Ich rede mir immer wieder ein, dass ich gegen Werbung immun sei und meine Kaufentscheidungen aus absolut freiem Willen treffe. Doch schon beim freien Willen fängt der Zweifel an, berauben einem die Hirnforscher doch der Illusion einen solchen zu haben. Aber da ich glauben kann, was ich will, halte ich mich hier lieber an die Philosophen, die das Ganze naturgemäss ein bisschen anders sehen (hier für jene, die etwas wirklich Gehaltvolles lesen möchten).
Trotz der Gewissheit eigener Entscheidungsfreiheit beschleicht mich doch gelegentlich das Gefühl ein bisschen manipuliert zu werden und nicht zu kaufen, was ich wirklich will, sondern für was die Werber werben. Schöne Verpackungen kanalisieren beispielsweise meine Aufmerksamkeit im CD-Geschäft und führen zu einer Vorselektion jener Musik, die ich mir überhaupt anhöre. Dem Duftmarketing erliege ich wahrscheinlich komplett. Was erklären würde, dass ich jeweils mit fünf CDs statt mit einer aus meinem Leibladen (ein bisschen Werbung darf sein) komme.
Manchmal ist Werbung aber auch so plump, dass sogar ich sie durchschaue. Haben Sie die neue Plakataktion der Migros schon gesehen? Der Detailhändler senkt bei 500 Artikeln dauerhaft den Preis. Nicht etwa aus Konkurrenzdruck, sondern weil er etwas Gutes tun und unser Budget entlasten will: wegen der hohen Kinderhorttarife etwa oder der hohen Krankenkassenprämien, wie es gross auf den Plakaten heisst. Wenn der Staat nicht hilft, greift uns die liebe Migros unter die Arme. Dutti würde das bestimmt freuen. Und mich rührt so viel Nächstenliebe.
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