidens und ihrer Herzensstärke, wie einige ihrer Mitschwestern, Zeit- und Augenzeugen ehrfürchtig bezeugen.

Keine Ahnung, was für eine Diagnose die moderne Psychiatrie heute einer solchen Person ausstellen und welche Therapie sie empfehlen würde. Ich weiss nur, dass die katholische Kirche Schwester Bernarda heilig gesprochen hat … und mich schaudert's.

Und dann schaudert's mich noch mehr, wenn ich daran denke, dass dieselbe Kirche Priester aus ihrem Kreis ausschliesst, die fleischliche Kasteiungen satt haben und eine Frau heiraten während diejenigen Kollegen, die Kinder schänden  in ein anderes Dorf versetzt werden.

Sagen Sie mir: Was soll ich davon nur halten?

Bild: PD

5 Kommentar(e) Tags (Stichworte): BernardaGottKircheReligion

Welchen Gott meinst Du?

Markus Kellenberger | Freitag, 29.02.2008

«Glaubst Du an Gott», fragte mich kürzlich und völlig überraschend eine mir nicht näher bekannte Person. Nach kurzem Überlegen stellte ich eine Gegenfrage: «Welchen Gott meinst Du?».

In letzter Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass man bei religiösen Dialogen nicht vorsichtig genug sein kann, denn schnell einmal ist ein Gott oder eine Glaubensgemeinschaft beleidigt, wenn sie nicht die erhoffte Antwort bekommt. Schliesslich, und das kann man durchaus so sehen, leben wir zur Zeit in einer Welt, auf der sich viele Götter tummeln. Zugegeben, ich bin in Gottesfragen kein Fachmann, wüsste schon gar nicht, welchen ich wählen sollte. Allein schon im christlichen Kulturkreis ist die Auswahl schon fast unübersichtlich. Den katholischen, den reformierten, den orthodoxen Gott – und falls einer der drei in Frage kommt, eher den Gott mit konservativerer Ausrichtung oder einen, der auch Frauen als Priester zulässt? Vielleicht aber auch jenen der Zeugen Jehovas, den der Methodisten, der Mormonen oder doch den der Wiedertäufer. Eventuell aber auch den Gott, den die amerikanischen TV-Prediger loben? Mir schwirrt da der Kopf, ganz abgesehen davon, dass es neben der christlichen unter anderem auch noch die islamische Welt gibt, die nicht besser, respektive nicht weniger vielfältig zersplittert ist.

Ja. Ich weiss. Letztendlich – das sagen die Menschen aller Glaubenrichtungen dann irgendwann einmal alle – geht es bei all dieser Vielfalt immer nur um den einzig wahren Gott. Man kann sich damit einverstanden erklären, aber dann wird bald einmal die Frage aufgeworfen, ob man in der richtigen Form an den einzig wahren Gott glaubt, die heiligen Schriften (will heissen, die richtige einzige wahre Schrift!) richtig (will heissen auf die einzig wahre Art und Weise!) interpretiert und man den Schöpfer mit den richtigen (will heissen mit den einzig wahren!) Ritualen ehrt, usw. usw.

Und dann komme ich rasch zur Einsicht: Über religiöse Fragen diskutiere ich nicht. Und an welchen Gott ich glaube, dass geht nur mich und ihn (oder sie) etwas an.

Bild: © Sarah C. / PIXELIO

2 Kommentar(e) Tags (Stichworte): GlaubeGottReligion


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