Holländerinnen und Sex auf dem Campingplatz
Markus Kellenberger | Freitag, 14.08.2009
Wir waren Campen, die ganze Familie und ich. In Frankreich. Dort, so hofften wir, sollten unsere Buben das Französische hautnah erleben – und wenn möglich auch praktizieren. Das hat aber nicht funktioniert, und seither herrscht zwischen mir und meiner Geliebten ein etwas abgekühltes Verhältnis. Das kam so:
Der Zeltplatz war in Ordnung, die Nähe zur Dordogne akzeptabel, ebenso die Anzahl der bis zum Abwinken vorhandenen Burgen, Schlösser und Festungen (selbst den Jungs hingen Rüstungen und Schwerter nach zwei Wochen sichtlich zu den Ohren raus).
Was uns aber völlig auf dem falschen Fuss erwischte, das war das etwas einseitige Publikum auf dem Zeltplatz. Die anfänglich noch vorhandenen drei französischen Familien wurden innert weniger Tage von weiteren anrollenden Holländern verdrängt, und so hiess es morgens bald nicht mehr "bonjour", sondern reihum nur noch "gueden dag". Wir, als Vertreter eines Landes, das sich der Vielsprachigkeit rühmt, hielten eisern und trotzig am welschen Grusse fest. Dafür hätten wir von Napoleon Sarkosy durchaus die Ehrenmedaille der Legion verdient.
Schlimmer aber noch als der Totalverlust der französischen Lebensart, wog das Campier-Verhalten der Niederländer, insbesondere der Niederländerinnen, denn bald stellte ich fest: Niederländerinnen sind den ganzen Tag glücklich. Sie putzen täglich Zeltwände, wischen Vorzeltteppiche, waschen Wäsche, kochen Essen, kaufen ein, unterhalten die Kinder, servieren Znüni, Zvieri und Snacks, putzen dann wieder die Zeltwände und so weiter und so fort.
Darauf machte ich meine Geliebte aufmerksam – und auch auf die holländischen Männer, die den ganzen Tag vor dem Zelt Bücher und Zeitung lesen und ständig ein kaltes Bier in Händen halten, ohne auch nur ein einziges Mal eines selber holen zu müssen.
Danach stellte Sex im an sich ringhörigen Zelt für uns einige Tage lang kein relevantes Problem mehr dar. Und mein Bier holte ich weiterhin auch selber. Und Campen ist für mich vorläufig kein Thema mehr. Überlege mir dafür, ob ich jetzt Präsident der Stadtluzerner SVP werden soll. Da ist 1. ein Posten frei und 2. hat man dort – Sie erinnern sich an René Kuhn – sicher Verständnis für mich und alle anderen armen Nichtholländer.
Bild: hans s / flickr / cc
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