Profit, Profit, Profit!

Markus Kellenberger | Montag, 04.02.2008

Heute am Radio hörte ich eine Reportage über eine neue und bisher eher unbekannten Krankheit. Eindringlich wurden die vielfältigen Symptome geschildert, Betroffene kamen zu Wort und die Adresse der frisch gegründeten Selbsthilfeorganisation wurde mehrmals wiederholt – auf dass sich aus dem kleinen Trüppchen Leidender alsbald ein gewaltiges Heer bilde.

Ich verzichte darauf, hier die Krankheit oder deren Symptome zu nennen, von denen einige sicher auch auf Sie und mich zutreffen. Ich bin es nämlich leid, täglich neue Schreckensbotschaften aus dem Reich der Medizin zu hören. Nicht zuletzt dank den Medien, die gemäss dem Motto «bad news are good news» gerne solche Meldungen verbreiten, hat sich in unserer Wohlstandsgesellschaft ein Klima der Angst und der Angstmacherei gebildet. Gezielt schüren Spitzenmedizin und die Pharmaindustrie die Angst vor Schmerz, Tod und neuen Krankheiten, denn damit lässt sich viel Geld verdienen. Jahr für Jahr kommen neue Medikamente auf den Markt, die verkauft sein wollen. Jahr für Jahr werden neue Impfungen angeboten, die diese, eine und jene Krankheit verhindern sollen. Jahr für Jahr starten Apotheken neue Aktionen, um uns Konsumenten in die Läden und zum Arzt zu treiben. Die Krebsliga, die Lungenliga, die xy-Liga.....alle warnen sie unablässig vor schlummernden Krankheiten, drohenden Seuchen und qualvollem Leiden – und selbstverständlich finden sich auch immer arme Vorzeigeopfer, respektive solche, die nur dank dem Einsatz der Pharma noch am Leben sind (wie immer das auch aussieht!).

Aber lassen wir das. Stellen wir uns einfach die Frage: Warum heisst unser Gesundheitssystem eigentlich Gesundheitswesen – und nicht ANGSTsystem und KRANKEITSwesen. Es wäre ehrlicher!

Bild: © Chrisdesign / PIXELIO

Tags (Stichworte): GesundheitswesenKrankheitenPharmaindustrie

Kommentare

  1. Von Slartybart am Mittwoch, 06.02.2008 Mit der Ehrlichkeit ist es so eine Sache. Wer begibt sich schon freiwillig nackt in einen Krokodilteich? Unehrlichkeit - oder soll ich sagen verlogenheit - ist eine
    Überlebensstrategie, ob wir das bewusst oder unbewusst tun. Wenn ich genauer über dieses Thema nachdenke, wird mir jedesmal fast übel...

    Die eigentliche Krankheit ist unserer Egoismus, der uns immer und immer wieder fragen lässt, an welcher der erfundenen Krankheiten wir noch leiden könnten. Unsere «Gesundheitsunternehmr», allen voran die «Heilmittel»-Industrie hat für jedes Bobo sofort ein ganzes Arsenal an Gegenmittelchen. Solange sie gekauft werden können, jedenfalls. Ist aber Engagement oder gar Verzicht gefragt, sind diese Leiden oftmals das, was sie wirklich sind: Lifestyle-Unpässlichkeiten, Peanuts, um das Unwort wieder einmal zu gebrauchen. Produkte der Angstmacherei.

    Wieviele «Krankheiten» hätten wir nicht, wenn wir selbst für deren Kurieren aufkommen müssten? Aber solange es die Krankenkasse bezahlt, kann es ja nicht schaden. Und wenn doch, ist die Gesundheitsindustrie auch in Zukunft erst recht bereit, zu flicken, was wir mit unüberlegtem Pillenfressen versaut haben. Oder wie sagen unsere innovativen Dienstleistungserfinder? Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen.

    Ein wacher Geist (und ein gesundes Selbstvertrauen) sind dennnoch gefragt, denn auch schwere Krankheiten machen sich erst mal zaghaft bemerkbar. Was die Gesundheits- und Dienstleistungsindustrie uns unterjubeln will, muss aber mit einer gewissen Vorsicht geprüft werden. Stattdessen werden pure Werbeveranstaltungen à la Dr. Stutz als Unterhaltung mit Fachtouch (ja, Herr Doktor) präsentiert und die KonsumEnten stürzen sich wie ausgehungert auf die vergifteten Köder. Der Herr Doktor wird schon wissen, was er tut. Ja, weiss er ganz bestimmt...

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