Schweinegrippe, Impfstoffe und die Angst vor der Selbstverantwortung
Markus Kellenberger | Mittwoch, 11.11.2009
Ich lasse mich nicht impfen, meine Partnerin will das auch nicht und unseren Kindern tun wir das auch nicht an. Wir sind Asoziale. Impfverweigerer. Verantwortungslose Egoisten. Eventuell die Mörder unserer Kinder und vieler anderer Menschen.
Falls uns die Schweinegrippe erwischt, bleiben wir brav zu Hause im Bett. Zehn Tage lang - wir sind nämlich auch noch Wirtschaftsschädlinge.
Seit Monaten macht mich die geschickt eingefädelte und am Kochen gehaltene Medienkampagne über die "Pandemie" stinkwütend. In all meinen Jahren als Journalist habe ich noch nie erlebt, wie sich meine Gilde derart instrumentalisieren und steuern lässt. Kritischer Journalismus? Keine Ahnung, wo der geblieben ist. Im Blick gipfelte die Berichterstattung über die Grippe beispielsweise darin, dass mitten in den entsprechenden Artikeln über Grippewellen, Grippetoten und Grippeimpfungen gleich noch Werbung für Nahrungsmittel geschaltet wurde, die die Immunabwehr stärken sollen.
Einzig unser "natürlich leben" hat sich, so mein Eindruck, in verschiedenen Beiträgen dezidiert gegen den Impfwahn gestellt und um eine differenzierte Betrachtungsweise gebeten. Ein Rufer in der Wüste derer, die den Menschen am liebsten einen Impfstoff gegen das Leben verkaufen möchten.
Übrigens: unseren Jüngsten haben wir bisher auch nicht gegen Masern geimpft. Den Älteren der beiden, der jetzt in gestrecktem Galopp in die Pubertät rast, hingegen schon. Letzte Woche. Aber eigentlich nur, weil die Kombiimpfung MMR eben auch vor Mumps schützt. Sie wissen schon, das kann auf die Hoden schlagen.
Wie halten Sie es mit der Schweinegrippe? Hat Sie die Angst schon überwältigt?
Foto: chrisstreeter / flickr / cc
Kommentare
Da geht es Ihnen wie mir. Unsere Familie gehört auch zum Kreis jener, die der allgemeinen Impfhysterie mit grösstem Misstrauen begegnet. Wir sind zwar alle, auch die Kinder, geimpft. Allerdings würden wir heute wohl auch die sogenannten Grundimpfungen nicht durchwegs machen lassen. Es gibt Spielraum, der mit gutem Gewissen ausgenutzt werden kann. Leider machen zu wenig Leute davon Gebrauch.
Bei dem schlechten Gewissen, das einem in Arztpraxen gemacht wird, ist das aber auch kein Wunder. Wer will einem Arzt schon widersprechen, wenn er Statistiken und Todesfälle herbeizitiert (wobei diese genau zu analysieren wären) und einem, falls man noch immer nicht willig ist, mit der sogenannten Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen in die Mangel nimmt.