Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): China

Worum sich die Welt wirklich dreht

Markus Kellenberger | Mittwoch, 29.06.2011

Ein Blog muss her. Ein Thema. Welches? Die Welt ist voller Themen. IWF, Fukushima, Schächtverbot, Korruption in Afghanistan, Frankenhoch, steigende KK-Prämien, Klimaveränderung, Weltbevölkerung, China, Menschenrechte, Palästina, Papierfabrik Biberist, Weltwirtschaft, Griechenland, Umweltzerstörung, Novartis, neue Krebstherapien, Maul- und Klauenseuche, Blitz und Donner, Dominique Strauss-Kahn, Männergewalt, Frauenintrigen, Zersiedelung, Ausländeranteil, EU, Libyen, Hunger, Übergewicht, Energieverbrauch…

…aber was mich wirklich beschäftigt, ist dies: in der Nacht verirrte sich ein Juni-Käfer in mein Schlafzimmer. Ich erschrak wahnsinnig ob seinem Gebrumm, das im dunklen Raum aber rasch verstummte – und schlief wieder ein.

Heute Morgen fand ich ihn. Auf dem Nachttischlein lag er. Tot. Was für ein Leben ist das wohl als Käfer in dieser Welt?

Fotos: Bluedharma / flickr / cc, mordorian / flickr / cc

 

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ChinaFukushimaJuniKäferKellenbergerNachtNovartis

Chinesen bringen hilflose Büsi und Hundeli um

Markus Kellenberger | Freitag, 03.10.2008

Eine Sauerei, finden Sie nicht auch? Aber wenn Sie das erste Entsetzen und die erste Empörung überstanden haben, lesen Sie den Titel bitte nochmals. Er sollte richtig nämlich lauten: "Schweizer bringen jedes Jahr 1,7 Millionen hilflose Hühner um!" Ahhhh, denken Sie nun sicher erlöst, also doch nicht die armen Schmusebüsis und Knuddelhunde, einfach nur Hühner. Aber genau hier finde ich, müsste unser "Entsetzensfaktor" erst recht greifen.

Im Gegensatz zu den Miezis und Lumpis, die hie und da im Topf landen, haben die 1,7 Millionen Hühner kein lustiges Leben mit
viel Auslauf, regelmässigen Streicheleinheiten und einem artgerechten Agility-Vereinsleben,
oh nein! Sie haben, nachdem sie in anonymen Zuchtanstalten aus dem Ei geschlüpft sind (ohne ihre Mutter je zu kennen), zwei Jahre lang nichts anderes gemacht, als in einem engen Stall Eier gelegt, die meisten von ihnen im Auftrag der Mitglieder des Schweizer Geflügelzüchterverbandes. Tag für Tag haben sie gelegt. Für uns. Damit unser Kuchen schön gerät. Unsere Teigwaren fein schmecken. Unser Frühstückstisch mit einer Portion Eiweiss angereichert ist. Ostern möglichst bunt ausfällt. Und, und, und. Und der Dank dafür: Nach zwei solchen tristen Lebensjahren wird ihnen der Hals umgedreht, 1,7 Millionen Mal, denn nach zwei Jahren sind die Legehennen "ausgebrannt", leer, werden die Eier unregelmässig gross und eignen sich nicht mehr für die Ansprüche des verwöhnten Konsumenten, für Sie und mich.

Das Beste kommt aber erst noch: Die 1,7 Millionen Hühner landen nicht etwa auf unseren Tellern, wie man mit einem Anflug von Restanstand noch hoffen könnte, nein, denn dazu sind sie zu zäh und die Zubereitung eines Suppenhuhnes ist für die moderne Hausfrau und den modernen Hausmann zu zeitaufwändig. Ein kleiner Teil der abgemurksten Tiere endet als Tierfutter, der grosse Rest aber als Brennstoff für Zementfabriken und neuerdings auch noch im Interesse des Klimaschutzes in Biogasanlagen.

Aber was schreibe ich hier eigentlich. Dass wir viele Tiere schlimmer behandeln als eine Schaufel voll Kies, regt doch niemanden mehr auf, höchstens noch so "Spinner" wie den Erwin Kessler von der Vereinigung gegen Tierfabriken. Hauptsache ist doch für die meisten von uns, dass die Chinesen die Finger von Büsis und Hundelis lassen - und dass das Eigelb so richtig schön gelb ist! 

Sind Sie auch dieser Meinung?

Bilder: © Viktor Schwabenland / PIXELIO,

 


Verständnis für China?

Markus Kellenberger | Dienstag, 29.04.2008

Verschiedene Leserbriefschreiber bitten um Verständnis für China, das von den «bösen Tibetern» in Verruf gebracht wird. In einer etwas älteren Illustrierten las ich, dass sogar der Schweizer Olympiasieger Donghua Li sich dafür hergibt und um Verständnis für seine alte Heimat bittet.

Nun, China mobilisiert. Einige der bei uns auf der Redaktion eingetroffenen Leserbriefe klingen nicht nur wie ausge-klügeltes Propagandamaterial, nein, sie sind in vielen Text-passagen sogar völlig identisch, will heissen, sie wurden von irgendeiner Behörde oder Organisation vorgedruckt und zur Verbreitung empfohlen. Dagegen habe ich grundsätzlich nichts, das machen Parteien in unserem Land genau so. Was mich vielmehr stört, ist die Wortwahl, denn um Verständnis zu bitten ist gleichbedeutend mit der Bitte um Verzeihung und Nachsicht. Und dafür habe ich kein Verständnis.

