Meine grossen grünen Füsse
Andres Jordi | Freitag, 14.11.2008
Man kommt ja langsam ins Alter, wo es einen interessiert, was seine alten Schulkameraden und -schätze so treiben und ob sie es auch zu etwas gebracht haben. Dies ist im Zeitalter von Facebook und Konsorten auch ein bisschen Mode. Wenn Sie selber auf der Suche sind nach alten Brüder- und Liebschaften, hier oder hier könnten Sie fündig werden.
So traf ich letzthin also nach langer Zeit ohne jeglichen Kontakt – genau gesagt nach zwanzig Jahren! – eine ehemalige Jugendfreundin wieder. O.K., es war die grosse, grosse, grosse Liebe damals. Und ein bisschen gekribbelt im Bauch hat's auch beim Wiedersehen, doch das geht Sie nichts an!
Ein Grüner sei ich geworden, habe sie gehört, sagte meine Jugendliebe, ein bisschen so, als ob es sich dabei um Marsmenschen handeln würde. Und als ich ihr erzählte, jawohl, ich benützte den ÖV, hätte kein Auto und ein Handy auch erst seit einigen Monaten und dies nur, weil es mir von meinem Arbeitgeber sozusagen aufgezwungen worden sei, und wenn sie so wolle, ja, sei ich ein Grüner, da wurde ihr schönes Gesicht ganz bleich.
Ein Grüner bin ich, jawohl! Und in der heutigen Zeit sollte man damit ja ein lifestyliges In-People sein (wieder mal zur Erinnerung) und kein durchgeknallter Ausserirdischer. Zu diesen müsste man eher all die ewiggestrigen Ökosünder zählen, die noch gar nichts begriffen haben. Aber die werden nicht mal rot.
Mit diesen Gewissheiten kam mir nun eine verhängnisvolle Idee: Ich grüner Bessermensch könnte mal meinen ökologischen Fussabdruck messen. Dieser gibt an, wie viele Planeten benötigt würden, hätten alle Menschen denselben Lebensstil wie man selbst. Die Welt wäre besser, grüner, nachhaltiger, ökologischer, das war klar. Ich habe keine Riesenvilla, heize nicht auf Saunatemperaturen, lüfte vorbildlich, habe ein paar Energiesparlampen reingeschraubt, konsumiere oft regionale und saisonale Produkte, fliege nicht andauernd in der Welt herum usw. Die Liste meiner ökologischen Heldentaten liesse sich unendlich weiterführen.
Das Resultat der Fussvermessung: «Hätten alle Erdenbewohner denselben Lebensstil wie Sie, bräuchten wir 2,3 Planeten, um unseren Ressourcenverbrauch nachhaltig zu decken. Sie liegen damit im Bereich des Schweizer Durchschnitts mit 2,9 Planeten.» Nun wurde ich bleich...

Jetzt brauche ich wieder mal ein bisschen psychologische Betreuung von Ihnen, liebe Natürlich-Blogger. Sollte ich besser zur Automobil-Revue wechseln? Oder wie ein Neandertaler leben?
Was mich aber doch auch noch interessieren würde: Wie gross ist denn eigentlich Ihr ökologischer Fussabdruck? Sie können diesen hier ermitteln. Tragen Sie doch das Ergebnis in nebenstehende Umfrage ein. Ich bin gespannt!
Bilder: Nasa (PD)
Kommentare
Sie brauchen keine psychologische Betreuung - sondern eine neue Höhle. Ihr Bericht zeigt ironisch, wo unser Problem liegt: in der Konsequenz. Alle schreien sie von wegen dem Klima und dass man etwas tun sollte. Doch mit Sparlampen, leichtem Verzicht aufs Auto oder ein raffiniertes Lüftungssystem fürs Haus ist es nicht getan. Da können die Lohas noch so lange Konzerte für die Welt veranstalten: Ohne ein radikales Umdenken, ohne schmerzhaft spürbare Einschnitte in das, was wir Komfort, Lebensbequemlichkeit und Lebensstandard nennen, sind die vom Menschen verursachten Klimafaktoren nicht wirklich zu beeinflussen.
Unserer ökologischer Fussabdruck ist allein schon der Menge (der Menschen) wegen kaum zu verkleinern, geschweige denn mit ein paar "nachhaltig" hergestellten Produkten.
Wenn heute Leute und/oder Prominente grossartig in neuen "grünen" Magazinen verkünden, wie sehr sie sich um die Welt sorgen und was sie alles für eine gesunde Umwelt tun, dann bin ich zwischen Trauer, Wut, Entsetzen und Ohnmacht hin- und her gerissen. Man gibt sich bewusst, man gibt sich besorgt, man gibt sich nachhaltig ... mit andern Worten: Nach innen erteilt man sich selber absolution - nach aussen pflegt man einen hippen, umweltbewussten Lebensstil, ohne wirklich auch nur ein Jota vom Gewohnten abzuweichen.
Ich warte gefasst auf die Katastrophe, an der ich selber kräftig mitwirke!
Was gibt es dem hinzuzufügen? Fällt mir grad nichts ein - ich glaube, ich geh gleich mal entschlossen stosslüften.