Lieber Auswandern statt Steuern zahlen

Markus Kellenberger | Montag, 29.11.2010

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber manchmal gebe ich mich Tagträumen hin. Auswander-Szenarien gehören in diese Kategorie. Auf und davon! Nichts wie weg! Aber dann scheitern die Pläne ziemlich rasch, denn die Chefin will, dass jeden Monat ein neues "natürlich" erscheint, die Geliebte möchte, dass ich pünktlich nach Hause komme, und die Knaben schreien nach Taschengeld. Sachzwänge halt, die jeden Mann geradezu nachhaltig bremsen. Wir Armen!

Aber jetzt gehe ich wieder mit dem Gedanken ans Auswandern schwanger. Das Abstimmungswochenende hat mich erschüttert. Was ist das für ein Land, in dem die Armen immer wieder für die Reichen stimmen? Die Reichen, die notabene damit drohten, das Land zu verlassen, falls die Armen nicht tun, was den Besitzenden gefällt - und die Armen taten, wie ihnen geheissen. Mit einer Kampagne, die zwischen fünf und zehn Millionen kostete, kauften sich die Wohlhabenden die Stimmen jener, die davon träumen, vielleicht auch einmal ganz oben anzukommen – so wie ich, denn sobald ich reich bin, drohe ich nicht, sondern wandere tatsächlich aus. In die Karibik als Wracktaucher, nach Neuseeland als Schafzüchter oder nach Kanada als Trapper und Eigenbrötler - einfach weg von hier und diesem Stimmvolk, das ein bürgerlicher Politiker einmal so abschätzig aber richtig als "leicht zur Urne zu drängendes Stimmvieh" bezeichnet hat. Muh!

Fotos: cocoate.com / flickr / cc, TANAKA Juuyoh / flickr / cc, Duchamp / flickr / cc

Tags (Stichworte): AuswandernKanadaNeuseelandSchafSteuernTauchenWrack

Kommentare

  1. Von Lyri am Dienstag, 30.11.2010 Naja, die sauberen weissen Schäfchen folgen halt ihrem ach so sauberen weissen Leithammel. Das ist auch einfacher als selber zu denken.
    Doch lieber Herr Kellenberger, war es irgendwann, oder irgendwo mal anders? Schon Salomo sagte, dass der Mensch über den Menschen zu dessen Schaden herrsche. Darüber habe ich mich mal mit den netten Leuten, die manchmal mit der Bibel in der Hand vor der Tür stehen, unterhalten. Sehr aufschlussreich und zu empfehlen, denn wie es scheint, muss die Lösung für all die weltweiten, komplexen Probleme von woanders kommen.
    Doch ärgern sie sich nicht, abstimmen und anwenden sind zwei Paar Schuhe. Oder wie ist das mit der Komplementärmedizin, sollte die nicht längst schon wieder in der Grundversicherung integriert sein?
    Also geniessen sie mit ihren Liebsten all das Schöne und Gute, das es bei uns ja wirklich teilweise im Ueberfluss gibt. Und ärgern sie sich nicht über Dinge die sie sowieso nicht ändern können.
    Ganz liebe Grüsse
    Lyri.
  2. Von Lyri am Mittwoch, 01.12.2010 Sorry, der erste Satz war jetzt total unfair. Ich wollte niemand verletzen, denn man darf ja die Aengste der Menschen nicht einfach ignorieren. Also nichts für ungut.
    Lyri.
  3. Von kellenberger am Mittwoch, 01.12.2010 Hallo Lyri

    Was heisst hier unfair. Schafe sind Schafe und Menschen sind Menschen. Ich bin diesbezüglich mittlerweile sehr pragmatisch geworden - aber nicht hoffnungslos.
    Und noch ein Wort zu Ihrem letzten Satz, der da lautet: "Und ärgern Sie sich nicht über Dinge, die Sie sowieso nicht ändern können." Oh doch das tue ich, und zwar weil ich glaube, dass man Dinge sehr wohl ändern kann. Alles nur eine Frage der Zeit, und natürlich des Willens und Wollens.

Kommentar schreiben (Lesen Sie bitte unsere Regeln)

Sie haben noch kein Username und Passwort? Hier können Sie sich kostenlos bei «Natürlich» registrieren.

Natürlich im Mai 2012


Inhalt

Vorschau
Archiv

Schnupper Abo
4 Ausgaben für 20 Franken
Jetzt profitieren!

Aboservice

Werbung
Werbung

Natürlich Essen

Rezept der Woche: 27. April 2012

Spargeln im Strudelteig


Die Natürlich Bilder Galerie