In der Schweiz leidet jedes fünfte Kind an Bewegungsmangel und neigt zu Übergewicht - bei den anderen wird gegen übermässiges Herumhüpfen und Lärmen erfolgreich Ritalin eingesetzt. Ein Teil der erwachsenen Frauen und Männer in diesem Land joggt sich an Marathonläufen krank - der weitaus grössere Teil pflegt den Cholesterinspiegel vor dem Fernseher.
Allen oben genannten Personen gemeinsam ist: Sie sorgen sich um die Umwelt, ums Klima, um die Ökobilanz. Nun endlich kann auf einen Schlag allen zusammen geholfen werden. Dank Manor! Das mir ansonsten nicht unsympathische Kaufhaus bietet ab sofort einen Elektro-Scooter an. Exklusiv und erst noch zum Einführungspreis. Das Gerät hat zwei kleine Räder (eins vorne, eins hinten), dazwischen die klassische Plattform für die Füsse und eine hohe (verstellbare) Lenkstange mit ergonomisch geformten Griffen. Es ist, kurz gefasst, ein Trottinet!
Was es von einem gewöhnlichen Trotti unterscheidet: Es hat einen Elektroantrieb, einen aufladbaren Akku mit einer Reichweite von 15 Kilometer, und das bei einer Geschwindigkeit von 18 km/h. Da pfeift einem der Wind durchs Haar. Originaltext der Werbung: "Klein, praktisch und (Achtung, jetzt kommts….!!!!) erst noch ökologisch."
Ein Ding, das bisher mit reiner Muskelkraft (gesund) betrieben wurde, braucht nun plötzlich Strom (Atom, Atom) aus der Dose? Und das nennt sich dann ökologisch? Irgendwie süss. Und irgendwie ein wunderbares Beispiel dafür, was grüne Produktmanager und viele ebenso grüne Konsumenten unter Umwelt- und Klimaschutz verstehen. Bei einer wachsenden Zahl von Produkten, die heute auf den Markt kommen, ist das leider ähnlich, das Absurde aber oft weniger schnell ersichtlich als beim Tretroller mit Elektroantrieb.
Was ich noch vergass: Den Elektro-Scooter, der sich ohne Muskelkraft bewegen lässt, gibt es in der Sportabteilung. Alles klar?