Waidmanns Heil!
Markus Kellenberger | Freitag, 01.10.2010
Auf einer Herbstwanderung im Bündnerland traf ich einen Jäger. Es war mitte September und wir kamen ins Gespräch, denn die Jagd war in vollem Gange. Wir redeten über dies und über das, über die Hirsche und die Gämsen, die heuer aus unerfindlichen Gründen nur schwer zu jagen waren, und schliesslich auch über Grossraubtiere. Ob der Luchs im Bündnerland schon eingewandert sei, fragte ich. „Nein“, sagte der Jäger, „und das wird er auch nicht.“ Eventuell leicht naiv wollte ich wissen, warum. „Nun“, sagte der Jäger, „der Luchs ist allergisch.“ Nach einer kleinen Kunstpause, während der er meine grossen staunenden Augen genoss, fuhr er fort: „Ja, allergisch ist er. Und zwar gegen Blei!“
Nun habe ich im Nationalrat die Wolfsdebatte mitverfolgt und weiss jetzt, auch der stolze Isegrim leidet an dieser Krankheit. Ich könnte mich an dieser Stelle nun einfach lustig machen über die hochsubventionierten Schafzüchter und die futterneidischen Jäger in diesem Land, insbesondere jene aus dem Wallis und dem Graubünden. Doch irgendwie verspüre ich keinen Drang, aus diesem Trauerspiel eine Glosse zu machen. Die Schweiz will mehr Natur? Welche denn? Die, die auf dem Mittelstreifen der Autobahn gerade noch so Platz hat?
Fotos: ninaaa / flickr / cc, tiegeltuf / flickr / cc
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