Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Bund

Mein liebstes Bundesamt 2

Andres Jordi | Donnerstag, 09.09.2010

Alle Jahre wieder wenn der Herbst kommt, küre ich mein Lieblingsbundesamt. Letztes Jahr wurde dem BVet, dem Bundesamt für Veterinärwesen, die grosse Ehre zuteil. Redlich wie es ist, hat das BVet übrigens kürzlich die neuste Hundebissstatistik veröffentlicht: Die Verhältnisse sind im Vergleich zum letzten Jahr – Gott sei dank oder bedenklicherweise – stabil geblieben. 

Mit grosser Genugtuung und Freude darf ich nun feststellen, dass sich das BVet auch dieses Jahr als meinen Liebling geradezu aufdrängt. Ich möchte das Bundesamt dieses Mal für ihre ausserordentliche Bürgernähe würdigen, habe ich doch mit grosser Erleichterung entdeckt, dass durch das BVet endlich eine Lücke geschlossen werden konnte, die ich schon lange als riesiges Manko öffentlicher Dienste ausgemacht hatte: Das BVet betreibt endlich auch ein Wellensittichforum.

Noch visionärer scheint mir da höchstens die Post – die ist aber kein Bundesamt und darum höchstens für einen Sonderpreis geeignet. Auch die Post beschränkt sich vorbildlichst auf ihr Kerngeschäft und verkauft darum in ihren Filialen nur, was wirklich ins Sortiment eines ernstzunehmenden postalischen Unternehmens gehört – von Gummibärchen bis Quitsch-Entchen. Das ist Service public.

Foto: Stefan Munder / flickr / cc, mawel / flickr / cc

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Der Wolf ist tot - es lebe das subventionierte Schaf

Markus Kellenberger | Donnerstag, 12.08.2010

Schafbesitzer sprechen gerne von "ihren" Tieren - und liegen damit ziemlich falsch. Damit das ein für alle Mal klar ist, liebe Schafbesitzer: Die Tiere gehören mir, sowie jedem anderen beliebigen Steuerzahler. In der Schweiz gibt es knapp eine halbe Million Schafe. Pro Tier und Jahr erhält der Halter allein vom Bund rund 100 Franken, darin inbegriffen ist auch der Beitrag zur "Verwertung", sprich "Vernichtung" der Schafwolle, die sich hierzulande nicht verkaufen lässt. Zäune und allfällige (im Wallis meist fehlende) Hirte werden überdies separat subventioniert. Weitere Zuschüsse sind hier nicht aufgelistet.

Hoch subventionierte Schafe zu halten lohnt sich also, denn die Tiere bringen nicht nur sicheres Geld, sie geben auch nicht viel zu tun. Nun bitte kein empörtes Geschrei, liebe Schafhalter, denn der eindrücklichste Beweis dieser Tatsache ist, dass Ihr Eure (meine) Tiere tage-, manchmal auch wochenlang unbeaufsichtigt grasen lässt. In seltenen, dafür aber medienwirksamen Fällen so lange, bis sie der Wolf frisst.

Und das ist dann eigentlich ein Glücksfall (Schafe sind hier anderer Meinung), denn nun entschädigt der Bund den betroffenen Halter mit bis zu 2000 Franken - mehr, als er für das Tier samt Wolle sonst wo jemals bekommen würde.

Nun eine kurze und gewiss auch etwas vereinfachte Zusammenfassung der Fakten: Frisst ein Wolf eines der von meinen Steuern längst bezahlten Schafe, bekommt der betroffene Schafhalter von mir nochmals Geld. Aus meiner Sicht ist die Sache somit erledigt - und weil ich für mehr Natur und somit auch für mehr Raubtiere bin, erlaube ich hiermit dem Wolf ausdrücklich, auch weiterhin ab und zu eines meiner Schafe zu reissen. Ich habe Geld schon blöder ausgegeben. Und sollten unter den Wolfsrissen auch noch einige Kühe mit dabei sein, so bitte ich nicht zu vergessen, dass ich diese auch schon längst bezahlt habe, und dass wir in der Schweiz sowieso zu viele Milchkühe haben.

