Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Ökologie

Der grosse Öko-Irrtum

Markus Kellenberger | Freitag, 30.04.2010

Mode ist es mittlerweile, alles unter dem Aspekt der Ökologie, der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes zu betrachten. Wehe dem, der sich dieser Welle der kollektiven Einsicht widersetzt, der zu Sparlampen und Elektroautos kritische Fragen stellt und die allgemeinen Wehe-Wehe-Warnungen von WWF und Grünen nicht in der gleichen Tonlage mitsingt.

Ich bin mittlerweile einer von diesen unangenehmen Mitmenschen. Erst kürzlich sassen meine Geliebte und ich vor der Glotze, liessen einen Werbeblock über uns ergehen und stellten allgemein fest: Alles ist Grün. Alles ist Öko. Alles ist Bio. Alles ist ein verdammtes Geschäft geworden – und mehr nicht. Lassen Sie mich dazu plakativ ein paar provokative Thesen aufstellen:

1. Die Sparlampenlüge

Mittlerweile brennen in allen Haushalten Sparlampen. Laut Statistik sind heute in jedem Haus weit über 50 Prozent der alten Glühbirnen durch teure Sparleuchten ersetzt.

- Effekt 1: Der Stromverbrauch pro Haushalt ist deswegen nicht etwa gesunken, sondern steigt weiter an.

- Effekt 2: Sparlampen enthalten Quecksilber, sie sind deshalb Sondermüll, sie müssen teuer entsorgt werden.

- Effekt 3: Sparlampen halten grundsätzlich nicht so viel länger, wie auf der Packung und in der Werbung versprochen.

- Die Profiteure der ganzen Übung: Osram und Philips, die statt der billigen und einfachen Glühbirnen nun teure Sparlampen verkaufen können und ihre Gewinne dadurch deutlich gesteigert haben. Und noch ein lustiger Nebeneffekt. Viele ihrer vormaligen kleinen Konkurrenten konnten mit der neuen Technik nicht mithalten. Sie sind praktisch vom Markt verschwunden.

2. Die Ökostromlüge

Windparks hier, Windparks dort. Länder wie Deutschland und die USA bauen dank topografischer Toplage (am Meer) ihre Windparks massiv aus. In der Schweiz werden Wind- und Solarenergie hoch subventioniert und schaffen es dennoch nicht, auch nur den jährlichen Mehrverbrauch an Strom zu decken. Auch in zehn Jahren nicht, wir haben im "natürlich leben" (Stromartikel Heft 1-10) darüber berichtet. Trotzdem glaubt eine breite Bevölkerungsschicht, man könne in der Schweiz Atomstrom dereinst mit Alternativenergie ersetzen – und sieht deshalb keinen Grund für wirkliche Sparmassnahmen. Im Gegenteil, viele Konsumenten glauben der ständig auf sie einprasselnden Werbesprüchen.

- Effekt 1: Konsumentinnen und Konsumenten kaufen wie wild Haushaltgeräte der Energieeffizienzklasse A – das beruhigt das Gewissen, deshalb dürfen es pro Haushalt ruhig ein paar Geräte mehr sein, und wenn's geht auch gleich noch die grössere Ausführung.

- Effekt 2: Alle neuen Geräte sind insgesamt zwar sparsamer als die alten, da es aber immer mehr davon gibt, steigt der Stromverbrauch trotzdem weiter an.

- Die Profiteure: Die Industrie, die mit Volldampf (und mehr benötigtem Strom) neue Geräte herstellen kann, die Verteiler, die ebenfalls mitverdienen, und die Recyclingfirmen, die massenweise noch intakte ältere Geräte verschrotten darf. Und nicht zuletzt die Stromanbieter, die ihren Bezügern (Appell ans schlechte Gewissen) Ökostrom zu höheren Tarifen (Profit, Profit) verkauft.

3. Die Elektofahrzeuglüge

Wir sind uns einig, unser Verkehrsverhalten ist eine klimatechnische Katastrophe, das leckt keine Geiss weg. Aber: Die alten Fahrzeuge nun einfach mit solchen ersetzen, die statt Benzin und Diesel Strom brauchen, löst das Problem nicht. Elektrovelos auch nicht! Sie mögen zwar im Trend sein und deren Käufer signalisieren gegen aussen ein imageförderndes Umweltbewusstsein. Aber: Ist es wirklich umweltfreundlich, wenn etwas, das bisher effizient und umweltschonend mit Muskelkraft betrieben wurde, plötzlich Strom frisst?

