Wenn der Krieg zu Dir nach Hause kommt

Markus Kellenberger | Freitag, 09.01.2009

Bilder des Krieges sind Bilder des Schreckens - könnte man meinen. Ich wuchs mit den Bildern des Vietnamkrieges auf. Häufig schwarzweiss, häufig zittrig und unscharf. Dieser Krieg ist längst vorbei. Viele andere sind gekommen und gegangen und mit ihnen die Bilder. Verstümmelte Leichen. Verkohlte Körper. Rennende Menschen. Blutende Menschen. Flüchtende Menschen. Menschenberge.

Und irgendwann einmal schaut man nicht mehr hin.

Mir geht es zuweilen so. Das oft auf diesem Planeten herrschende Grauen blende ich so weit wie möglich aus. Ein Blick auf die Schlagzeilen genügt. Mehr will ich nicht sehen. Und dann passiert es, dass mich die Propaganda der Krieger und Kriegstreiber einzulullen droht. Sauberer Krieg. Präziser Krieg. Chirurgischer Krieg. Krieg unter grösstmöglicher Schonung der Zivilbevölkerung. Verteidigungskrieg. Gerechtfertigter Krieg. Befreiungsaktion.

Und irgendwann einmal schaut man wieder hin. Ob man will oder nicht.

Gross im "Blick" das Foto eines toten Palästinenserkindes. Das kleine Gesicht des wohl kaum vierjährigen Menschleins so friedlich, als würde es Träumen. Auf den Lippen etwas Blut, als wäre es Konfitüre. Der Körper vom Schutt verborgen, als läge er unter einer Decke. Schlaf mein Kindlein, Schlaf. Träum Deinen Traum. Ich träume mit Dir.

Sauberer Krieg. Verteidigungskrieg. Dreckskrieg.

Weitere Infos:
www.palaestina.ch
http://friedensbewegung.zionismus.info/content.htm

 

Tags (Stichworte): GewaltIsraelJournalismusKriegMedienNahostkonfliktPalästina

Kommentare

  1. Von Stettler am Sonntag, 11.01.2009 DAs sehe ich wie Sie. Wer leidet unter den Kriegen, den Machtansprüchen der Mächtigen oder der, die es sein möchten? Immer Frauen und Kinder. Und natürlich auch die Männer. Auf jeden Fall aber jene, die auch ohne die Ränkespiele der Politiker, Fürsten und Ideologen friedlich und in Ruhe leben könnten.
    Israel hat meiner Meinung nach den Bogen längst überspannt. Von mir aus gesehen gehört Israel zu den Staaten, die mit Ihrem Verhalten am meisten dazu beitragen, dass der weltweite Terrorismus nicht aufhört.
    Ich finde, die UNO sollte das Land längst unter die Kontrolle von Blauhelmen stellen - und als erstes gleich mal die illegalen und radikalen Siedler aus ihren Häusern und Dörfern vertreiben. Mal sehen, was Israel dazu sagen würde.
  2. Von AmeiPoensgen am Sonntag, 11.01.2009 Bilder, die uns begreiflich machen, was dort eigentlich geschieht: Unter http://www.boston.com/bigpicture/2008/12/israel_and_gaza.html hat die amerikanische Zeitung Boston Globe Bilder zusammengestellt von beiden Seiten, den Opfern / Soldaten / Kämpfern hüben wie drüben. Die Stunde, in der ich mir in der letzten Woche gemeinsam mit dem 16jährigen Sohn diese Bilder angeschaut habe werden wir beide sicher nicht so bald vergessen.
    Und dann haben wir uns per google earth diesen Gazastreifen noch einmal ganz bewusst angeschaut. Man liest, es sei eine ganz dicht besiedelte Gegend. Aber per google earth das wirklich zu sehen und sich vorzustellen wie es sein muss, wenn von jenseits der Grenze mit Artillerie geschossen wird...
  3. Von AmeiPoensgen am Dienstag, 13.01.2009 Eine Ergänzung:
    Und noch ein anderes Bild vermittelt der Blog des Journalisten André Marty (http://www.andremarty.com), der im SF und DRS über den Krieg berichtet und schon länger in Israel lebt. Die Geschichten, Eindrücke und Erfahrungen, die in 1 Minute und 40 Sekunden im Fernsehen nicht erzählt werden.....

    "Brücken bauen ** Verständnis schaffen ** Informieren ** Finger drauf halten

    Der Blog soll hinter die Headlines schauen, über Alltägliches und wenig Spektakuläres berichten und einordnen. Der Blog versucht, Diskussionen anzuregen über den Nahost-Konflikt, Diskussionen, nicht ideologisch motiviertes "sich-bekriegen". Der Blog soll das Medien-Schaffen über und im Nahen Osten beleuchten, uns Journalisten auf die Finger schauen. "

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