Sehr geehrter Herr Grübel
Gerne bewerbe ich mich um die freigewordene Stelle eines Investment-Bankers in London. Nicht dass ich dazu besonders qualifiziert wäre, aber eine solche scheint es ja auch nicht zu brauchen. Im Gegenteil! Und genau das bringe ich auch mit. Gut möglich, dass es mir auch etwas an krimineller Energie mangelt, die für den skrupellosen Handel mit dem Grossen Geld durchaus von Vorteil sein kann, doch das mache ich mit einer gewissen Blauäugigkeit bestimmt mehr als nur wett.
Schon immer war mir Ihre Bank ein Vorbild darin, wie nonchalant man Gewinne in den eigenen Sack wirtschaften und allfällige Verluste dem gemeinen Steuerzahler und kleinen Bankkunden aufbürden kann. Dieses ausgeklügelte System von bewundernswerter Schamlosigkeit fasziniert mich, ebenso die damit verbundenen Möglichkeiten, im Interesse des eigenen Bonus abertausende von Menschen ihrer Arbeit berauben und ganze Länder in Hungersnöte stürzen zu dürfen.
Sie sehen, Herr Grübel, mit dem allgemeinen Investment-Geschäft bin ich bestens vertraut. Und um meiner Bewerbung noch einen Pluspunkt aufsetzen zu können: Zahlen Sie mir monatlich einfach bescheidene 10‘000 Franken auf mein Konto – und ich tue weiterhin rein gar nichts, was Ihrer werten Institution einen Reputationsschaden oder einen Milliardenverlust zufügen könnte. Einen besseren und gemessen an den bei Ihnen normalerweise gängigen Gehältern derart günstigeren Mitarbeiter können Sie sich eigentlich nicht wünschen.
Es würde mich sehr freuen, Sie vor der Vertragsunterzeichnung schnell noch persönlich kennen lernen zu dürfen – das schafft bestimmt das nötige gegenseitige Vertrauen.
Freundliche Grüsse
Markus Kellenberger
Steuerzahler und Bankenretter
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