Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Gewalt

Die Waffenkammer im Kinderzimmer

Markus Kellenberger | Dienstag, 31.03.2009

Sollen Waffen im Kinderzimmer verboten werden? Die Zeitschrift "Wir Eltern" lanciert eine entsprechende Online-Umfrage, nicht zuletzt wegen den Schulmassakern. Dafür habe ich zwar Verständnis, trotzdem ödet mich das Thema an. Schon als Junge hörte ich diese Frage, was dazu führte, dass ich Pfeil und Bogen nur umso fester umklammerte. Später, wenn wir in der offenen Müllgrube - das gab es damals noch - mit dem Kleinkalibergewehr der grossen Cousins auf Rattenjagd gingen, passten wir auf, dass uns der Dorfpolizist nicht erwischte. Die Eltern wussten sowieso nicht, wo wir gerade waren, geschweige denn, was wir taten.

Die Erinnerung an jene goldenen Nachmittage gehören noch immer zu meinen liebsten. Und besonders gewalttätig bin ich deswegen nicht geworden, auch wenn in einer späteren Phase meines Erwachsenwerdens starke Frauen in wallenden violetten Röcken aus mir partout einen Täter mit vorauseilendem schlechten Gewissen machen wollten. Ich blieb resistent und trotzdem weitgehend anständig.

Heute wate ich in den Zimmern meiner Buben beinahe knietief durch Trümmerlandschaften, die stumme Zeugen sind von blutigen Auseinandersetzungen zwischen Rittern und Räubern, Piraten und Soldaten aus Hartplastik. Das sieht manchmal so schrecklich schrecklich aus, dass wir uns als besorgte Eltern an den von UNO-Blauhelmen gesicherten Küchentisch zurückziehen, und uns die Frage stellen: "Sollen Waffen im Kinderzimmer verboten werden?"

Später dann, wenn die Buben schlafen, wir uns im Halbdunkel über die beiden verdorbenen Seelen beugen und feststellen, dass selbst der grössere der Beiden, der schon bald in die Pubertät zu kommen droht, den Teddy aus seiner Babyzeit unter die Decke geschmuggelt hat, gönnen wir uns beruhigt ein Glas Wein - und ich zeige meiner Partnerin mit einem zufälligerweise aus dem Kinderzimmer mitgelaufenen Chäpseli-Revolver, wie schnell, perfekt und vor allem ausgesprochen männlich ich ihn um den Finger wirbeln lassen kann.

Bild: noisemedia, Datei steht unter dieser Creative Commons Lizenz

9 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ErziehungFamilieGewaltKinderPubertätSpielzeugWaffen

Jugend, Ausländer und die Kraft der Gewalt

Markus Kellenberger | Mittwoch, 11.03.2009

"16-Jährige lag tot in seinem Bad", und: "Also doch: Schülerin von Freund erschossen". In beiden Fällen sind die Opfer Schülerinnen, junge Menschen, Frauen, Kinder, Jugendliche, gerade mal der Schule entwachsen. In beiden Fällen sind die Täter junge Männer. Der eine 20, der andere 25 Jahre alt. Einer stammt aus dem Kosovo. Aha! Alles klar! Der andere stammt aus der Schweiz. Aha? Warum? Weil er vorbestraft war wegen sexueller Belästigung und versuchtem Totschlag. Aha! Auch alles klar! Wirklich alles klar?

Die Macht der Vorurteile
Einer der Täter hat einen Migrationshintergrund, und das erst noch aus einem Land, von dem wir – geben wir's doch ruhig zu – rein gar nichts erwarten. Gegen Menschen aus dem Kosovo hegen und pflegen wir doch unzählige Vorurteile und bekommen sie regelmässig auch noch bestätigt. Raser, Ehrenmörder, Einbrecher, Gewalttäter. Und Bestien wie der Schweizer, solche müsste man lebenslänglich wegsperren. Für immer. Noch besser gleich… aber das überlassen wir den Texanern, die wissen, wie' geht.

Hirn einschalten
Wenn sich die Stammtischwut dann ein bisschen in Hinrichtungsphantasien entladen hat, sollten wir das Denken wieder einschalten. Warum wurde aus diesen jungen Menschen Opfer und Täter? Und was können wir tun, damit unsere Gesellschaft, in der auch nach der Finanzkrise nur die Zahl unten Rechts in der Bilanz und nicht der Mensch zählt, sich wieder auf andere Werte besinnt?

Haben Sie eine Idee?

6 Kommentar(e) Tags (Stichworte): AusländerGewaltJugendKriminalitätVorurteile

Wenn der Krieg zu Dir nach Hause kommt

Markus Kellenberger | Freitag, 09.01.2009

Bilder des Krieges sind Bilder des Schreckens - könnte man meinen. Ich wuchs mit den Bildern des Vietnamkrieges auf. Häufig schwarzweiss, häufig zittrig und unscharf. Dieser Krieg ist längst vorbei. Viele andere sind gekommen und gegangen und mit ihnen die Bilder. Verstümmelte Leichen. Verkohlte Körper. Rennende Menschen. Blutende Menschen. Flüchtende Menschen. Menschenberge.

Und irgendwann einmal schaut man nicht mehr hin.

Mir geht es zuweilen so. Das oft auf diesem Planeten herrschende Grauen blende ich so weit wie möglich aus. Ein Blick auf die Schlagzeilen genügt. Mehr will ich nicht sehen. Und dann passiert es, dass mich die Propaganda der Krieger und Kriegstreiber einzulullen droht. Sauberer Krieg. Präziser Krieg. Chirurgischer Krieg. Krieg unter grösstmöglicher Schonung der Zivilbevölkerung. Verteidigungskrieg. Gerechtfertigter Krieg. Befreiungsaktion.

Und irgendwann einmal schaut man wieder hin. Ob man will oder nicht.

Gross im "Blick" das Foto eines toten Palästinenserkindes. Das kleine Gesicht des wohl kaum vierjährigen Menschleins so friedlich, als würde es Träumen. Auf den Lippen etwas Blut, als wäre es Konfitüre. Der Körper vom Schutt verborgen, als läge er unter einer Decke. Schlaf mein Kindlein, Schlaf. Träum Deinen Traum. Ich träume mit Dir.

Sauberer Krieg. Verteidigungskrieg. Dreckskrieg.

Weitere Infos:
www.palaestina.ch
http://friedensbewegung.zionismus.info/content.htm

 

3 Kommentar(e) Tags (Stichworte): GewaltIsraelJournalismusKriegMedienNahostkonfliktPalästina


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