Früher war ich viel toleranter. Doch das Alter hat seine Spuren hinterlassen, man könnte es auch Lebenserfahrung, "alles schon erlebt" oder konstruktiv positiv ausgedrückt "man lernt dazu" nennen. Panflöten spielende Heimweh-Inkas am Loeb-Egge in Bern liessen mich jeweils die geistigen Schwingen ausbreiten wie ein Kondor. Heute mache ich einen grossen Bogen um solche Klänge.
DRS 3 war lange Dauer-Standard-Berieselung in meinem Junggesellen-Haushalt. Heute, als Partner und Vater, bevorzuge ich selektives Einschalten von DRS 1 oder (ehrlich!) auch mal DRS 2. Das nur ein paar kleine Beispiele dafür, wie sehr ich mich verändert habe.
Meine beiden Wunderknaben kommen jetzt langsam in dieses Alter, in dem ich einmal war. Ich stelle das anhand der sich verändernden Musikauswahl fest, die in ihren Zimmern gespielt wird - und natürlich an der langsam zunehmenden Lautstärke. Nix mehr Ohrwürmer und "Chömed Chinder, mir wänd singe", sondern beispielsweise "Bushido" oder so ähnlich. Meine Eltern bezeichneten meine Musikauswahl als "Negermusik". Weil das heute politisch unkorrekt ist, bezeichne ich die Musikauswahl meiner Söhne als "Saulärm". Bald werden stadtbernische Tierschutzorganisationen wohl auch hier eine schweinisch korrekte Ausdrucksweise verlangen.
Aber zurück zum Thema. Früher war ich eindeutig toleranter, heute nerven mich viele alltägliche Dinge. Die Inkaflötisten habe ich bereits erwähnt, DRS 3 ("Sali mitenand, hoi Du, Du, Du, Du und jetzt no nes Quizzli…") auch, drum hier meine persönlichen und aktuellen "Das-nervt-mich-Top-Ten":
1. Hündeler auf dem Vita-Parcours (egal ob mit oder ohne Leine)
2. Alle anderen Autofahrer
3. Unser ganzes Parlament inklusive Bundesrat (zurück in den Kindergarten mit ihnen)
4. Nachbars Katze, die ständig in meine Beete sch…
5. Schiedsrichter aus Saudiarabien
6. Falsch in die Abwaschmaschine eingeräumtes Geschirr
7. Selecta-Kaffe-Automaten
8. Leute, die sich ohne "isch do no frei" in mein Abteil flätzen
9. Biker auf dem Wanderweg
10. Treibhaustomaten aus Spanien
Das ist meine aktuelle Hitparade. Wie sieht die Ihre aus?
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