Mein täglich Brot

Markus Kellenberger | Montag, 05.05.2008

Es ist mir völlig klar, das nachfolgend geschilderte Problem ist ein so genanntes Luxusproblem, vielleicht sogar eine Art von Wohlstandsverwahrlosung, aber: Wo bekomme ich in der Schweiz noch ein einfaches, gutes, feines, chüschtiges, reelles, simples, mehrere Tage lang haltbares und immer noch schmackhaftes Ruchbrot?

Wenn ich in Bäckereien – von den Grossverteilern will ich gar nicht erst reden – stehe, dann erschlägt mich das Angebot schier. Brot des Monats, Brot der Woche, Spezialbrot, Regionalbrot, Holzfällerbrot, Sonnenblumenbrot, Vollkornbrot, Sesambrot, Feierabendbrot, und, und, und. Die Namen werden nicht alle, ebenso wenig der Erfindergeist der Bäckergilde.  Doch was so fantasievoll tönt, ist meist nur mehr oder weniger grob gemahlener Teig, angereichert mit der einen oder anderen als besonders gesund bezeichneten Vogelfuttermischung. Viel Marketing, wenig Geschmack!

So, spätestens jetzt werden verärgerte (vielleicht auch beleidigte) Vertreter der Bäcker-gilde mich eindringlich darauf aufmerksam machen wollen, dass es ganz hinten unten links im Regal immer ein paar Laibe Halbweisses und Ruches hat. Ja! Hat es. Aber in der Regel sind das Brotlaibe für die heute eher seltene Gattung der Grossfamilie – oder dann sind es Halbpfünderli, die am nächsten Tag bereits so trocken sind, dass es selbst mit viel Konfitüre staubt.

Nun, mit meiner Sehnsucht nach einem ehrlichen und etwas länger als 24 Stunden haltbaren Brot stehe ich nicht allein. Eine kleine Umfrage unter Freunden und Kollegen zeigt ähnliche Symptome. Also, liebe Bäckerinnen und Bäcker: Wer von Euch kann uns diesen Herzenswunsch erfüllen.

Bild: © wrw / PIXELIO

Tags (Stichworte): BäckerBrotErnährung

Kommentare

  1. Von polarsano am Mittwoch, 07.05.2008 polarsano
    Versuchen Sie es doch einmal wirklich beim Bäcker, nicht beim Grossverteiler. Dort wo ich das Brot kaufe gibt es viele verschiedene Ruch- und Vollkornbrote, die auch nach 2 Tagen immer noch ausgezeichnet munden und nicht trocken sind.
    Viel Erfolg!
  2. Von Slartybart am Freitag, 09.05.2008 Ja, Herr Kellenberger, mit dem Risiko, dass Sie mich gleich wieder wegradieren, kann ich obiges Votum nur unterschreiben. Ich kaufe mein Brot am Winterthurer Wochenmarkt, an einem Stand mit dem fürchterlichen Namen Backothek, aber mit einem riesengrossen guten Biobrot-Angebot. Bei meinem derzeit liebsten Brot - mit Mandeln im Teig, nicht nur plakativ drübergestreut - bedaure ich übrigens, dass es so lange geht, bis es hart ist. Weil es dann nämlich noch viel besser ist, schneide ich es ganz dünn und lege es auf den Ofen. Aber auch ohne \"BurnIn\" ist dieses Brot während mindestens 4 Tagen alltagstauglich, nach 2 Wochen kann man es mahlen und erhält ein Paniermehl, das im Gegensatz zum Päckli-Junk Food nach Brot schmeckt und in der Küche wahre Freude aufkommen lässt.
  3. Von Stettler am Samstag, 10.05.2008 Ich gehe davon aus, dass Herr Kellenberger sein Brot nicht beim Grossverteiler kauft. Aber sein Problem kenne ich bestens. Warum nur haben alle Brothersteller das Gefühl, sie müssten den Teig mit Unmengen an «Vogelfutter» anreichern? Und warum wird ständig behauptet, das sei besonders gesund? Dort wo ich wohne, ist es übrigens so, dass die beiden Dorfbäcker kein geschmacklich anständiges Ruchbrot hinbekommen - die Migros hingegen schon. Mehr als einen knappen Tag haltbar ist es aber leider trotzdem nicht.
  4. Von kellenberger am Samstag, 10.05.2008 Stettler hat recht. Ich kaufe mein Brot nur selten beim Grossverteiler. Und leider möchte ich mir den Umweg über Winterthur ersparen - aus ökologischen Gründen. Aber vielleicht können Sie, lieber Slartybart, Ihren Bäcker mal dazu bringen, mir ein Müsterchen zu schicken.

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