Katzenjammer mit dem Katzenfutter

Markus Kellenberger | Sonntag, 13.01.2008

Unsere Katze steht jeden Morgen vor unserer Schlafzimmertür. Blitzschnell streicht sie um meine Beine, was im Dunkeln nicht immer ungefährlich ist. Auf dem Weg ins Bad  – da zieht es mich zuerst hin – kreuzt sie mindestens fünf Mal penetrant meinen Weg, und versucht, mich möglichst direkt zu ihrem Futternapf zu lotsen.


Das Spiel treibt sie seit Jahren, und ich weiss, dass  meine Kinder und meine Partnerin diesem Drängen in der Regel sofort nachgeben. Ich nicht! Wer nicht arbeitet, soll gefälligst ein bisschen warten. Besonders auch darum, weil das Tier nach der Futtergabe häufig unzweifelhaft zu verstehen gibt, dass ihr das aktuelle Fressen nicht passt.

Nun gebe ich ja zu, dass ich, wenn das Einkaufen von Katzenfutter an mir liegt, grundsätzlich nur Aktionen kaufe – und wenn es keine solchen gibt, zum günstigsten Angebot greife. In der Migros ist das dann zum Beispiel irgendetwas aus der Budget-Linie.

Mit erstaunen stelle dabei jedesmal fest, dass im Katzenfutter, egal wie teuer und exklusiv, NIE Fleisch von Tieren zu finden ist, die zu den natürlichen Beutetieren unseres Stubentigers gehören. Nirgends auf den langen langen Regalen mit der immer grösser werdenden Auswahl an Tierfutter finden sich Büchsen oder Beutel mit artgerechten Inhalten wie «Maus mit Singvogel» oder «Regenwurm mit junger Amsel» oder schlicht «Schlachtabfälle gemischt». Stattdessen werden da regelrechte Menues angeboten, die mir das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, wie «Thunfisch mit Gemüse», «Feines Mark mit Leber», «Kaninchen in Gelee», und, und, und.

Damit nicht genug, gibt es eine ganze Anzahl Spezialfutter für junge Katzen, erwachsene Katzen, alte Katzen, anspruchsvolle Katzen, Katzen mit Diabetes und solchen mit Übergewicht. Dazu kommt relativ neu eine Palette an speziell aufbereiteter Katzenmilch, sowie Trockenfutter in den Biss-Qualitäten hart bis butterzart und als Ergänzung Katzendesserts, Knabberstangen und Vitaminzusätze. Ähnliches gilt übrigens auch für die Abteilung Hundefutter!

Und jetzt sagen Sie mir, a) mit welchem Recht rümpft unsere Katze ihre Nase, und b) warum schicke ich sie nicht zur Strafe als Menschenfutter in die Hungerzonen der Dritten Welt?

Bild: © Ruth Rudolph / PIXELIO

 

 

Nachtrag der Redaktion

«Natürlich» - Leser Urs Schäffler hat mir heute einen kreativen Vorschlag zugespielt, wie das Problem mit der eigenwilligen Katze  eventuell auch lösbar wäre. Seine konstruktive Anregung möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

 

Tags (Stichworte): KatzenKatzenfutter

Kommentare

  1. Von Slartybart am Mittwoch, 16.01.2008 Zu a):
    Mit dem gleichen Recht, wie wir es tun, nicht nur bei eigentlichen Leckereien wie einer gut gekochten Portion Kutteln (Grüsel? Feinschmecker!), nein, auch wenn uns zugemutet wird, innerhalb von 24 Stunden zweimal vom gleichen zu essen. So dumm kann ein Tier ja gar nicht sein, wenn es nicht bei (soll ich das Wort wirklich schreiben?) ... Menschen leben würde. Katzen sind schliesslich auch nur Menschen, mindestens in den Köpfen von Werbehirnis und KonsumEnten. Die Katze denkt sich: Warum soll ich mit Schlachtabfällen leben, wenn ich genug nerve, krieg\' ich auch Lachs; das letzte Mal hat\'s ja auch geklappt...
    Ich warte nur noch auf Katzenfernseher, Katzenhandys und Katzenschnauzhaarversicherungen. Wenn die Überflussgesellschaft dann bald zu Tode gedienstleistet ist, kommen halt auch noch die Tiere dran.
    Ich kann ja auch ein bisschen mitmachen, wenn\'s sein muss: Auf Wunsch biete ich in meiner Praxis ab sofort Fussreflexzonenmassagen für Katzen an. Nur stubenrein müssen die Viecher sein und einen Maulkorb tragen. Immerhin, mit dem Erlös würde ich dann ein «Natürlich» -Abo für die Katzenpartner kaufen.

    Zu b): Weil ein ökologisch denkender Mensch solchen Unfug unterlässt und stattdessen Eco Solidar oder Biovision unterstützt.
  2. Von MeierSollberger am Donnerstag, 24.01.2008 Dass Katzen wählerisch sind, weiss man eigentlich nicht nur seit gestern. Wenn einem dies nervt, soll man vielleicht keine Katzen halten. Was hier aber gänzlich in Vergessenheit geraten ist,ist die Wichtigkeit und der Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit von Mensch und Tier. Falsche oder ungesunde Ernährung führt mit der Zeit zu Mangelerscheinungen sprich Krankheiten. Man hat in der Tierernährung über vielen Jahren auch dazu gelernt. Über die neukreierten Namen kann man sich streiten, aber nicht wenn es darum geht, auch seinem Mitbewohner was vernünftiges zum Fressen zu geben. Und das ist leider nicht immer das was billig ist. Dies merkt man dann spätestens bei den Tierarztkosten. Aber auch Tiere haben ihre Persönlichkeiten und entsprechend ihre Vorlieben. Wenn man das Tier liebt, dann geht man auch auf das ein, ohne dass man das Ganze ins Masslose treiben muss. Und gesundheitlich gibt es auch viele Körpertherapien, die den Tieren auch gut tun (Chiropraktik, Homöopathie, Massage, usw.). Warum soll man das nicht nutzen, wenn es dem Tier hilft. Wäre Haustiere hält, hat auch eine Verantwortung. Leider vergessen die Menschen das oft, und behandeln das Tier wie eine Ware, um es dann einfach \"fortzuwerfen\" wenn es nicht mehr erwünscht wird oder zuviele Probleme verursacht.

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