Es ist mir völlig klar, das nachfolgend geschilderte Problem ist ein so genanntes Luxusproblem, vielleicht sogar eine Art von Wohlstandsverwahrlosung, aber: Wo bekomme ich in der Schweiz noch ein einfaches, gutes, feines, chüschtiges, reelles, simples, mehrere Tage lang haltbares und immer noch schmackhaftes Ruchbrot?
Wenn ich in Bäckereien – von den Grossverteilern will ich gar nicht erst reden – stehe, dann erschlägt mich das Angebot schier. Brot des Monats, Brot der Woche, Spezialbrot, Regionalbrot, Holzfällerbrot, Sonnenblumenbrot, Vollkornbrot, Sesambrot, Feierabendbrot, und, und, und. Die Namen werden nicht alle, ebenso wenig der Erfindergeist der Bäckergilde. Doch was so fantasievoll tönt, ist meist nur mehr oder weniger grob gemahlener Teig, angereichert mit der einen oder anderen als besonders gesund bezeichneten Vogelfuttermischung. Viel Marketing, wenig Geschmack!
So, spätestens jetzt werden verärgerte (vielleicht auch beleidigte) Vertreter der Bäcker-gilde mich eindringlich darauf aufmerksam machen wollen, dass es ganz hinten unten links im Regal immer ein paar Laibe Halbweisses und Ruches hat. Ja! Hat es. Aber in der Regel sind das Brotlaibe für die heute eher seltene Gattung der Grossfamilie – oder dann sind es Halbpfünderli, die am nächsten Tag bereits so trocken sind, dass es selbst mit viel Konfitüre staubt.
Nun, mit meiner Sehnsucht nach einem ehrlichen und etwas länger als 24 Stunden haltbaren Brot stehe ich nicht allein. Eine kleine Umfrage unter Freunden und Kollegen zeigt ähnliche Symptome. Also, liebe Bäckerinnen und Bäcker: Wer von Euch kann uns diesen Herzenswunsch erfüllen.
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