Heureka

Andres Jordi | Dienstag, 03.08.2010

Nein, ich lag nicht wie Archimedes in der Badewanne, in der ihm eine Erleuchtung Auftrieb verlieh, als sich die meinige manifestierte. Trotzdem meine ich, für ein Problem, dass mich seit einiger Zeit umtreibt, eine physikalische Lösung gefunden zu haben. Ich fragte mich nämlich des Öfteren, wieso eigentlich Worte, Worte, Worte, die wir an dieser Stelle hier jeweils schonungslos direkt und schnörkellos gerade in den Internetäther auswerfen, die Adressaten – Sie, geschätzte Kommentatoren und Mitbloggerinnen – oft so spärlich erreichen. Oder in der Umkehrung: Warum erreicht Ihr, wie ich annehme, vielstimmiges Echo auf unser Rufe, über das, was unsere Welt bewegt, unsere Ohren oder Augen so selten?

Es ist ein Problem der Relativität von Bewegung und Perspektive, ist mir plötzlich aufgegangen, und hat mit der Erdrotation zu tun: Wir haben Sie im Visier, wenn wir unsere Worte gradewegs losschicken und bedenken nicht, dass Sie sich in der Zwischenzeit – infolge der Erdrotation – bewegen und unsere Botschaften deshalb ins Leere fliegen, dorthin wo Sie einmal waren und nicht mehr sind. Aus Ihrer Warte betrachtet fliegen unsere Worte nicht in direkter Linie zu Ihnen, sondern verlaufen in gekrümmter Bahn – weg von Ihnen. Und das nehmen Sie wahrscheinlich persönlich.

Physikalisch gesehen steckt dahinter die so genannte Coriolis-Kraft. Das habe ich jetzt verstanden. Und drum kommt's nicht an – nicht wir bei Ihnen und nicht Sie bei uns. Vielleicht sollten wir anders miteinander kommunizieren.

Fotos: Sanne Roemen / flickr / cc, aturkus / flickr / cc

Tags (Stichworte): ArchimedesCoriolis-KraftErdrotationPerspektiveProblemRelativitätWorte

Kommentare

  1. Von Slartybart am Dienstag, 03.08.2010 Ich habe bei meiner Geburt manch nützliches Gen erhalten. Das des Papageis hat sich, was den Natürlich-Blog angeht, allerdings schon ziemlich abgenutzt. Schon in mehreren Beiträgen habe ich ausführlich dargelegt, warum einem diese Site die Lust, mitzuschreiben, gründlich vergällen kann. Mein Gehirnwartungs-Experte hat sich spendabel gezeigt und mir anerboten, die Sache zusammengefasst nochmals aufzurollen. Ich nutze die Gelegenheit gerne.

    Lieber Herr Jordi, Sie und Kollege Kellenberger tun mir aufrichtig Leid. So tolle Themen, die Sie uns Lesern vorlegen, hätten es wirklich verdient, entsprechendes Echo zu erhalten. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, warum die Fangemeinde in den Minusbereich geschrumpft ist. Vermutungen darüber sind in meinen vergangenen Beiträgen ausführlich nachzulesen.

    Ich wünsche mir von Herzen, dass dieser Blog weiter gepflegt wird und dass Leser, die sich daran beteiligen, künftig besser gepflegt statt dauernd bestraft werden.
  2. Von LustigeFrau am Mittwoch, 04.08.2010 Verstehe ich Sie richtig, Herr Jordi, dass wir Menschen, um uns besser zu verstehen, einfach die Distanzen verringern müssten?
  3. Von Hampe am Dienstag, 10.08.2010 Wenn Sie sich ein grösseres Echo wünschen, sollten Sie vielleicht stärker auf aktuelle Themen setzen. Ihre Beiträge sind durchaus lesenswert, aber ein paar Alltagsreflexionen hier und ein paar philosophische Gedankengänge da, regen kaum zu Diskussionen an.
  4. Von rodek am Mittwoch, 11.08.2010 Lieber Hampe, Sie können mit Ihren Worten durchaus recht haben. Aber auch, wie Sie sagen, aktuellere Themen hätten bis zur Reaktion einer Leserin oder eines Lesers, kleinere oder auch grössere Hürden zu überspringen. Solche Hindernisse kennen wir alle - um mit Herr Jordi in der Sprache der Physik zu bleiben: "Die Trägheit ist die Eigenschaft von Körpern, in ihrem Bewegungszustand zu verharren, solange keine äußere Kraft auf sie einwirkt."

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