Fotos: peupleloup / flickr / cc, Tambako the Jaguar / flickr / cc, glasseyes view / flickr / cc

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Was mich so alles nervt

Markus Kellenberger | Donnerstag, 24.06.2010

Früher war ich viel toleranter. Doch das Alter hat seine Spuren hinterlassen, man könnte es auch Lebenserfahrung, "alles schon erlebt" oder konstruktiv positiv ausgedrückt "man lernt dazu" nennen. Panflöten spielende Heimweh-Inkas am Loeb-Egge in Bern liessen mich jeweils die geistigen Schwingen ausbreiten wie ein Kondor. Heute mache ich einen grossen Bogen um solche Klänge.

DRS 3 war lange Dauer-Standard-Berieselung in meinem Junggesellen-Haushalt. Heute, als Partner und Vater, bevorzuge ich selektives Einschalten von DRS 1 oder (ehrlich!) auch mal DRS 2. Das nur ein paar kleine Beispiele dafür, wie sehr ich mich verändert habe.

Meine beiden Wunderknaben kommen jetzt langsam in dieses Alter, in dem ich einmal war. Ich stelle das anhand der sich verändernden Musikauswahl fest, die in ihren Zimmern gespielt wird - und natürlich an der langsam zunehmenden Lautstärke. Nix mehr Ohrwürmer und "Chömed Chinder, mir wänd singe", sondern beispielsweise "Bushido" oder so ähnlich. Meine Eltern bezeichneten meine Musikauswahl als "Negermusik". Weil das heute politisch unkorrekt ist, bezeichne ich die Musikauswahl meiner Söhne als "Saulärm". Bald werden stadtbernische Tierschutzorganisationen wohl auch hier eine schweinisch korrekte Ausdrucksweise verlangen.

Aber zurück zum Thema. Früher war ich eindeutig toleranter, heute nerven mich viele alltägliche Dinge. Die Inkaflötisten habe ich bereits erwähnt, DRS 3 ("Sali mitenand, hoi Du, Du, Du, Du und jetzt no nes Quizzli…") auch, drum hier meine persönlichen und aktuellen "Das-nervt-mich-Top-Ten":

1. Hündeler auf dem Vita-Parcours (egal ob mit oder ohne Leine)

2. Alle anderen Autofahrer

3. Unser ganzes Parlament inklusive Bundesrat (zurück in den Kindergarten mit ihnen)

4. Nachbars Katze, die ständig in meine Beete sch…

5. Schiedsrichter aus Saudiarabien

6. Falsch in die Abwaschmaschine eingeräumtes Geschirr

7. Selecta-Kaffe-Automaten

8. Leute, die sich ohne "isch do no frei" in mein Abteil flätzen

9. Biker auf dem Wanderweg

10. Treibhaustomaten aus Spanien

Das ist meine aktuelle Hitparade. Wie sieht die Ihre aus?

Foto: Hamed Saber / flickr / cc, Furryscaly / flickr / cc


Mein liebstes Bundesamt

Andres Jordi | Freitag, 16.10.2009

Jetzt weiss ich endlich, mit welch lebenswichtigen Dingen sich das Bundesamt für Veterinärwesen so beschäftigt. Denn eben meldet der Mediendienst des Bundes, dass vom BVET die Hundebissstatistik 2008 erschienen sei. Deren bemerkenswerte Erkenntnis: «Die Meldungen über Vorfälle mit Hunden sind konstant.» Exakt 2567 Hundebisse beim Menschen seien gemeldet worden, 2007 seien es 2678 Fälle gewesen.

Auf 14 Seiten werden in beeindruckenden Kuchen- und Balkendiagrammen des weiteren alle möglichen hochinteressanten Zusammenhänge zwischen beissenden Hunden und gebissenen Menschen oder Tieren aufgezeigt: Besitzverhältnisse, Orte der Vorfälle, Altersverteilung der Opfer, Bissmeldungen nach Altersklassen der Bissopfer aufgeschlüsselt (Kinder werden häufiger und über 70-Jährige weniger häufig gebissen, beides statistisch signifikant), die Grösse der beissenden Hunde bei Vorfällen mit Kindern, die betroffenen Körperstellen usw. Alles hoch spannend.

