Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Energie

Hallo Herr Grübel - bei der UBS ist doch eine Stelle frei

Markus Kellenberger | Dienstag, 20.09.2011

Sehr geehrter Herr Grübel

Gerne bewerbe ich mich um die freigewordene Stelle eines Investment-Bankers in London. Nicht dass ich dazu besonders qualifiziert wäre, aber eine solche scheint es ja auch nicht zu brauchen. Im Gegenteil! Und genau das bringe ich auch mit. Gut möglich, dass es mir auch etwas an krimineller Energie mangelt, die für den skrupellosen Handel mit dem Grossen Geld durchaus von Vorteil sein kann, doch das mache ich mit einer gewissen Blauäugigkeit bestimmt mehr als nur wett. 

Schon immer war mir Ihre Bank ein Vorbild darin, wie nonchalant man Gewinne in den eigenen Sack wirtschaften und allfällige Verluste dem gemeinen Steuerzahler und kleinen Bankkunden aufbürden kann. Dieses ausgeklügelte System von bewundernswerter Schamlosigkeit fasziniert mich, ebenso die damit verbundenen Möglichkeiten, im Interesse des eigenen Bonus abertausende von Menschen ihrer Arbeit berauben und ganze Länder in Hungersnöte stürzen zu dürfen.

Sie sehen, Herr Grübel, mit dem allgemeinen Investment-Geschäft bin ich bestens vertraut. Und um meiner Bewerbung noch einen Pluspunkt aufsetzen zu können: Zahlen Sie mir monatlich einfach bescheidene 10‘000 Franken auf mein Konto – und ich tue weiterhin rein gar nichts, was Ihrer werten Institution einen Reputationsschaden oder einen Milliardenverlust zufügen könnte. Einen besseren und gemessen an den bei Ihnen normalerweise gängigen Gehältern derart günstigeren Mitarbeiter können Sie sich eigentlich nicht wünschen.

Es würde mich sehr freuen, Sie vor der Vertragsunterzeichnung schnell noch persönlich kennen lernen zu dürfen – das schafft bestimmt das nötige gegenseitige Vertrauen.

Freundliche Grüsse

Markus Kellenberger

Steuerzahler und Bankenretter

Foto: aprilandrandy / flickr / cc, twicepix / flickr / cc

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Let's make money

Andres Jordi | Freitag, 16.01.2009

Sie sind erstaunt, mich hier doch wieder vorzufinden? Nun, mein Berufswechsel ins Reich des Lichts war von kurzer Dauer. Ich war irgendwie zu wenig hell für den Job als Lichtarbeiter. Kollege «The Chief» Kellenberger hat das ja von Anfang an gewusst – wenigstens er.

Ich habe auch gemerkt, dass Lichtarbeit eine ziemlich brotlose Kunst ist– zumindest auf meinem Niveau, andere mögen da erfolgreicher sein. Und ich schaffte es einfach nicht, von Licht und Liebe allein zu leben, geschweige denn glücklich zu sein. Dazu brauche ich Geld. Das ist auch eine Form von Energie.

Manchmal ist dieser Zusammenhang auch ganz offensichtlich: Bei meiner Bank  investiert man sein Geld nicht in Waffengeschäfte für künftige Nahostkriege, sondern zum Beispiel in erneuerbare Energien. Meine Bank ist übrigens auch nicht direkt von der Finanzkrise betroffen und braucht keine Finanzspritzen vom Staat. Würde sie auch nicht erhalten, wenn sie es nötig hätte, denn die Finanzoberhäupter der Schweiz lassen sich bestimmt kein A für ein U vormachen. Für alle, die es interessiert, wo ihr Geld gerade so für sie am Arbeiten ist, hier ein Filmtipp: Let's make money startet ab dem 22. Januar in den Deutschschweizer Kinos.

Nicht nur fürs Geld arbeiten, sondern dieses auch für einen arbeiten lassen, diese Vorstellung gefällt mir, das hat so etwas Souveränes. Auf dem Konto meiner Bank, auch wenn es die beste aller ist, liegt der Zaster ziemlich träge herum, statt in die Hände zu spucken. Darum überlege ich, wie ich mein äusserst umfangreiches Vermögen gewinnbringender anlegen könnte. Um nicht aus Versehen in Blutdiamanten oder die Abholzung von Regenwald zu investieren, scheint mir das neue Webtool der Erklärung von Bern ganz nützlich zu sein. Dieses hilft einem, anhand seiner Prioritäten aus verschiedenen nachhaltigen Finanzanlagen das passende Angebot auszuwählen. Auch so kann man Geld für sich arbeiten lassen.

Was machen eigentlich Sie so mit Ihrem Geld?

 

Bild: herval, Datei steht unter dieser Creative Commons Lizenz

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Atom, Werbung und D&G

Markus Kellenberger | Montag, 07.07.2008

Werbung ist das Schmiermittel unserer Gesellschaft. Ohne sie lässt sich kaum mehr etwas verkaufen, weil – zumindest bei uns – alle eigentlich schon alles haben. Also ist es erste Aufgabe der Werbung, neue Bedürfnisse zu schaffen. "Die Konsumenten verlangen danach", heisst dann der Äxgüsi-Standardsatz, mit dem sich die Zampanos der Branche aus der Verantwortung ziehen, nachdem sie allen eingebleut haben, ohne eine D&G-Unterhose oder ohne einen mindestens zwölf Liter saufenden SUV gesellschaftliche Nullen zu sein.

Dass diese Strategie noch lange funktioniert, zeigt unsere kleine Umfrage von letzter Woche zum Thema Werbung und Werbeversprechen: 26,9 Prozent der Beteiligten findet "dabei sein cool", und immerhin 36,5 Prozent geben zu, sich von den verlockenden Botschaften "ein wenig" beeinflussen zu lassen. Der Rest der Abstimmenden behauptet, dass Werbung an ihnen spurlos abperlt…wer's glaubt!

 

Die Atomwirtschaft sicher nicht. Seit letztem Jahr ist sie gezielt daran, uns auf die neuen Kernkraftwerke einzustimmen, die sie bauen möchte. Eigens dazu hat sie ein werbewirksames Atommaskottchen erfunden, es gmögig "Stromlücke" getauft und gleich auf Tournee durch die Medien geschickt. Sein Auftrag: Uns klar machen, dass uns ohne die Segnungen der Kernspaltung schon bald das Licht ausgeht, und dass alternative Energiequellen zwar gut gemeint, im Vergleich zur Kraft des Atoms aber Schnibischnäbi sind…wer's glaubt!

Will die Atomwirtschaft erfolgreich sein, muss sie die Werbeagentur wechseln! Mir fehlen zwei wesentliche Dinge, um meine Zweifel gegenüber der veralteten und gefährlichen Technik auszuräumen:

1. Ich will Maskottchen "Stromlücke" unbedingt als Plüschtierchen kaufen können, vielleicht in Gestalt eines flauschigen Kühltürmchens, zur Not aber auch als kuscheliges Atommüllfässchen.
 
2. Und: Ich will endlich wissen, wo und wie die Atomfreunde ihre strahlende Hinterlassenschaft zu vergraben gedenken!

Und Sie? Was möchten Sie von der Atomlobby wissen?

Bild: © chris / PIXELIO

4 Kommentar(e) Tags (Stichworte): AKWsAtommüllEnergieKernenergieKonsumWerbung


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