Vor dem Rotlicht

Markus Kellenberger | Freitag, 04.01.2008

Alle reden vom Klimawandel. Alle haben sie tolle Rezepte bereit. Alle reden sie vom Energiesparen, vom CO2-Reduzieren, vom Umweltschutz und von der Wichtigkeit, alles zu unternehmen, um die Katastrophe abzuwenden. In den letzten Monaten hat diese Diskussion der Welt einige lustige Events beschert, angefangen von einem unsäglichen weltweit übertragenen Live-Konzert bis hin zu einer «wir-schalten-5-Minuten-lang-das-Licht-aus-Aktion» – für viele unserer Cervelat-Promis hauptsächlich eine gute Gelegenheit, sich wieder mal in Erinnerung zu rufen.

Im Grundsatz könnte man diese Aktionitis positiv sehen und sagen: Schön, dass alle darüber reden. Ich hingegen frage mich eher: Wenn doch allen das Klima so sehr am Herzen liegt – wieso schaltet vor einem Rotlicht heutzutage niemand mehr den Motor aus? Achten Sie mal darauf! Mich machen die unnötig qualmenden Auspuffe jeweils putzhässig.

Bild: © Kurt / PIXELIO

 

Tags (Stichworte): AbgaseKlimawandelRotlicht

Kommentare

  1. Von Slartybart am Sonntag, 06.01.2008 Stinkig, das ist mein Ausdruck dafür. So stinkig, dass ich manchmal Gefahr laufe, ins Moralinsaure zu verfallen. Aber mit dem Hinweisen auf fehlerhaftes Verhalten widersetzt man sich dem Lifestyle. Wenn man sich dann auch noch erfrecht, im angesprochenen Fall auf die Strassenverkehrsordnung hinzuweisen, ist man eh gleich weg vom Fenster.

    Die Tendenz geht aber leider dahin, dass man - will man diese Misstände anprangern - sogar vom Gesetzgeber ignoriert oder lächerlich gemacht wird. Deshalb braucht es nicht nur Verbände wie den vielgehassten VCS, der bloss macht, was eigentlich Sache der Rechts- und Ordnungshüter wäre. Es braucht auch couragierte Leute, die die Missstände beim Namen nennen und kreative Ideen entwickeln.

    Wer sich kritisch zu Wort meldet, hat vielerorts ein Akzeptanzproblem. Das haben auch die Politiker - jedenfalls diejenigen, die sich für ihren Erfolg bei den breiten Massen anzubiedern bereit sind - gemerkt. Das wagemutigste, was man von diesen Damen und Herren noch erwarten kann, sind Freiwilligkeits-Apelle. Viele wollen zurück zur Natur - aber niemand unter Verzicht. Solange man seine Bequemlichkeit über ein paar Mausclicks mit Klimazertifikaten freikaufen kann, hat man ja genug des Ablasses getan.

    Bequemlichkeit und Ignoranz zeigen verheerende Auswirkungen. Nicht nur bei der Umwelt, auch bei der Mitwelt. Sie zerfressen die Gehirne und machen oberflächlich.
  2. Von Skydiver am Sonntag, 06.01.2008 Hallo Slartybart

    Sie haben Recht! Und Ihr Rechthaben hat Gründe: Vielleicht das Fehlen einer gewissen Klarheit und Ernsthaftigkeit dem Thema gegenüber – auf vielen politischen Parketten.

    Vor 20 Jahren zum Beispiel wurde der Gedanke an Umwelt primär an Links oder Rechts fest gemacht. Ein Witz in sich, einfach ein schlechter, als ob existenzielle Fragen nur Rot, Grün oder Schwarz oder welche Farbe auch immer betreffen würden. Irgendwann und ein paar Jahre später war es chic, für alle politischen Kreise, ab und an einen Gedanken an die Umwelt zu verschwenden. Das war ebenso ärgerlich. Weil damit der Raum quasi vergrössert wurde, die anstehenden Probleme weder wirklich sehen noch wirklich lösen zu wollen. Ein bisschen darüber zu schwatzen, ohne Lösungen auch nur im Ansatz anzubieten, genügte ja fürs Erste als Alibi.

    Heute sind die Probleme nicht mehr an politischen Positionen fest zu machen, sie sind einfach da. Darin sind sich die meisten weit gehend einig. Wir habens aber geschafft, all die Zeit der letzten Jahre verstreichen zu lassen, die für die Erarbeitung konkreter Lösungen oder besser zur Implementierung dieser Lösungen zur Verfügung gestanden hätte.

    Was mich dabei dann allerdings ebenso ärgert: die brisante Mischung der vermeintlichen Lösungswege, die nun in fünf Minuten bewirken sollen, was vorher Jahrzehnte lang schlicht verschlafen worden ist. Das wird nicht funktionieren. Der blinde und oft völlig undurchdachte Aktions-, Verordnungs- und Gesetzeswahn von Politikern aus verschiedenen Lagern bringt der Sache wenig.

    Mit anderen Worten: Hatten wir vorher weder Lust noch Zeit, sollten wir uns jetzt beides nehmen, um Nägel mit Köpfen zu machen. Mit Lösungen, die Chancen haben, auf Dauer zu wirken. Die Technologien sind vorhanden, die Kreativität ebenso. Haben wir die letzten Jahrzehnte wenig umweltverträglich operiert, sollen wir jetzt nicht den Fehler andersrum machen: Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft und Individuen müssen Lösungen nämlich mittragen können und mittragen wollen, weil alle Bereiche eng verknüpft sind. Schnelle und fieberhaft aus dem Hut gezauberte Hauruck-Rezepte gibts nicht. Etwas durchdacht und auf Verträglichkeit und Erfolg geprüft dürfen die Lösungen diesmal schon sein. Müssen sie sogar. Weil wir sonst denselben Fehler wiederholen: Wir verlieren Zeit. Diesmal nicht nur durch blosse Ignoranz oder blosses Schwatzen, sondern durch herbei geschludderte Lösungen, die keine sind, und die deshalb unsere Probleme nicht wirklich anpacken, sondern schlicht vergrössern.

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