Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Frau

Die Babyleiche im Park

Markus Kellenberger | Montag, 13.12.2010

Eine Frau findet eine Babyleiche im Park, genauer gesagt, einen mumifizierten kleinen Fötus, ca. 10 Zentimeter gross und eindeutig als das erkennbar, was er ist: ein toter Mensch. Die Frau packt den Fötus mit angemessenem Gruseln in ein Robidog-Säcklein, beendet den Spaziergang etwas rascher als geplant und geht nach Hause. Dort greift sie zum Telefon – und ruft den Blick an.

Der Blick eilt herbei, fotografiert Fötus und Fundort und bringt das ganze gross und unübersehbar in der Montagsausgabe. Die interviewte Finderin der unheimlichen Kinderleiche gibt im Artikel zum Besten, dass sie demnächst auch noch die Polizei anrufen und den Fund melden werde.

In derselben Zeitungsausgabe, die ich beim Cappuccino im Kaffee durchblätterte, wurde mir aber nicht nur der Fötus serviert, sondern auch das Foto des zerfetzten Stockholmer Attentäters, wie er da mit gebrochenen Augen und verrenkten Gliedern in seinem Blut liegt. Totalaufnahme von oben, alle Details scharf.

Und dann kommt mir in den Sinn, wie Verleger nicht müde werden, das Lied vom Qualitätsjournalismus zu singen. Und wie sie ständig Stellen abbauen. Und wie es in vielen Medienprodukten nur noch um „Quoten und Zahlen um jeden Preis“ geht. Und wie dieselben Verleger aufheulen, wenn eine Studie den bedenklichen Zustand unserer Medien beklagt. Und wie viele meiner jungen Berufskollegen überhaupt kein Problem mit dem Überschreiten des Privaten und Intimen und Anständigen mehr haben. Und wie viele meiner Mitmenschen den Fötus am liebsten selber gefunden – und für den tristen kleinen Moment der medial vergänglichen Unsterblichkeit die Zeitung benachrichtigt hätten.

Und dann frage ich mich: Bin ich mittlerweile einfach nur noch alt? Oder überempfindlich? Oder ganz einfach nur noch überflüssig?

Vielleicht sollte ich ganz einfach weniger denken, ein bisschen mehr Zeitgeist und Abgebrühtheit an den Tag legen und fröhlich dichten:

zum Beispiel

- Advent, Advent, die Leiche brennt!

Schockiert? Seien Sie nicht so empfindlich – reimen Sie mit!

Fotos: Roby Ferrrari / flickr / cc, Editor B / flickr / cc


Macht die Burka zum Mode-Hit

Markus Kellenberger | Freitag, 07.05.2010

Mal ehrlich, wann sind Sie zuletzt einer Frau mit Burka begegnet? Im Urlaub? An der Migros-Kasse? In der Badi? Meine letzte Begegnung liegt fast ein Jahr zurück und fand im Zürcher HB statt. Ein bisschen perplex starrte ich dort in das voll vergitterte Gesicht einer Frau (davon gehe ich aus) - und das war's dann schon.

Heute weiss ich, dass hinter (oder unter) dem Kleid mit grösster Wahrscheinlichkeit eine dieser wenigen Konvertitinnen gesteckt haben muss, die überall auf der Welt - und egal in welcher Religion - immer gern einen Hang zum Extremen zeigen.Aber konkret: Wir sprechen da von etwa 100 oder 150 Frauen in der Schweiz, die sich die Burka mehr oder weniger freiwillig überwerfen. Zum Vergleich: In Schweizer Frauenhäusern leben mindestens zehn Mal mehr Frauen, die vor ihren gewalttätigen Männern geflüchtet sind. In der Regel ohne Burka, dafür mit vielen blauen Flecken. Was ist nun wohl das dringlichere Problem?

Ich finde, wir sollten die Burka als neue Möglichkeit der Selbstverwirklichung entdecken und begrüssen. Die Modebranche hat es noch immer geschafft, jede Form von äusserlich zur Schau getragenem Protest oder Widerstand gegen die herrschende Gesellschaftsordnung weidlich auszunutzen. Ich erinnere an die Kommerzialisierung der Hippies, der Punks, der Skater, Hip-Hopper etc. So wurde noch jede Jugend- oder Protestbewegung erfolgreich gebodigt - und das erst noch mit Gewinn.

Man stelle sich dieses Konzept nun für die Burka vor. Schon im Sommer, so schwebt mir vor, tauchen in unseren Boutiquen die ersten Haut-Couture-Burkas auf. Edle Stücke mit wertvollen Applikationen aus Damast und Brokat, von Lagerfeld, Gucci und Dior. Bald darauf im grösseren Stil die gehobenen Prêt-à-porter-Kollektionen von Dolce & Gabbana, Hugo Boss Woman und eventuell auch Laura Ashley für die Freundinnen des Country-Styles.

Und schliesslich - und das wäre dann der endgültige Durchbruch - bei Manor, Coop, Migros und Vögele die Burkas für die breite Masse. Luftige Farben, gestreift, gepunktet, geblümt, fusslang, knöchellang, knielang, für den Aufriss die knapp gehaltene Mini-Version, und als chicer Abendbegleiter die seitlich raffiniert hochgeschlitzte Burka im Satinlook. Frauenwünschen und Männerphantasien sowie den Möglichkeiten für passende Accessoires sind hier keine Grenzen gesetzt. Ich bin sicher: Das würde nicht nur die Burka-Diskussion überflüssig machen, sondern auch noch die Welt revolutionieren - und Sie, lieber Leser, wüssten schon, was Sie Ihrer Frau zum Geburtstag schenken könnten. Ob die verehrte Gattin daran dann aber auch Freude haben würde - inschallah!

