Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Fernsehen

Flipper, Fury, Bonanza und die fehlenden Mütter

Markus Kellenberger | Donnerstag, 10.09.2009

Kaffeetisch-Gespräche können manchmal verdammt mühsam sein. Zäh geradezu! Oder auch schlicht langweilig. Falls Sie eine solche Runde einmal richtig aufmischen wollen – reden Sie über die TV-Serien Ihrer Kindheit. Da kommt nicht nur Stimmung auf, Sie werden auch schnell merken, wie tief sich diese Sendungen in Ihr Hirn und das Ihres Gegenübers eingegraben haben (sofern der Altersrange einigermassen stimmt). Da tauchen nicht nur ganze Episoden auf, nein, da werden auch plötzlich Titelmelodien geschmettert und halbe Szenen nachgestellt und fast fehlerfrei nachgesprochen.

Kommen Sie mit mir auf eine kleine Zeitreise – in eine Zeit, die TV-mässig natürlich viiiiiel besseres zu bieten hatte, als den Schrott, den sich unsere Kinder heute reinziehen. Allererste Erinnerungen habe ich an die skurrile Serie "Immer wenn er Pillen nahm". Selbstverständlich in s/w. Bin ich der einzige, der sich daran erinnert? Oder "Ivanhoe" mit einem knackig jungen Roger Moore. Dann natürlich Robin Hood, ebenfalls s/w (auch die Strumpfhosen) und das unvergessliche Lied:

"Robin Hood, Robin Hood, reitet durch die Lande,
Voller Stolz und Wagemut folgt ihm seine Bande,
Es fürchten ihn die Bösen, die Guten sind im Gut,
Robin Hood, Robin Hood, Robin Hoooooooood!

Und beim Schlussrefrain trifft federnd - trrrrrrrrrrr - Robins Pfeil punktgenau in den Baumstamm. Vielleicht hatten Sie's aber mehr mit "Mr. Ed", dem sprechenden Pferd. Oder mit "Fury". Erinnern Sie sich, wie am Schluss jeder Episode alle Beteiligten glücklich zusammen standen und zusammen mit dem wiehernden Fury lachten?

Apropos "Fury". Mit andern Serien wie "Flipper", "Mein Freund Ben" (der Bär, Sie wissen schon!), "Lassy" und "Lieber Onkel Bill" und auch "Bonanza" hatte Fury etwas immens wichtiges Gemeinsam. Na? Kommen Sie drauf? ….. In jeder Serie kamen zwar Onkels und (allein erziehende) Väter, allenfalls vielleicht noch eine verschrobene Haushälterin vor, aber keine Mütter. Wie bei Pippi Langstrumpf wurden solche zwar hie und da in Gebeten erwähnt, aber grundsätzlich waren sie abwesend – ohne dass deswegen jemand besonders traurig war. Wie kommt das? Ich behaupte, das liegt daran, dass Kinder viel erwachsener sind als wir Erwachsenen glauben – und dass wir Männer eigentlich sowieso die besseren Mütter sind.

Foto: bionicteaching / flickr / cc

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Oh Wonne, so ganz ohne TV und Gras

Markus Kellenberger | Freitag, 06.02.2009

Jetzt ist es drei Wochen her, seit ich den Fernseher ausgestöpselt und im Keller zwischengelagert habe, und wir haben bis heute ohne Care Team und Survival Set überlebt. Einige Male noch hat meine Geliebte gemeint, sie würde sich gern vor dem Kasten niederlassen, auch die Kinder haben noch zwei, drei Mal mit Blick auf die Uhr erwähnt, dass genau jetzt die Simpsons laufen würden - aber sonst ist überhaupt nichts passiert. 

Ja. Rein nichts! Die Welt dreht sich noch. Die relevanten News entnehme ich den Zeitungen, die ich etwas intensiver als sonst lese, weil ich nicht schon (fast) alles in der Tagesschau gesehen habe. Und die Kinder? Die lesen tatsächlich Bücher. Für alle TV-Freaks unter Euch: Das sind diese dicken Dinger aus bedrucktem Papier mit vielen, vielen Seiten.

Seit die Glotze weg ist, habe ich zudem meine alte Plattensammlung wieder entdeckt. Sie umfasst über 500 LP's (das sind Langspielplatten mit 33 Touren, meine Lieben) oder anders ausgedrückt: Meinen gesamten Stiftenlohn!

