Getrennte Schlafzimmer - heisse Triebe

Markus Kellenberger | Freitag, 17.04.2009

Ja! Wir stehen dazu! Wir schlafen getrennt. Ich will das so - und meine Partnerin will das manchmal auch so. Das Tabuthema, das die Weltwoche in der aktuellen Ausgabe aufgreift, ist bei uns schon lange keines mehr. "Getrennte Betten" sind an vielen Tagen im Jahr der Garant für einen ungestörten Schlaf. Ich pflege je nach Lage nämlich zu schnarchen, was meine Geliebte jeweils dazu bewegt, mich, der ich meistens eben erst wohlig eingeschlafen bin, mit kräftigen Püffern wieder zu wecken, nur um mir zu sagen, dass sie wegen mir nicht einschlafen könne. Ein Scheidungsgrund!

Sie hingegen schnarcht nicht - oder wenigstens kaum. Sie ist dafür ein sogenanntes "Fägnäscht". Eine, die sich die ganze Nacht hindurch hin und her wirft, und das tut sie trotz ihrer bescheidenen 52 Kilo Lebendgewicht mit der Intensität eines am Restless-Legs-Syndrom leidenden Nilpferds, was mich dann regelrecht aus der Matratze federt und mehrmals pro Nacht aufwachen lässt. Auch ein Scheidungsgrund!

Weil wir nun aber nicht zuletzt der oft getrennten Betten wegen nicht geschieden sind, liegen wir des öftern doch im selben Bett. Freiwillig. Auf Besuch quasi. Oder auf Einladung. Und das macht Spass. Sonst noch Fragen?

Bild: boltron- / flickr

Tags (Stichworte): PartnerschaftSchlafSex

Kommentare

  1. Von Malven am Dienstag, 21.04.2009 Ich finde die Idee gut. Wahlmöglichkeiten tragen zur inneren Freiheit bei. Jedenfalls, wenn es einige sind - zuviele davon schränken die Freiheit ja wieder ein. Aber das dürfte eher bei Konsumartikeln ein Problem sein und weniger bei Schlafplätzen.
  2. Von Stettler am Mittwoch, 22.04.2009 Für einige unter uns sind Beziehungen gleichwertig mit Konsumgütern. Man "holt" oder "besorgt" sich einen Partner, gefällt das Produkt nicht oder verleidet es, wird die Garantie eingefordert oder ein "Umtausch" vorgenommen. Dass Beziehung Arbeit bedeutet, das wollen die Wenigsten wahrhaben - und umsetzen.
  3. Von rodek am Mittwoch, 22.04.2009 Da bin ich ja froh, dass es ausser uns noch ein paar andere Paare gibt, die es vorziehen, getrennt zu schlafen. Und eigentlich sollten es ja noch viel mehr sein. Letzthin erzählte mir ein befreundeter Psychotherapeut, dass die Hälfte! seiner Paarbehandlungen vom Schlafen bzw. Nicht-Schlafen-Können handle. Er, so der Therapeut, verstehe es deshalb nicht, dass sich Mann resp. Frau die Nacht so schwer macht und nicht in getrennten Zimmern übernachten kann - schon mehr als einmal sei dadurch die Liebe nämlich ganz neu entfacht worden!
  4. Von kellenberger am Mittwoch, 22.04.2009 Als wir vor Jahre gutgläubig gegenüber Freunden erwähnten, dass wir eigene Betten und Zimmer vorziehen, wurde das baldige Ende unserer Beziehung prophezeit. In der Zwischenzeit sind einige dieser Freunde geschieden. Nicht, dass es bei uns nicht auch regelmässig kracht - aber wir finden uns immer wieder, und zwar, weil wir das auch wollen, und weil wir im eigenen Zimmer so schön schmollen!
  5. Von Malven am Donnerstag, 23.04.2009 So Manches, das sich Menschen leisten, wäre gar nicht nötig, doch im eigenen Zimmer zu schmollen, ist ein Luxus, den man sich leisten sollte!

