Mein Schwanz gehört mir!
Markus Kellenberger | Freitag, 24.10.2008
"Schwanz" und "Tanz" reimt sich geradezu perfekt. Das wird sich auch Maggie Tapert gedacht haben, die kürzlich in Zürich die Aktion "Fit im Schritt" (auch so ein Brüllvers) über die Bühne, respektive übers Pflaster gehen liess.
Ziel der Aktion: Uns armen gebeutelten und völlig verunsicherten Männern ein bisschen Selbstvertrauen in Bezug auf unser bestes Stück zurück zu geben.
Grund der Aktion: Männer mit Potenzproblemen warten durchschnittlich zwei Jahre, bis sie sich getrauen, zum Arzt zu gehen - das hat eine Umfrage des Pharmaunternehmens Eli Lilly ergeben.
Oje! Da machen sich die richtigen zwei Sorgen um unsereins. Auf der einen Seite der arme "Machsteifdamiterewigkann-Pillen-Hersteller", der eben wegen unseriöser Werbepraktiken eine Strafe und gleich noch einen Milliardenverlust einstecken musste - und auf der anderen Seite die geschäftstüchtige und ewig feuchte Hohepriesterin der Lust, die im Internet ihre vielfältig eindeutigen Dienste prostituiert, pardon, wollte sagen anbietet. Und die gleich auch noch in rührend aufklärerischer Weise die postkoitale Diskussion lancieren will, ob man(n) seinem "Schwanz" in aller Öffentlichkeit einfach "Schwanz" sagen darf - aus Sicht der besorgten Orgasmustante ein weiteres echtes Männerproblem.
Nun, liebe Maggie und liebe Eli: Leute und Konzerne wie Ihr zwei seid es, die uns Männern Probleme bereiten, nicht unsere Unlust oder unsere Partnerinnen. Ihr und Euresgleichen, die mir täglich per Mail unaufgefordert dutzende von Potenzpillenangeboten schicken, die mir ständig weismachen wollen, dass es "unnatürlich", ja geradezu "krank", "besorgniserregend", "unmännlich" und überhaupt "abnorm" sei, wenn ich mal ein paar Tage lang nicht will. Nicht zu wollen ist natürlich - ständig zu müssen ist unnatürlich.
Tammisiech noch mal! Es ist, damit das deutlich gesagt ist, mein Recht als Mann und Mensch, nicht jederzeit und überall vögeln zu wollen und zu können. Es ist mein Recht als gesunder und gegen die Fünfzig zugehender Herr, einfach mal den "Schwanz hängen lassen zu dürfen" und "anstelle von" einfach neben meiner Partnerin liegend ein gutes Buch zu lesen, vielleicht auch ein bisschen zu kuscheln - und mehr nicht. Und darum rufe ich Euch Pillenverkäufern voll männlichen Stolzes zu: DAS IST NICHT KRANK! DAS IST NORMAL!
Und damit Sie, Frau Tapert, nicht die einzige sind, die mit lustigen Verslein à la "Fit im Schritt" glänzt, habe ich extra für Sie auch einen kurzen Reim gedichtet: "LASS MICH IN RUH - DU GEILE KUH!"
Kommentare
Mir sind all diese Studien zu Erektionsproblemen schon lange suspekt. Um was genau geht es denn, wenn "er" nicht mehr will - oder kann. Ich behaupte, dass 9 von 10 Männern, die Potenzmittel nehmen, keine wirklich relevanten Störungen haben, ausser in ihrem Kopf. Männer, die mit zunehmendem Alter glauben, immer noch täglich rammeln zu können (zu müssen) wie 20-Jährige, haben ein ernst zu nehmendes Problem mit ihrer Persönlichkeit, respektive mit ihrem Mannsein.
Es gibt viele Statistiken, die auch uns Frauen erklären wollen, wie und wie oft es uns nach Sex zu gelüsten hat. Ich nehme es gelassen und wie es kommt. Das ist am schönsten. Aber ich verstehe gut, wenn sich Männlein und Weiblein angesichts der Werbeflut und den entsprechend inflationären Sendungen auf diversen Privatsendern verunsichert fühlen. Was ist denn noch normal? Was ist ein Mann und was ist eine Frau? Wie oft muss ein Mann und wie oft muss eine Frau - und wer legt das fest?
Pfizer, Eli Lilly oder diese Maggie Tapert?
Ich bin froh, dass Sie sich wehren, Herr Kellenberger, und ich glaube, Sie sind ziemlich normal.
Männer, die ihr Selbstbewusstsein am dauernd Können und Wollen festmachen, sind eben noch auf dem Weg, Männer zu werden. Ich wünsche viel Glück und sage gelassen: Vorderhand auch nicht ernst zu nehmen.
Frauen, die von ihren Männer verlangen, dauernd zu können und zu wollen, stecken auch noch in spätpupertären Entwicklungsschüben, haben noch nicht entdeckt, dass Männer (einige) auch einen Kopf haben, der interessante Gedanken produzieren kann. Alles kein Problem, jede wie sie will, aber als Fraktion auch nicht ernst zu nehmen.
Die Industrie mit Wässerchen, Pülverchen und Pillen schielt auf Absatz und Umsatz. Darf sie und ebenfalls willkommen, als Berater aber deshalb überhaupt nicht ernst zu nehmen.
Blöd, ich habe jetzt nichts gefunden, dass ernst genommen werden könnte. Einerlei, ich warte einfach auf das nächste Thema, lustig oder ernst, Hauptsache mit etwas Fleisch am Knochen.