Getrennte Schlafzimmer - heisse Triebe
Markus Kellenberger | Freitag, 17.04.2009
Ja! Wir stehen dazu! Wir schlafen getrennt. Ich will das so - und meine Partnerin will das manchmal auch so. Das Tabuthema, das die Weltwoche in der aktuellen Ausgabe aufgreift, ist bei uns schon lange keines mehr. "Getrennte Betten" sind an vielen Tagen im Jahr der Garant für einen ungestörten Schlaf. Ich pflege je nach Lage nämlich zu schnarchen, was meine Geliebte jeweils dazu bewegt, mich, der ich meistens eben erst wohlig eingeschlafen bin, mit kräftigen Püffern wieder zu wecken, nur um mir zu sagen, dass sie wegen mir nicht einschlafen könne. Ein Scheidungsgrund!
Sie hingegen schnarcht nicht - oder wenigstens kaum. Sie ist dafür ein sogenanntes "Fägnäscht". Eine, die sich die ganze Nacht hindurch hin und her wirft, und das tut sie trotz ihrer bescheidenen 52 Kilo Lebendgewicht mit der Intensität eines am Restless-Legs-Syndrom leidenden Nilpferds, was mich dann regelrecht aus der Matratze federt und mehrmals pro Nacht aufwachen lässt. Auch ein Scheidungsgrund!
Weil wir nun aber nicht zuletzt der oft getrennten Betten wegen nicht geschieden sind, liegen wir des öftern doch im selben Bett. Freiwillig. Auf Besuch quasi. Oder auf Einladung. Und das macht Spass. Sonst noch Fragen?
Bild: boltron- / flickr
Kommentare
@rodek: Schon erstaunlich, was dieser Therapeut erzählt! Ich staune selber auch, wenn ich höre, dass Paarprobleme mit Nicht-Schlafen-Können zu tun haben, und der Schritt der zwei Schlafzimmer überhaupt nicht in Erwägung gezogen wird. Gewisse Vorstellungen und Zwänge scheinen diesen Ansatz zur Selbsthilfe gar nicht aufkommen zu lassen.
@caramba: Die Vorstellungen und Zwänge, mit denen Frauen und Männer in Beziehungen gehen - und die sie sich auferlegen, entstammen romantischen Romanen, einschaltquotenträchtigen schrecklichen TV-Sendungen und haben mit dem richtigen, dem ernsthaften Leben nichts zu tun. Und trotzdem fällt es uns schwer, gerade von diesen falschen Vorstellungen Abschied zu nehmen. Warum?
Nein! Weil zur wirklich gepflegten Langeweile immer zwei gehören. Und denen war's vorher schon langweilig. Die Langeweile ist beim ersten bis hundertsten Treffen einfach nicht so offenbar, weil durch den Reiz des Neuen zugedeckt. Ist das Neue weg, muss wieder selbst für Farbe und Lebendigkeit gesorgt werden. Gelingt das als Single nicht, klappt's auch im Duopack selten.
Auch das getrennte Schlafzimmer, von mir aus auch die getrennte Wohnung wird irgendwann einmal langweilig, weil gewöhnlich, weil alltäglich. Kurz: Ohne Phantasie und ständige Selbstüberwindung(findung) läuft nichts.