Hunde, wollt ihr gratis brennen?

Markus Kellenberger | Dienstag, 07.07.2009

Eine vorgezogene Entsorgungsgebühr für Hunde - das will der Grosse Rat des Kantons Tessin einführen. Die Idee besticht in ihrer Einfachheit: Jeder Hundehalter zahlt bei der Einlösung der Marke für sein Tier im Voraus Fr. 40.-. Der Betrag dient später dazu, den Kadaver des Tieres fachgerecht zu entsorgen.

Selbstverständlich hat der Beschluss des Grossen Rates die Hundefreunde aus dem Häuschen gejagt, besser gesagt, von der Kette gelassen. Sie wollen sich gegen die Entsorgungsgebühr notfalls mit gefletschten Zähnen zur Wehr setzen.

Das erstaunt, denn Fr. 40.- sind nun wirklich nicht die Welt. Auf einem Hundefriedhof kostet eine Kremation inklusiver einfacher Tonurne ab Fr. 150.-, für aufwändigere Bestattungsformen (Sarg, Eiche mit Samt) sind schnell mal Fr. 1000.- oder mehr hinzublättern. Etwas günstiger sind virtuelle Bestattungen auf www.petfinder.ch sowie Urnenbestattungen in Waldfriedhöfen, die sind ab Fr. 300.- (inkl. Baum, des Hundes Traum), zu haben. Ganz exklusiv, quasi à la Michael Jackson, bietet die amerikanische Firma Summum Mummification an, Bello, Fido und Bläss zu ägyptischen Mumien zu verarbeiten. Das ganze kostet dann ein bisschen mehr, so um die Fr. 5000.-. Und das ohne Pyramide. Seit kurzem dürfen sich Herrchen und Frauchen auf ausgewählten Tierfriedhöfen übrigens gleich noch neben ihrem Hundchen zur letzten Ruhe betten lassen. Das Geschäft mit der Tierliebe blüht.

Dagegen sehen die in den Fr. 40.- enthaltenen Dienstleistungen geradezu mager aus: Zwar ist in der Entsorgungsgebühr eine letzte Reise des toten Tieres nach St. Gallen inbegriffen, doch dort endet sie unpathetisch in einer Kadaververwertungsanlage, wo Knochenmehl gewonnen wird - und Fido als Nahrunsmittelergänzung für seine Artgenossen in den Kreislauf zurückkehrt.

Da kann man sagen, was man will, doch so billig und gefühllos die Entsorgungsgebühr auch ist - sie ist so verdammt nachhaltig, dass man sie für Menschen auch gleich einführen müsste. Oder etwa nicht?

Foto: © Rolf Plühmer, www.pixelio.de

Tags (Stichworte): EntsorgungGebührenHaustiereHundePolitikTessin

Kommentare

  1. Von LustigeFrau am Dienstag, 07.07.2009 Ich bin kein Fan von komplizierten Finanzierungsmodellen. Ich frage mich: Wieso soll ein Hundehalter die Kremation eines anderen Hundes bezahlen, statt zu gegebener Zeit die seines eigenen? Und überhaupt! Was passiert, wenn der Hundehalter schon vor seinem Fido das Zeitliche segnet? Werden ihm die 40.- dann an das eigene Begräbnis angerechnet? -- Oder bin ich einfach knausrig?
  2. Von Stettler am Dienstag, 07.07.2009 Muss ich jetzt im Tessin eine Art Kehrichtmarke auf den Hund kleben?
  3. Von SL am Dienstag, 07.07.2009 Entsorgungsgebühren sind für Sachen. Tiere sind fühlende Lebewesen und ihre Würde in der Schweizer Verfassung geschützt. In diesem Sinne empfinde ich die Idee einer Entsorgungsgebühr ziemlich daneben. Auch kenne ich keinen Hundehalter in meinem Umfeld, der seinen verstorbenen Hund in die Kadaververwertungsstelle geben würde. Heutzutage ist ein Hund ein Famlienmitglied und hat als solches das Recht auf ein anständiges Begräbnis.
  4. Von Slartybart am Dienstag, 07.07.2009 Huuuh, da kommen mir fast die Tränen. Warum sollte ein toter Köter in den Himmel gehoben werden, währenddem die Hühner, deren Eier wir essen, in der Biogas-Anlage enden? Dies nicht, nachdem sie eines würdevollen Todes gestorben sind, sondern nachdem sie mangels Rentabilität grausam ermordet wurden. Und wenn das gute Tier falschen Geschlechts ist, kommt es nicht einmal dazu; ihm wird die Gurgel rumgedreht, bevor es pieps machen kann.

    Und dann sollten Hunde mit grossen Brimborium ethisch einwandfrei auf Kosten der Allgemeinheit von uns Abschied nehmen dürfen? Solange das die Familienmitglieder finanzieren, bitte, ist das ihre Sache. Aber die Sache mit den Hühnern (und auch anderen «Nutztieren») in Relation mit den «Haustieren» lässt mir keine Ruhe. Ich schlage vor, die Hunde zu Hundefutter zu verarbeiten und den Kreislauf so zu schliessen.
  5. Von LustigeFrau am Mittwoch, 08.07.2009 @Slartybart: Schade, sind Sie nicht noch einen Schritt weiter gegangen und haben uns Menschen in Ihren Vergleich eingebunden.
  6. Von kellenberger am Mittwoch, 08.07.2009 Slartybart spricht mir aus dem Herzen. Wohlverstanden: Ich mag Hunde und Katzen - aber unsere Aufteilung in "Familientiere" und "Nutztiere" habe ich schon immer als Perversion einer falsch verstandenen Tierliebe empfunden. Heute gilt: Wer sich für sein Hundeli einsetzt und womöglich noch neben ihm beerdigen lässt, ist ein Gutmensch. Kritik unerwünscht. Punkt. Und wer beim Hühnermord wegschaut, kann halt nichts dagegen machen und ist unschuldig. Auch Punkt.
    Oder eine andere Feststellung: Schlage ich meine Kinder, ist das weitgehend Privatsache. Lasse ich ein Hundeli die Nacht über auf dem Balkon, kommt die Polizei. Ei, Ei, Ei, sagen da die Biogas-Hühner.
  7. Von kellenberger am Mittwoch, 08.07.2009 Oh! Ich vergass oben noch zu fragen: Bekommt Bubbles einen eigenen goldenen Sarg - oder wird er dereinst in Michael's Prunkkiste gelegt?
  8. Von LustigeFrau am Freitag, 10.07.2009 Bubbles sollte das selber entscheiden dürfen -- soviel Tierliebe muss noch sein.

Kommentar schreiben (Lesen Sie bitte unsere Regeln)

Sie haben noch kein Username und Passwort? Hier können Sie sich kostenlos bei «Natürlich» registrieren.

Natürlich im Mai 2012


Inhalt

Vorschau
Archiv

Schnupper Abo
4 Ausgaben für 20 Franken
Jetzt profitieren!

Aboservice

Werbung
Werbung

Natürlich Essen

Rezept der Woche: 27. April 2012

Spargeln im Strudelteig


Die Natürlich Bilder Galerie