Das Zürcher Kantonsparlament wird im Sommer darüber abstimmen, ob die Käufer von Elektoautos einige Jahre lang von der Fahrzeugsteuer befreit werden sollen. Kaufanreiz nennt man das.

Doch folgende Fragen hat das Parlament noch nicht beantwortet:

1. Angenommen, der Anteil an Elektroautos wächst tatsächlich wie gewünscht- woher nimmt der Kanton den dazu nötigen Strom?

2. Wohin stellt der Kanton Zürich die vielen Windkraft- und Solaranlagen, um diesen Mehrbedarf zu decken?

3. Wo könnte man im Kanton Zürich ein AKW hinstellen?

4. Selbst wenn die EWZ (die Zürcher Energiefabrikanten) Ökostrom anbieten - woher beziehen sie ihn genau, und wie lange wird dieser Bedarf bei steigendem Stromverbrauch auch wirklich gedeckt werden können?

5. Wie entsorgt der Kanton die für Elektroautos benötigten und in ihrer Lebensdauer begrenzten grossen Batterien umweltgerecht?

6. Und jetzt noch die vielleicht unbequemste Frage: Wohin, glaubt der Kanton Zürich, verschwinden all die Benzinautos, die gegen Elektroautos eingetauscht werden? Ins Nirvana – oder doch eher in den Occasions- und Exporthandel, wo sie noch lange fröhlich Abgase ausstossen werden (aber halt nicht mehr in Zürich)?

Ich hätte noch einige Fragen auf Lager, aber lasse es mal bei diesen drei bewenden. Ihre Meinung interessiert mich. Wie sehen sie das? Welche kritischen Fragen beschäftigen Sie – oder welche Lösungsansätze schlagen Sie vor.

Fotos: Micky.! / flickr / cc, Scott Ableman / flickr / cc, plugimi / flickr / cc


Neuheiten aus Absurdistan

Markus Kellenberger | Donnerstag, 08.04.2010

In der Schweiz leidet jedes fünfte Kind an Bewegungsmangel und neigt zu Übergewicht - bei den anderen wird gegen übermässiges Herumhüpfen und Lärmen erfolgreich Ritalin eingesetzt. Ein Teil der erwachsenen Frauen und Männer in diesem Land joggt sich an Marathonläufen krank - der weitaus grössere Teil pflegt den Cholesterinspiegel vor dem Fernseher.

Allen oben genannten Personen gemeinsam ist: Sie sorgen sich um die Umwelt, ums Klima, um die Ökobilanz. Nun endlich kann auf einen Schlag allen zusammen geholfen werden. Dank Manor! Das mir ansonsten nicht unsympathische Kaufhaus bietet ab sofort einen Elektro-Scooter an. Exklusiv und erst noch zum Einführungspreis. Das Gerät hat zwei kleine Räder (eins vorne, eins hinten), dazwischen die klassische Plattform für die Füsse und eine hohe (verstellbare) Lenkstange mit ergonomisch geformten Griffen. Es ist, kurz gefasst, ein Trottinet!

Was es von einem gewöhnlichen Trotti unterscheidet: Es hat einen Elektroantrieb, einen aufladbaren Akku mit einer Reichweite von 15 Kilometer, und das bei einer Geschwindigkeit von 18 km/h. Da pfeift einem der Wind durchs Haar. Originaltext der Werbung: "Klein, praktisch und (Achtung, jetzt kommts….!!!!) erst noch ökologisch."

Ein Ding, das bisher mit reiner Muskelkraft (gesund) betrieben wurde, braucht nun plötzlich Strom (Atom, Atom) aus der Dose? Und das nennt sich dann ökologisch? Irgendwie süss. Und irgendwie ein wunderbares Beispiel dafür, was grüne Produktmanager und viele ebenso grüne Konsumenten unter Umwelt- und Klimaschutz verstehen. Bei einer wachsenden Zahl von Produkten, die heute auf den Markt kommen, ist das leider ähnlich, das Absurde aber oft weniger schnell ersichtlich als beim Tretroller mit Elektroantrieb.

