Oh Wonne, so ganz ohne TV und Gras

Markus Kellenberger | Freitag, 06.02.2009

Jetzt ist es drei Wochen her, seit ich den Fernseher ausgestöpselt und im Keller zwischengelagert habe, und wir haben bis heute ohne Care Team und Survival Set überlebt. Einige Male noch hat meine Geliebte gemeint, sie würde sich gern vor dem Kasten niederlassen, auch die Kinder haben noch zwei, drei Mal mit Blick auf die Uhr erwähnt, dass genau jetzt die Simpsons laufen würden - aber sonst ist überhaupt nichts passiert. 

Ja. Rein nichts! Die Welt dreht sich noch. Die relevanten News entnehme ich den Zeitungen, die ich etwas intensiver als sonst lese, weil ich nicht schon (fast) alles in der Tagesschau gesehen habe. Und die Kinder? Die lesen tatsächlich Bücher. Für alle TV-Freaks unter Euch: Das sind diese dicken Dinger aus bedrucktem Papier mit vielen, vielen Seiten.

Seit die Glotze weg ist, habe ich zudem meine alte Plattensammlung wieder entdeckt. Sie umfasst über 500 LP's (das sind Langspielplatten mit 33 Touren, meine Lieben) oder anders ausgedrückt: Meinen gesamten Stiftenlohn!

Hey, was findet sich dort unter der dicken Staubschicht nicht alles. In diesen Tagen geniesse ich die fast komplette Donovan-Sammlung, von der Sie hier einige Kostproben hören können. Nimmt mich wunder, wie er Ihnen gefällt. Abend für Abend setze ich mich hin, lege eine Platte auf und ziehe sie mir rein. Immer nur eine. Meine Geliebte legt sich dann aufs Sofa und staunt, was ich früher so alles gehört habe - und was es früher doch für wunderbare Musik gab. Und auch meine Söhne, ansonsten eher der Green Day-Fraktion angehörend, lauschen gerne mit. Der spinnt halt ein bisschen, der Alte, besonders wenn er dann noch aufsteht, zuckt und tanzt und (grässlich) singt.

Wenn Donovan durch ist – "Jennifer, Juniper", "Season of the Witch" und "The Sun" sind die Familienlieblinge –, kommt Cat Stevens dran, danach vielleicht die Moody Blues und dann sehen wir weiter.

Donovans Hippie- Sound fährt ein. Mittlerweile auch ohne Gras!
Wir bleiben weiterhin ohne TV!

Donovan on tour: www.topact.ch

 

Tags (Stichworte): DonovanFamilieFernsehenKinderLesenMusik

Kommentare

  1. Von Stettler am Dienstag, 10.02.2009 machen Sie weiter, Herr Kellenberger. Die Welt existiert auch ohne ständige Newsberieselung. Was und da im Fernsehen täglich geboten wird - und was viele Leute deshalb als wichtig erachten - ist so was von oberflächlich, dass es mich manchmal schüttelt.
    Was genau sehe ich in der Tagesschau? Nicht mehr und nicht weniger, als ich am nächsten Tag meist ausführlicher lesen kann.
    Was bieten mir die vielen Diskussionssendungen? Meist nur viel Blabla. Sture Haltung hier; sture Haltung da.
    Was bringen mir die vielen Shows und Quiz? Sie füllen die Leere in meinen Leben - als ob es da nichts besseres gäbe, auf dem Balkon sitzen oder einen Abendspaziergang als Alternative.
    Was lerne ich von den vielen tollen Filmen? Meist nur, dass sich alle Probleme mit Gewalt lösen lassen.
    Also. Weiter so. Bin gespannt, was Ihre Familie nach den Frühlingsferien macht.
    Ach, etwas vergass ich noch: Die vielen tollen Dokumentarfilme. Ja, da könnte man schwach werden - aber wer schaut sich nur Dokus an?
  2. Von caramba am Mittwoch, 11.02.2009 Kürzlich kaufte ich eine Stereoanlage. Ein sogenanntes Ausstellungsmodell, das schon mal ausgepackt war. Nachdem ich es mit Müh und Not installiert hatte und die Play-Taste betätigte, erklang mit einem Mal ein Geräusch, das ich vor gut zwanzig Jahren erfolgreich verdrängt hatte- Modern Talking, die Stimme von Thomas Anders. Nun stellen Sie sich mal vor, ich würde dies meinen Kindern vorspielen! Die würden sofort in den Keller rennen, um das kleinere Übel, den Fernseher wieder in den gute Stube zu stellen. Ehrlich gesagt beneide ich manchmal Ihre Generation um die Musik. Den schönen Folk und den guten Rock. Ein Tänzchen im Wohnzimmer zu diesen Klängen würde auch ich einer langweiligen und peinlichen Talkshow vorziehen.
  3. Von kellenberger am Freitag, 13.02.2009 Ein Tänzchen in Ehren kann niemand verwehren. Tendenziell habe ich tatsächlich das Gefühl, die Musik sei früher besser gewesen. Aber da war ich auch jünger! Sicher gibt es auch heute gute Sachen. Doch wenn ich im Auto ab und an das Radio einstelle, um mich mal ein bisschen umzutun, was heute so hipp ist, dann kommen wir öfters fast die Tränen. Seichter Seich, kann ich da nur sagen. Geklimper, Rapgefucke, Hip und Hop und Madonnapop. Von den Texten will ich gar nicht erst reden. Mir kommt manchmal der Verdacht, Leute wie Dieter Bohlen - Modern Talking - haben eine ganze Generation Menschen musikalisch verdorben.
    Nicht, dass es früher nicht auch schon Schrott auf dem Musikmarkt gegeben hätte - aber irgendwie war alles ein bisschen frischer, und vor allem ein bisschen fröhlicher.
    Steckt mich ins Alterheim!

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