Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): ÖV

Worum sich die Welt wirklich dreht

Markus Kellenberger | Mittwoch, 29.06.2011

Ein Blog muss her. Ein Thema. Welches? Die Welt ist voller Themen. IWF, Fukushima, Schächtverbot, Korruption in Afghanistan, Frankenhoch, steigende KK-Prämien, Klimaveränderung, Weltbevölkerung, China, Menschenrechte, Palästina, Papierfabrik Biberist, Weltwirtschaft, Griechenland, Umweltzerstörung, Novartis, neue Krebstherapien, Maul- und Klauenseuche, Blitz und Donner, Dominique Strauss-Kahn, Männergewalt, Frauenintrigen, Zersiedelung, Ausländeranteil, EU, Libyen, Hunger, Übergewicht, Energieverbrauch…

…aber was mich wirklich beschäftigt, ist dies: in der Nacht verirrte sich ein Juni-Käfer in mein Schlafzimmer. Ich erschrak wahnsinnig ob seinem Gebrumm, das im dunklen Raum aber rasch verstummte – und schlief wieder ein.

Heute Morgen fand ich ihn. Auf dem Nachttischlein lag er. Tot. Was für ein Leben ist das wohl als Käfer in dieser Welt?

Fotos: Bluedharma / flickr / cc, mordorian / flickr / cc

 

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Seid wachsam, sonst kommt sie, die Schweizer Scharia

Markus Kellenberger | Mittwoch, 25.08.2010

Nun gibt es also doch keine Unterschriftensammlung für die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Schweiz. Die Initianten sind zur Besinnung gekommen und haben ihr Begehren zurückgezogen. Ich bin sicher: Nicht wenige meiner lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger, die mir täglich vor dem Haus, auf der Strasse, auf dem Märit und am Arbeitsplatz begegnen, bedauern das. Offen dazu stehen wird kaum einer – und das macht mir mehr Angst als die Initiative selber.

Warum das? Weil es hier um eine Befindlichkeit geht, die sich in unserem Land schleichend breit gemacht hat. Jahrelange gezielte Propaganda und ebensolche Provokation volksnaher Parteien hat braunes Gedankengut soweit in unseren Alltag integriert, dass wir es oft nicht mehr als solches erkennen – oder dann biegen wir uns die Wahrheit zurecht. Fremdenfeindlichkeit ist ein gutes Beispiel dafür. Bekannte von mir, bekennende „Linke und Nette“, um es überspitzt zu sagen, haben ihre Kinder in die Steinerschule geschickt. Weil dort mehr auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen wird, so ihre offizielle Erklärung. Nach drei Gläsern Wein im kleinen vertrauten Kreis kommt dann aber die Wahrheit ans Licht. „Es hat dort auch viel weniger Ausländer, also nicht, dass wir etwas gegen sie hätten, aber unser Bub ist halt sensibel, und das mit der Gewalt auf dem Pausenplatz ist nun wirklich ein Problem, und die Integration ist nicht einfach, und blablabla.“ Verstehen Sie, was ich meine?

Mit der Todesstrafe verhält es sich ähnlich. Heute noch lautstark abgelehnt. Morgen schon leises Verständnis dafür. Und Übermorgen?

Foto: Evaldas / flickr / cc


Platzhirsche

Andres Jordi | Mittwoch, 03.02.2010

Der Kluge reist im Zuge, heisst es so schön. Ich muss gestehen, dass diese Losung meinem Ego ein bisschen schmeichelt und mich mitunter zu einem überzeugten Zugfahrer macht. Doch was einem Automobilisten all die Trottel, die nicht Auto fahren können – mir wurde letzthin zugetragen, dass es sich dabei überdurchschnittlich oft um Mobility-Fahrer handeln soll, was ich aber nicht bestätigen kann – oder jene, die meinen, dass sie ausserhalb der Verkehrsregeln agierten könnten, sind mir die Platzhirsche im Zug.

Es gibt zwei Sorten davon. Dazu je ein repräsentatives Fallbeispiel aus der Praxis. Nummer eins: Ich fragte den älteren Mann, der mit seiner ausladenden Sitzhaltung ein Viererabteil alleine ausfüllte, höflich, ob hier noch frei sei. Er knurrte, was ich als Ja interpretierte. Wenn ich nun erwartet hatte, dass der freundliche Mitmensch ein bisschen zur Seite rücken würde, hatte ich mich getäuscht. Er blieb exakt so sitzen, wie er war, und ich musste mich irgendwie zwischen seine Beine auf den Sitz vis-à-vis zwängen und in äusserst ungemütlicher Position ausharren. Es nützten alle bösen Blicke nichts.

Nummer zwei: Ich sass wohl erzogen auf meinem Platz und freute mich über ein bisschen Ellbogen- und Beinfreiheit. Da pflatschte sich so eine überdimensionierte Bulldogge wie ein Meteorit aus heiterem Himmel und ohne zu fragen neben mich, drückte mich gegen die Scheibe und nahm Siebenachtel der Sitzbank für sich in Anspruch. Anfänglicher Gegendruck und Geräusper meinerseits führten natürlich zu keiner Verbesserung der beklemmenden Situation, so dass ich mich mit der illusorischen Hoffnung, wenigstens ein bisschen Individualdistanz wieder herzustellen, weiter verdünnisierte.