    @rodek: Schon erstaunlich, was dieser Therapeut erzählt! Ich staune selber auch, wenn ich höre, dass Paarprobleme mit Nicht-Schlafen-Können zu tun haben, und der Schritt der zwei Schlafzimmer überhaupt nicht in Erwägung gezogen wird. Gewisse Vorstellungen und Zwänge scheinen diesen Ansatz zur Selbsthilfe gar nicht aufkommen zu lassen.
  6. Von caramba am Donnerstag, 23.04.2009 Sobald es um die Beziehung geht, scheint sich die Mehrheit der Paar offenbar in Vorstellungen und Zwängen zu verstricken, die nichts mit der Realität zu tun haben. Im Alleinsein sich selber auszuhalten ist manchmal ziemlich schwierig - Nur, wenn ich mich selber nicht aushalte, denn muss ich doch meinem Partner erst recht ab und zu eine Verschnaufpause gönnen!
  7. Von LustigeFrau am Donnerstag, 23.04.2009 @Caramba: Das mit dem 'sich selber aushalten' finde ich passend. Ist doch bei der Kommunikation nicht anders: wenn ich manchmal selber nicht weiss, was ich denke, wie soll mich dann mein Gegenüber verstehen? Und genau dann ist Freiraum wichtig.
  8. Von Stettler am Donnerstag, 23.04.2009 Freiheit. Ein Gut, mit dem die Wenigsten wirklich fertig werden.
    @caramba: Die Vorstellungen und Zwänge, mit denen Frauen und Männer in Beziehungen gehen - und die sie sich auferlegen, entstammen romantischen Romanen, einschaltquotenträchtigen schrecklichen TV-Sendungen und haben mit dem richtigen, dem ernsthaften Leben nichts zu tun. Und trotzdem fällt es uns schwer, gerade von diesen falschen Vorstellungen Abschied zu nehmen. Warum?
  9. Von caramba am Donnerstag, 23.04.2009 @Stettler: Ja warum...vielleicht weil das "richtige" Leben stinklangweilig ist? Spätestens nach einem halben Jahr weiss man, dass der Partner am liebsten Haselnussjoghurt isst oder Nachts ein bündchen-ärmeliges-Pijama trägt (womit der Bogen zu den getrennten Schlafzimmern wieder gemacht wäre ;-)). Gibt es wohl irgendein Mittel, das Paare aus der gähnenden Langweile befreit? Getrennte Schlafzimmer ist sicher mal ein Schritt, aber bestimmt nicht die ganze Wahrheit.
  10. Von Skydiver am Donnerstag, 23.04.2009 @caramba: "Gibt es wohl irgendein Mittel, das Paare aus der gähnenden Langweile befreit?"
    Nein! Weil zur wirklich gepflegten Langeweile immer zwei gehören. Und denen war's vorher schon langweilig. Die Langeweile ist beim ersten bis hundertsten Treffen einfach nicht so offenbar, weil durch den Reiz des Neuen zugedeckt. Ist das Neue weg, muss wieder selbst für Farbe und Lebendigkeit gesorgt werden. Gelingt das als Single nicht, klappt's auch im Duopack selten.
  11. Von kellenberger am Donnerstag, 23.04.2009 Es gibt kein Leben ohne Langeweile - auch wenn die Spassgesellschaft einem das Gegenteil davon suggerieren will. Langeweile ist das Gegenteil von Spannend. Spannung lässt sich aber nur definieren, wenn man ihr Langeweile gegenüberstellen kann. Uns ist desöftern auch mal langweilig. Zum einen, weil die Tages-, Beziehungs, und Elternroutine einem auffrisst und häufig nur wenig Spielraum lässt, zum andern, weil wir manchmal übersteigerte Erwartungen an eben diesen Alltag hegen.
    Auch das getrennte Schlafzimmer, von mir aus auch die getrennte Wohnung wird irgendwann einmal langweilig, weil gewöhnlich, weil alltäglich. Kurz: Ohne Phantasie und ständige Selbstüberwindung(findung) läuft nichts.
  12. Von Malven am Donnerstag, 23.04.2009 Langeweile ist wie die Freiheit auch ein kostbares Gut. Könnten wir sie mit jeder Faser unseres Seins erleben statt nur auszuhalten, würden wir darin vielleicht Freiheit finden, und Lebendigkeit dazu!
  13. Von rodek am Donnerstag, 30.04.2009 Hey kellenberger, du sprichst mir aus dem Herzen. Auch mir ists manchmal langweilig - aber weisst du was, lieber kellenberger, ich geniesse dann ganz einfach die Langeweile. Ich sitze, liege oder stehe da und lass mich so ganz tief in dieses Gefühl hinein versinken. Oh, wie ist es doch manchmal schön, einfach da zu sein und nichts machen oder tun zu können! Ich mag solche Momente, gerade weil sie so selten sind - Spannung gibts nämlich in unserer Welt mehr als genug.

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