Bild: AfghanistanMatters / FLICKR / CC

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Alles klar!

Markus Kellenberger | Mittwoch, 11.06.2008

Ihr habt entschieden. Meine lang zurück liegenden Drogenerfahrungen sind mit 20 Prozent aller Stimmen nicht der Renner, obschon ich gerne erzählt hätte, wie nach meinem ersten Joint Donovans "Lalena" in unglaublich bunten Blasen aus den Laut-sprechern quoll. Ganze zwei Jahre lang brauchte ich danach, um zur Überzeugung zu gelangen: Einen so schönen Trip gibt es nur einmal im Leben!

Aber lassen wir das. 24 Prozent der Abstimmenden sähen mich gern nackt im Regen tanzen (wer weiss, eines Tages…), 24 wüssten gern mehr über mein Verhältnis zu Blocher und Leuenberger, doch 26,7 Prozent der Abstimmenden möchten wissen, warum ich mich als emanzipiert betrachte, aber Frauen jahrelang belog, betrog und als Objekte behandelte … ein interessantes Psychogramm der "Natürlich"-Blog-Gemeinde!

Aber kommen wir jetzt zum Thema, zum "Wunschfilm". Ich belog, betrog und objektivierte Frauen aus einem - rückblickend zumindest - simplen Grund: Angst! Frauen, das stellte ich als junger Mann schnell einmal fest, waren mir in vielen Dingen haushoch überlegen. Sie waren selbstbewusster, sich ihrer Rolle weitaus sicherer, zielstrebiger und überhaupt von einer anderen Welt. Damals, in den frühen 80-ern, war die Frauen-bewegung eben voll in Schwung gekommen, und diese Kraft hatte sich auf viele meiner Kolleginnen und Freundinnen übertragen. Dem hatte ich nichts entgegenzusetzen. Als Mann war man damals einfach der schlechtere Mensch, ein potenzieller Vergewaltiger, Gewalttäter und Unterdrücker.

Um mich zu bessern, füllte ich mein Bücherregal in den folgenden Jahren mit über zwei Meter Männer- und Frauenliteratur. Sanfte Männer, neue Männer (kaufte deshalb eine Platte von Ina Deter!), starke Männer, einfühlsame Männer, himmlische Männer, männliche Männer…, mir tränten die Augen.

Zwischen damals und heute liegen fast 20 Jahre, die Wirtschaftskrise der 90-er, die Internetblase und ein radikaler gesell-schaftlicher Gesinnungswandel. Fazit: Viele Frauen kehrten aus der Frauendisco direkt an den Herd zurück; kaum ein Schwein liest mehr Männerliteratur; ich koche drei bis vier Mal die Woche, putze an meinem freien Tag Klo, Bad und Küche, mache die Wäsche; trage, bade, wickle und füttere gerne Babys (auch fremde), sorge dafür, dass unsere Söhne kleine Männer sein dürfen (Sie wissen schon: Peng, peng und so!), und finde es verflucht geil und gottverdammt männlich, meine Geliebte und Mutter unserer Kinder hinten aufs Motorrad zu klemmen - und das mit der festen Absicht, sie auf irgend einer Wiese zu verführen.

Links
www.maennerzeitung.ch
www.aliceschwarzer.de
www.das-kamasutra.com

Bilder: © manwalk / PIXELIO, PD

4 Kommentar(e) Tags (Stichworte): 80erDrogenEmanzipationFrauenMännerUmfrage

Gentechnologie, Hooligans, Frauen und Männer

Markus Kellenberger | Mittwoch, 28.05.2008

In England ist es seit Kurzem Forschern gestattet, menschliche und tierische Zellen gentechnisch zu verschmelzen. Den Entscheid begründen die verantwortlichen Politiker unter anderem damit, dass sie der Wissenschaft keine unnötigen Steine in den Weg legen möchten – und dass alles natürlich nur unter Einhaltung strengster Vorschriften und seriösester Kontrollen stattfinden darf. Kein Grund zur Sorge also, denn Wissenschaftler wissen immer, was sie tun – und Politiker haben ihr Wort noch immer gehalten.

Mir verursacht die Vorstellung, Menschen und Tiere miteinander zu mischen, keine Gänsehaut. Im Gegenteil. Für die Zukunft ergeben sich wunderbare Perspektiven. Im Interesse der Shareholder beispielsweise könnte man Arbeiter gekreuzt mit fleissigen Bienen und genügsamen Berggeissen züchten. Für den Schulbetrieb würden wir Lehrer mit der dicken Haut von
Walrossen versehen.

Ehemänner könnte man je nach Bedarf mit der Gutmütigkeit von Berggorillas oder der Treue monogamer Höckerschwäne ausstatten (eventuell auch mit beidem). Gewisse Ehemänner wiederum würden Ehefrauen wohl gerne etwas Kätzisches verpassen – allerdings, und das müsste gentechnisch eigentlich im Bereich des Möglichen liegen, ohne den Hang, aus für Männer unverständlichen Gründen (also den meisten) zu fauchen und zu kratzen. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

Was für eine Kreuzung wünschen Sie sich?

Bilder: © Jenzig71 / PIXELIO

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