Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Bären

Böse Grossraubtiere

Markus Kellenberger | Dienstag, 13.05.2008

Wussten Sie, dass es hier bei uns einen «Verein zur Verteidigung gegen Grossraubtiere» gibt? Lachen Sie nicht ­– es gibt schliesslich auch andere Vereine wie die Vereinigung der Besitzer von Stumpengeleisen, das Stahlpanzerrohr-Syndikat, den Schweizerischen Verband für Feuerbestattung, die Vereinigung Schweizerischer Bahnhofwirte und den Schweizerischen Verband der Seidenbeuteltuchwebereien. Die Liste ist nach oben und unten offen.

Zurück aber zum VVGG, dem Verteidigungsverein. Der hat eines hier zu Lande eklatanten Mangels an Löwen, Tiger und Pumas gezielt Wölfe und Bären im Visier. Die sind es nämlich, die uns nach dem Leben trachten. Eindrücklich schilderte der Präsident des Vereins in einem Leserbrief in der NZZ, wie sadistisch Bären ihren Opfern erst so sachte den Schädel einschlagen, dass sie am Leben bleiben, sie danach derart kräftig umarmen, dass ihnen der Brustkorb eingedrückt und die splitternden Rippen in die Lungen getrieben werden, nur um sie anschliessend unter Missachtung ihrer entsetzlichen Schreie bei lebendigem Leib zu fressen. Leider fehlte an dieser Stelle eine plausible Erklärung dafür, wie es Bärenopfer trotz durchlöcherter Lunge und eingedrücktem Hirn schaffen, die entsetzten Laute auszustossen – mehr als ein Todesseufzer dürfte im Ernstfall nämlich nicht mehr drin liegen.

Aber wir wollen hier nicht auf solchen Details herumreiten, denn der VVGG-Chef hat seinen Leserbrief ja nicht aus Lust an Details geschrieben, sondern aus grosser Sorge über die vielen Wanderer, die in Zukunft in unseren Bergen so grausam ums Leben kommen werden, lebendig gefressen von blutrünstigen Isegrimmen und perversen Petzen.

Nun, vielleicht sollte der besorgte Schreiber mit seinen Clubmitgliedern in nächster Zeit einmal einen Vereins-ausflug in eine Pouletfabrik machen, wo täglich Tausende von Hühnern und Güggeli maschinell am Bein gepackt, in die Höhe gezerrt, an ein Fliessband gebunden, von Robotermessern und -händen geköpft und gerupft, von säbelnden Zangen aufgebrochen und ausgeweidet und am Ende von sterilisierten Maschinengreifern hygienisch verpackt werden, das Kilo für ein paar lausige Franken.

Zum Abrunden der Veranstaltung könnte der Verein gegen Grossraubtiere dann noch eine Stippvisite in einem Grossschlachthof für Grossnutztiere machen. Und vielleicht fragt sich dann der eine oder andere im Anschluss an den erlebnisrei-chen Vereinsausflug ganz still und leise: «Wer muss sich hier eigentlich gegen wen verteidigen?»

Bilder: © Templermeister, Viktor Schwabenland / PIXELIO

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