Was kann man da machen? Ich weiss, es wäre Zivilcourage gefragt, da arbeite ich dran. Hilft vielleicht das aktuelle Kursbuch unseres obersten Zugführers weiter? Immerhin hat Herr Leuenberger Erfahrung mit Zugfahren und ich nehme an, die Platzhirsche gibt es auch in der ersten Klasse – allerdings auch mehr Platz. Einstweilen sage ich mir: Der Tolle ist der Rücksichtsvolle.

Fotos: marfis75 / flickr / cc, Kecko / flickr / cc

 

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Ein Wort und seine Wirkung

Andres Jordi | Dienstag, 28.07.2009

Heute Morgen wähnte ich mich im falschen Film respektive im falschen Zug. Dabei wollte ich doch bloss redlich und pflichtbewusst meiner Arbeit nachgehen, bin dafür sogar früher aufgestanden. Und dann so etwas. Als wäre ich im Altersheim, auf einem begleiteten Seniorenausflug. Ich mag ja nicht mehr jung und schön sein, aber zum todgeweihten Tattergreis lasse ich mich deswegen noch lange nicht machen.

Ich sass also im Zug, guten Mutes, heiterer Stimmung und mit Zuversicht, als diese Person (eine Frau, aber das macht nichts besser) ins Abteil kam und die Billette verlangte. Schon als sie einige Stationen vor meinem Sitzplatz war, kramte ich mein GA hervor, damit ich es ihr pünktlich vorweisen konnte und sie ohne unnötige Zeitverzögerung die weiteren Fahrgäste kontrollieren konnte.

Als die Frau dann vor mir stand und ich ihr meine Legitimation zur Benützung dieses Zuges schon bezeugt hatte, viel mein Blick auf ihre Brust (nicht auf ihren Busen, wie ich betonen möchte, sondern auf ihre Brust), genauer auf ihr Namensschild. Und was las ich da: Reisezugbegleiterin.

Mir wurde schwindlig ab dem Wort. Reisezugbegleiterin. Was um Himmelswillen ist das? Wo war ich? Mir kam Dignitas und dergleichen in den Sinn und ich wollte noch nicht sterben. Ich kriegte das Wort nicht zu fassen.

Die Frau waltete schon längst weiter ihres Amtes, als sich mein Delirium langsam lichtete. Ich schien im richtigen Zug zu sitzen, auf dem Weg zur Arbeit, halbwegs lebendig. Ich war weder in einem Reisezug noch auf der Fahrt ins Jenseits. Warum, Herrgott noch mal, können die SBB ihr Personal nicht normal anschreiben? Wie früher. Fräulein D' Alessio, Kondüktörin. Damit könnte ich umgehen, das könnte ich einordnen. Aber Reisezugbegleiterin, so etwas verstört mich.

Bild:  nate steiner/flickr/cc

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Oh Wonne, so ganz ohne TV und Gras

Markus Kellenberger | Freitag, 06.02.2009

Jetzt ist es drei Wochen her, seit ich den Fernseher ausgestöpselt und im Keller zwischengelagert habe, und wir haben bis heute ohne Care Team und Survival Set überlebt. Einige Male noch hat meine Geliebte gemeint, sie würde sich gern vor dem Kasten niederlassen, auch die Kinder haben noch zwei, drei Mal mit Blick auf die Uhr erwähnt, dass genau jetzt die Simpsons laufen würden - aber sonst ist überhaupt nichts passiert. 

Ja. Rein nichts! Die Welt dreht sich noch. Die relevanten News entnehme ich den Zeitungen, die ich etwas intensiver als sonst lese, weil ich nicht schon (fast) alles in der Tagesschau gesehen habe. Und die Kinder? Die lesen tatsächlich Bücher. Für alle TV-Freaks unter Euch: Das sind diese dicken Dinger aus bedrucktem Papier mit vielen, vielen Seiten.

Seit die Glotze weg ist, habe ich zudem meine alte Plattensammlung wieder entdeckt. Sie umfasst über 500 LP's (das sind Langspielplatten mit 33 Touren, meine Lieben) oder anders ausgedrückt: Meinen gesamten Stiftenlohn!

Hey, was findet sich dort unter der dicken Staubschicht nicht alles. In diesen Tagen geniesse ich die fast komplette Donovan-Sammlung, von der Sie hier einige Kostproben hören können. Nimmt mich wunder, wie er Ihnen gefällt. Abend für Abend setze ich mich hin, lege eine Platte auf und ziehe sie mir rein. Immer nur eine. Meine Geliebte legt sich dann aufs Sofa und staunt, was ich früher so alles gehört habe - und was es früher doch für wunderbare Musik gab. Und auch meine Söhne, ansonsten eher der Green Day-Fraktion angehörend, lauschen gerne mit. Der spinnt halt ein bisschen, der Alte, besonders wenn er dann noch aufsteht, zuckt und tanzt und (grässlich) singt.

Wenn Donovan durch ist – "Jennifer, Juniper", "Season of the Witch" und "The Sun" sind die Familienlieblinge –, kommt Cat Stevens dran, danach vielleicht die Moody Blues und dann sehen wir weiter.

Donovans Hippie- Sound fährt ein. Mittlerweile auch ohne Gras!
Wir bleiben weiterhin ohne TV!

Donovan on tour: www.topact.ch

 

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