Hey, was findet sich dort unter der dicken Staubschicht nicht alles. In diesen Tagen geniesse ich die fast komplette Donovan-Sammlung, von der Sie hier einige Kostproben hören können. Nimmt mich wunder, wie er Ihnen gefällt. Abend für Abend setze ich mich hin, lege eine Platte auf und ziehe sie mir rein. Immer nur eine. Meine Geliebte legt sich dann aufs Sofa und staunt, was ich früher so alles gehört habe - und was es früher doch für wunderbare Musik gab. Und auch meine Söhne, ansonsten eher der Green Day-Fraktion angehörend, lauschen gerne mit. Der spinnt halt ein bisschen, der Alte, besonders wenn er dann noch aufsteht, zuckt und tanzt und (grässlich) singt.

Wenn Donovan durch ist – "Jennifer, Juniper", "Season of the Witch" und "The Sun" sind die Familienlieblinge –, kommt Cat Stevens dran, danach vielleicht die Moody Blues und dann sehen wir weiter.

Donovans Hippie- Sound fährt ein. Mittlerweile auch ohne Gras!
Wir bleiben weiterhin ohne TV!

Donovan on tour: www.topact.ch

 

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Von Rabenvätern und TV-Kindern

Markus Kellenberger | Freitag, 23.01.2009

Wir haben keine Fernseher mehr. Schon mehrere Tage. Nachdem das Jammern und Klagen der Kinder verstummt ist, herrscht Abend für Abend geruhsame Stille im Haus. Bis zu den Frühlingsferien wenigstens. Bis dahin dauert das Experiment.

Ich weiss nicht, wie's Ihnen mit der Glotze geht, bei uns jedenfalls hat das Gerät bisher einen recht dominanten Platz innegehabt. Mitten in der Stube, Sofa und Sessel gnadenlos darauf ausgerichtet, als wäre es der Hausaltar. Abend für Abend sassen erst die beiden Buben, aktuell 11 und 9, vor der Kiste und zogen sich die Simpsons rein – waren die Knaben erst mal im Bett, belegten meine Geliebte und ich die frei gewordenen Plätze.

Der Entschluss, diesen Zustand zu ändern, reifte über Jahre. Kein Witz! Auf den Fernseher zu verzichten ist ähnlich schwer, wie mit Rauchen aufzuhören. Es gibt immer einen mehr oder weniger guten Grund, es gerade heute auf morgen zu verschieben. Ein toller Film, Regenwetter, der Zwang, sich informieren zu müssen (was am TV kommt, ist schliesslich wichtig!!!) oder ganz einfach der Wunsch, vor der Kiste abzuhängen.

Doch diesmal setzte ich mich durch, allerdings nicht vollumfänglich. Von mir aus hätte ich den Fernseher gleich in die Brockenstube gebracht, doch die Familie bedingte sich eine Gnadenfrist bis zu den Frühlingsferien aus, die Kleinen nannten mich gar einen Rabenvater. Man muss mit Kompromissen und Beschimpfungen durch die Liebsten leben können.

Eine Woche dauert der TV-lose Zustand nun, und die ersten Erfahrungen sind für alle überraschend positiv. Dazu gehören:

- Abendessen gibt es deutlich früher, nicht erst nach den Simpsons.

- Die Kinder machen ihre Hausaufgaben entspannter, haben das Bücherregal entdeckt und spielen plötzlich nicht mehr PlayStation, sondern mit Begeisterung banales Monopoly - macht jetzt in der Finanzkrise besonders Spass!

- Im Haus herrscht, ich habe es Eingangs erwähnt, viel häufiger entweder Stille – oder es wird bewusst Musik gehört.

- Meine Geliebte und ich, wir sitzen zwar immer noch auf dem Sofa, aber…

- …ja aber wir reden miteinander. Wieder deutlich mehr als auch schon.

- Und: Uns fehlt nichts. Weder die Tagesschau, noch der zum x-ten Mal wiederholte Film, schon gar nicht die vielen blöden Serien.

Fazit: Wir - also zumindest ich - haben bereits nach wenigen Tagen gemerkt, dass es auch ohne Fernseher geht. Und das erst noch mit Gewinn, denn die Flimmerkiste tut unter dem Deckmantel der Unterhaltung und der Information vor allem eines: Sie stiehlt uns wertvolle Lebenszeit.

Ich werde an dieser Stelle noch einige Male auf das Experiment zu sprechen kommen. Aber vorher möchte ich von Ihnen wissen: Wie halten Sie es mit dem TV-Konsum. Wie gehen Sie damit um? Wie kriegen Sie die Kinder (und sich selber) von der Glotze weg? Und: Bin ich wirklich ein Rabenvater?

4 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ElternErziehungFernsehenKinderRabenvaterTV-Serien


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