Was ich noch vergass: Den Elektro-Scooter, der sich ohne Muskelkraft bewegen lässt, gibt es in der Sportabteilung. Alles klar?

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): AbsurdistanÖkologieElektroantriebManorScooter

Ein Date mit der Erde

Andres Jordi | Dienstag, 02.06.2009

Am 5. Juni war Weltumwelttag. Passend dazu findet europaweit ein spezielles Filmereignis statt: Home – eine bildgewaltige Hommage an unseren Heimatplaneten. Der besondere Film von Regisseur und Fotograf Yann Arthus-Bertrand (Die Erde von oben) und Produzent Luc Besson wird in 50 Ländern meist kostenlos gezeigt. Die Uraufführung findet gleichzeitig in Kino, Fernsehen und auf Youtube statt.

Der Film zeigt in spektakulären Luftbildern die Einzigartigkeit des blauen Planeten und dessen ökologische Problemzonen. Gleichzeitig soll er vermitteln, dass es Lösungen für diese gibt, so die Filmemacher.

Auch Kinofreunde in der Schweiz haben die Möglichkeit auf ein eindrückliches Filmschauspiel. Auf der Homepage von Filme für die Erde finden sich alle Schweizer Vorführorte. Hier lässt sich auch ein Trailer des Filmes anschauen.

4 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ÖkologieFilmUmweltschutz

Das 1,3 Liter-Wunder und für wie doof hält mich die Autoindustrie!

Markus Kellenberger | Freitag, 21.11.2008

Bevor ich mich ärgere, erst mal ein bitteres Geständnis. Mein ökologischer Fussabdruck ist ein wenig grösser als der meines Kollegen Jordi. Aber, tröste ich mich, ich bin auch ein bisschen älter und schwerer. Als Kompensation für unseren industrialisiert überdimensionierten ökologischen Fussabdruck schlage ich, quasi in Anlehnung an den so beliebten Emissionshandel vor, dass die Menschen in der 3. Welt Schuhe ab sofort und generell eine Nummer kleiner kaufen.

Zwei schlagende Argumente sprechen für diese klimafreundliche Lösung:
1. Wir können weiter machen wie bisher, und
2. die Menschen in der 3. Welt auch, denn viele von ihnen können sich sowieso keine neuen Schuhe leisten.

So! Verlassen wir das Kapitel Zynismus und kommen wir zur nackten Ironie. Audi wirbt für seinen Monsterwagen Q7 neuerdings mit dem Loha-Argument, er brauche nur 1,3 Liter Treibstoff pro Sitzplatz. Wow! So wenig?

Audi geht bei dieser Werbung grundsätzlich davon aus, dass potenzielle Kunden nicht rechnen können. Der Q7 hat - darum heisst er wohl so - sieben Sitzplätze, und das bedeutet: Die Karre säuft stolze 9,1 Liter. Das aber nur, wenn man das Gaspedal kaum berührt und die schwächste Motorisierung wählt. Aber gerade letzteres ist nicht des Schweizers Ding, denn in der Regel gönnt man sich ja ein bisschen mehr statt weniger, wie Autoverkäufer nur zu gut wissen.

Und: Haben Sie schon mal einen Q7 gesehen, in dem sieben Personen sassen? Ich nicht. In der Regel sitzt darin nur der Fahrer, meist mit weissem Hemd und Krawatte. Ich will aber nicht unfair sein - es soll auch schon eine Mutter vom Zürichberg gesichtet worden sein, die im Q7 ihr gepflegtes Wunsch- und Einzelkind ins Ballett und zurück chauffierte - das eigene Kind zu Fuss durch die Stadt zu schicken, ist wegen des dichten Verkehrs ja nun wirklich zu gefährlich.

