Schwarze, Gelbe, Braune und Rote in den Bundesrat

Markus Kellenberger | Donnerstag, 06.11.2008

Machen wir diesmal einen auf kurz! Die USA haben zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Präsidenten mit dunkler Hautfarbe gewählt. Zum ersten Mal repräsentiert also ein nicht mit weissen Wurzeln gesegneter Mensch eine Nation, die sich aus der Nähe betrachtet (und die gepeinigten Indianer ausser Acht lassend) eigentlich aus nichts anderem als mehr oder weniger freiwilligen Einwanderern zusammensetzt. Weissen, Gelben, immer mehr Latinos und Schwarzen. Und jetzt haben die letztgenannten endlich einen Vertreter im Weissen Haus. Ein Halleluja sparen wir uns für später auf, bis wir mehr wissen.

Brennend interessiert mich nun aber die Frage: Wo stehen wir, die vielsprachige und vielfarbige und (in einigen Teilen zumindest) weltoffene Schweiz. Wann bekommen wir einen oder mehrere BundesrätInnen mit chinesischen Wurzeln, mit tamilischem Hintergrund, Verwandten auf dem Balkan, einer Grossmutter in Afrika oder - im Moment für viele wohl das schlimmste Szenario - aus dem grossen Kanton.

Mir persönlich ist es egal, ob unsere Bunderäte weiss, schwarz, gelb, braun oder rot sind - Hauptsache, sie sind alle ein bisschen grün.

Und Sie? Was glauben, was erhoffen oder was befürchten Sie?

Bilder: BohPhoto, Dateien stehen unter dieser Creative-Commons-Lizenz.

Tags (Stichworte): AusländerBundesratObamaPolitikSchweizUSAWahlen

Kommentare

  1. Von Stettler am Dienstag, 11.11.2008 Was ich fürchte, Herr Kellenberger? Ich fürchte, unsere Schweiz macht immer mehr dicht. Allein schon die Diskussion um die demokratischen Rechte von Menschen, die ohne Schweizer Pass bei uns leben, zeigt, woher der Wind weht. Mal abgesehen davon, dass einige unserer bisherigen Bundesräte ja auch schon einen Migrantenhintergrund hatten (Blocher=Deutschland; Ogi=Hugenotte), so waren sie alle "immerhin" weiss - alles andere würde wohl die Auns zu Fackelmärschen anregen.
  2. Von Skydiver am Mittwoch, 12.11.2008 Lustige Frage in der aktuellen Umfrage: „Wird es die Schweiz schaffen, in den nächsten 10 Jahren einen Bundesrat mit Migrationshintergrund zu wählen?“ Das klingt nach Ziel im Sinne von: Wir müssen über diese Hürde.

    Aktuell hoffen gut die Hälfte, dass wir das hinkriegen, die Amis haben ja auch die Kurve gekratzt. Offen bleibt die Frage, ob tatsächlich auch so gestimmt würde wie gehofft wird, zumindest indirekt.

    Ich hoffe nicht mit. Ich hoffe nicht auf einen Katholiken, nicht auf einen Protestanten, nicht auf weitere Frauen, nicht auf weitere Männer, nicht auf gestandene Ur-Schweizer und deshalb auch nicht auf Migrationshintergrund. Alle diese Etiketten klingen immer ein bisschen nach Quote oder dann nach kollektivem schlechten Gewissen. Beides völlig unnötig und auch nicht sehr produktiv. Deshalb kanns kein Ziel sein, Etiketten zu wählen oder diese Etiketten zum weinerlich vorgetragenen Hauptargument im Wahlkampf zu machen.

    Zudem: Ein Land soll nicht nach Jekami-Regeln, sondern mit dem Hintergrund von Kompetenz, Weitsicht und Durchsetzungsvermögen regiert werden. Und ich bin sicher: Kanns einer oder eine wirklich, schafft er’s oder sie, mit Persönlichkeit, Visionen und machbaren Ideen zu überzeugen. Welche äusserlichen Etiketten dann noch im Gepäck mitgeführt werden, tritt ganz schnell in den Hintergrund, wenn der Vordergrund mit wirklicher Persönlichkeit ausgefüllt wird.

    Ich hoffe jetzt doch mit. Ich hoffe darauf, dass sich wieder genügend Persönlichkeiten und Macher finden, egal aus welchen Ecken, die durch tatsächliche Leistung auffallen. Die würden mir helfen, nicht dauernd über Quote, Nebenkriegsschauplätze, Etiketten und zweite Wahl in Ermangelung von erster nachdenken zu müssen.

    Und meine Befürchtung? Dass wir genau das nicht schaffen werden, weil wir, etwas wenig selbstbewusst, allen alles möglich machen möchten und dabei zuweilen vergessen, die wirklich wichtigen Forderungen zu stellen und nicht davon abzurücken.

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