Die bissfreudigsten Hunde sind American Pitbull Terrier und Schweizer Sennenhunde, die friedliebendsten Hunde nicht etwa Golden Retriever oder Labrador, sondern Cane Corso. Auch wenn diese nicht so aussehen mögen, sie haben 2008 keinem Menschen etwas zuleide getan. Sie schnappen lieber nach Tierischem.

Wer sich ebenfalls für die wirklich essenziellen Dinge unseres gesellschaftlichen Zusammenseins interessiert, sollte sich die mit wissenschaftlicher Akribie und viel Liebe zum Detail erstellte Analyse hier sofort herunterladen, ausdrucken und aufs Genauste studieren. Es ist überaus lohnenswert.

Das BVET wartet übrigens noch mit einem anderen unverzichtbaren Dienst an Bürgerinnen und Bürgern auf. Sie betreibt seit August ein Wellensittich-Forum. So viel Volksnähe und direkten Nutzen für Land und Steuerzahler lobe ich mir.

Fotos: jclutter/flickr/cc, danielle blue/flickr/cc

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Kranke Kassen und lahme Bundesräte

Markus Kellenberger | Donnerstag, 24.09.2009

Wir haben einen neuen Bundesrat. Didier Burkhalter heisst er, sieht dynamisch aus und übernimmt von Monsieur Couchepin das Innenministerium und somit das Gesundheitswesen-Schlamassel. Der Neue hat in diversen Interviews auch schon angedeutet, er wolle in diesem Bereich – wir sprechen hier von der ungebremsten Kostenexplosion – Massnahmen ergreifen. Hahaha!
Sein Vorgänger hat das behauptet, der Vorgänger des Vorgängers ebenfalls und davor viele andere auch schon. Gescheitert sind sie alle an zwei massiven Hindernissen:
1. Der Angst der Bevölkerung vor dem Tod.
2. Der Pharma-, Ärzte- und Krankenkassen-Lobby im National- und Ständerat.

Zu Punkt Eins: Das Leben endet in jedem Fall tödlich  auch wenn uns die Vertreter der Spitzenmedizin zwischen den Werbezeilen das Gegenteil einzubläuen versuchen – die Gratisimpfung gegen die Schweinegrippe ist nur ein Teil dieser erfolgreichen Kampagne.

Zu Punkt Zwei: Geld verdient man im Gesundheitswesen grundsätzlich mit Kranken. Gesunde machen keinen Apotheker, keinen Arzt, keine Pharmafirma und keinen Spitalverwalter froh, auch wenn diese ständig das Gegenteil behaupten. Das trifft übrigens auch auf die meisten Vertreter aus dem Bereich Naturheilkunde zu. Stellen Dir vor, Du wärst Kräuterdoktor oder Homöopath – und niemand geht hin. Schöner Mist!

Was also tun? Die ständigen Prämienerhöhungen schlucken (und am Ende vielleicht doch ein klitzekleines Bisschen unsterblich werden – man weiss ja nie…) oder doch ernsthaft den Aufstand wagen? Im Ernst und ohne Rücksicht auf irgendwelche Arbeitsplätze: Eine ernsthafte Revision des Gesundheitswesens ist erst möglich, wenn die Hälfte aller Spitäler geschlossen wird, das Absaugen vorsätzlich angefressenen Fettes nicht mehr von der Krankenkasse berappt wird - und wir alle endlich wieder lernen, dass wir nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt müssen, sondern in gutem Glauben an die eigene Kraft simple Krankheiten wie Erkältungen und Wintergrippen wieder ertragen (und pflegen) lernen. Niemand ist unersetzlich – schon gar nicht am Arbeitsplatz.

Und: Ob man mit der Unterstützung durch viele Ärzte und teure Medikamente am Ende gesünder stirbt, ist nicht bewiesen.

Foto: eelsmann / flickr / cc


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