An diesem Tag fuhr der Herr im weissen Hemd und Krawatte übrigens mit dem Zweitwagen, seinem vom Mund abgesparten Porsche Cayenne ins Büro. Aber deswegen - so die aktuelle Porsche-Reklame - braucht er sich nun wirklich nichts vorwerfen zu lassen. Im Gegenteil: Dass er sich für ein Auto entschieden hat, das laut Werbung "Sportwagen, Familienkutsche und Zugmaschine" in einem ist, beweist nur, wie bewusst er sich aufs nötige Minimum eingeschränkt hat. Und: Die Multifunktionalität des Wagens verzeiht auch dessen Verbrauch von Durchschnittlich 12,9 Liter (aber auch nur in der PS-lahmsten Variante, die niemand wirklich will!)

Seien wir ehrlich: Der Klimaschock - der ist heute nur noch für Realsatire gut. Oder sehen Sie das anders?

Bilder: © manwalk / PIXELIO

7 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ÖkologieAutoEmmissionshandelKlimawandelQ7SUVUmweltschutzWerbung

Meine grossen grünen Füsse

Andres Jordi | Freitag, 14.11.2008

Man kommt ja langsam ins Alter, wo es einen interessiert, was seine alten Schulkameraden und -schätze so treiben und ob sie es auch zu etwas gebracht haben. Dies ist im Zeitalter von Facebook und Konsorten auch ein bisschen Mode. Wenn Sie selber auf der Suche sind nach alten Brüder- und Liebschaften, hier oder hier könnten Sie fündig werden.

So traf ich letzthin also nach langer Zeit ohne jeglichen Kontakt – genau gesagt nach zwanzig Jahren! – eine ehemalige Jugendfreundin wieder. O.K., es war die grosse, grosse, grosse Liebe damals. Und ein bisschen gekribbelt im Bauch hat's auch beim Wiedersehen, doch das geht Sie nichts an!

Ein Grüner sei ich geworden, habe sie gehört, sagte meine Jugendliebe, ein bisschen so, als ob es sich dabei um Marsmenschen handeln würde. Und als ich ihr erzählte, jawohl, ich benützte den ÖV, hätte kein Auto und ein Handy auch erst seit einigen Monaten und dies nur, weil es mir von meinem Arbeitgeber sozusagen aufgezwungen worden sei, und wenn sie so wolle, ja, sei ich ein Grüner, da wurde ihr schönes Gesicht ganz bleich.

Ein Grüner bin ich, jawohl! Und in der heutigen Zeit sollte man damit ja ein lifestyliges In-People sein (wieder mal zur Erinnerung) und kein durchgeknallter Ausserirdischer. Zu diesen müsste man eher all die ewiggestrigen Ökosünder zählen, die noch gar nichts begriffen haben. Aber die werden nicht mal rot.

Mit diesen Gewissheiten kam mir nun eine verhängnisvolle Idee: Ich grüner Bessermensch könnte mal meinen ökologischen Fussabdruck messen. Dieser gibt an, wie viele Planeten benötigt würden, hätten alle Menschen denselben Lebensstil wie man selbst. Die Welt wäre besser, grüner, nachhaltiger, ökologischer, das war klar. Ich habe keine Riesenvilla, heize nicht auf Saunatemperaturen, lüfte vorbildlich, habe ein paar Energiesparlampen reingeschraubt, konsumiere oft regionale und saisonale Produkte, fliege nicht andauernd in der Welt herum usw. Die Liste meiner ökologischen Heldentaten liesse sich unendlich weiterführen.

Das Resultat der Fussvermessung: «Hätten alle Erdenbewohner denselben Lebensstil wie Sie, bräuchten wir 2,3 Planeten, um unseren Ressourcenverbrauch nachhaltig zu decken. Sie liegen damit im Bereich des Schweizer Durchschnitts mit 2,9 Planeten.» Nun wurde ich bleich...

Jetzt brauche ich wieder mal ein bisschen psychologische Betreuung von Ihnen, liebe Natürlich-Blogger. Sollte ich besser zur Automobil-Revue wechseln? Oder wie ein Neandertaler leben?

Was mich aber doch auch noch interessieren würde: Wie gross ist denn eigentlich Ihr ökologischer Fussabdruck? Sie können diesen hier ermitteln. Tragen Sie doch das Ergebnis in nebenstehende Umfrage ein. Ich bin gespannt!

Bilder: Nasa (PD)


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