Man kann mich bitten, China zu Verstehen, will heissen, zu begreifen, welche Probleme dieses alte mächtige Reich erschüttern und wie es versucht, damit umzugehen. Man kann mich ebenfalls bitten zu verstehen, was Abzocker, Mörder, Pädophile, Verbrecher, Schläger, Säufer, Diktatoren und Nachläufer antreibt. Aber Verständnis werde ich für solche Menschen und für von solchen Menschen geprägte Systeme nie aufbringen – auch nicht für China. Verstehen Sie mich? 

Bild: PD / WIKIMEDIA

2 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ChinaPropagandaTibet

Wo bleibt die Revolution?

Markus Kellenberger | Dienstag, 15.04.2008

Ich stelle mit Befriedigung fest: Der Beitrag zu Tibet/China hat einige von Euch zu Antworten angeregt; der Beitrag zum Erotikkatalog hat keinen müden Hund hinter dem Ofen vorgelockt. Was will mir das sagen? Erotik beschäftigt Euch weniger als Tibet? Hoffentlich! Erotik und Sinnlichkeit gehören zu unserem Alltag – die Verletzung von Menschenrechten nicht.

Doch aktuell fürchte ich, dass der noch vor wenigen Tagen für einen kurzen Moment laut gewordene Protest gegen China wieder ver-stummt. Die Medien haben den Focus mittlerweile auf neue Brennpunkte gerichtet. Was gestern noch empörte, ist heute schon vergessen. Langweilig. Nicht der Rede wert. Eine Schlagzeile ohne Leser.

Denken Sie mal kurz nach: Wie oft stand in den letzten sechs Monaten ein Ereignis gross, das heisst, zwei, drei Tage lang, in allen Medien? Und wie viele davon können Sie noch aufzählen? Und falls Sie diese Fragen irritieren – sagen Sie mir doch einfach spontan und ohne lange nachzudenken: Wie heisst
der neue Mister Schweiz?
Alles klar?

Die so genannte Informationsgesellschaft ist in Tat und Wahrheit nämlich auch eine Desinformationsgesellschaft – und der Hauptgrund dafür, warum es in den nächsten hundert Jahren keine echte gesellschaftliche Revolution mehr geben wird. Oder sehe ich da zu schwarz?

Bild: © Daniel Gugger


Free Tibet!

Markus Kellenberger | Donnerstag, 03.04.2008

Seit fast 50 Jahren besetzt China Tibet. Im Klartext heisst das: Tausende tote, gefolterte, vergewaltigte und eingekerkerte Menschen – und dieses Töten und Foltern ist nicht etwa Geschichte, sondern bis heute Alltag in Tibet. Damit nicht genug, betreibt das Reich der Mitte zusätzlich eine regelrechte Ausrottungspolitik, indem es Millionen von Chinesen in die tibetischen Städte und Dörfer umsiedelt. Hier heisst das im Klartext: Die Urbevölkerung Tibets, die Tibeter, wird gnadenlos verdrängt und vertrieben. Wer sich nicht ins chinesische System assimilieren lässt, wird ausgelöscht.

Und was tun wir dagegen? Nichts! Und warum nicht? Weil wir Schiss haben, dass uns ein Geschäft mit den Chinesen entgehen könnte! Weil es unser bequemes Leben empfindlich beein-trächtigen könnte, wenn die Olympiade ausfallen würde! Und weil wir zu feige sind, unser Recht auf freie Meinungsäusserung wahrzunehmen – oder wie anders kann ich mir erklären, dass bis heute kaum eine breite Front gebildet hat, die sich laut und deutlich gegen Chinas menschen- und menschenrechtverachtende Arroganz auflehnt.

Wo bleiben all die Vorbilder in unserem Land, die sich sonst auch nicht scheuen, in jedem Boulevardblatt zu jedem unwichtigen Hafenkäse ihre wichtige Meinung kund zu tun?

Wo bleiben all die Swiss-Awards- und Music-Awards- und Sport-Awards-Empfänger und all die Missen und Mister, wenn es um die Freiheit eines Landes und dessen Menschen geht?

Wo bleiben die Sportler, die sich weigern, nach China zur Olympiade zu gehen? Hallo Roger, hallo Simone und hallo Dölf! Ich höre Euch nicht!

Wo bleiben all die, die sich Künstler nennen? Hallo Francine, hallo Victor, hallo Bobo, hallo WAM! Ich höre Euch nicht!

Wo bleiben all die sonst auch nicht mundfaulen Politiker? Hallo Doris, hallo Sämi, hallo Pascal, hallo Ihr 246 gewählten so genannten Vertreter von Recht und Demokratie, Ihr Hüter der Moral und der eigenen Pfründe! Ich höre Euch nicht!

Und hallo Ihr alle da draussen! Auch Euch höre ich nicht!

 

Links zum Thema:
Tibeter Gemeinschaft in der Schweiz
Amnesty International Schweiz
Human Rights Watch Asia
NZZ Online – Dossier: Chinas Problem mit Tibet
taz.de – Dossier: Tibet im Aufruhr

Bild: PD / WIKIMEDIA

9 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ChinaMenschenrechteOlympiadeTibet


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