Free Tibet!

Markus Kellenberger | Donnerstag, 03.04.2008

Seit fast 50 Jahren besetzt China Tibet. Im Klartext heisst das: Tausende tote, gefolterte, vergewaltigte und eingekerkerte Menschen – und dieses Töten und Foltern ist nicht etwa Geschichte, sondern bis heute Alltag in Tibet. Damit nicht genug, betreibt das Reich der Mitte zusätzlich eine regelrechte Ausrottungspolitik, indem es Millionen von Chinesen in die tibetischen Städte und Dörfer umsiedelt. Hier heisst das im Klartext: Die Urbevölkerung Tibets, die Tibeter, wird gnadenlos verdrängt und vertrieben. Wer sich nicht ins chinesische System assimilieren lässt, wird ausgelöscht.

Und was tun wir dagegen? Nichts! Und warum nicht? Weil wir Schiss haben, dass uns ein Geschäft mit den Chinesen entgehen könnte! Weil es unser bequemes Leben empfindlich beein-trächtigen könnte, wenn die Olympiade ausfallen würde! Und weil wir zu feige sind, unser Recht auf freie Meinungsäusserung wahrzunehmen – oder wie anders kann ich mir erklären, dass bis heute kaum eine breite Front gebildet hat, die sich laut und deutlich gegen Chinas menschen- und menschenrechtverachtende Arroganz auflehnt.

Wo bleiben all die Vorbilder in unserem Land, die sich sonst auch nicht scheuen, in jedem Boulevardblatt zu jedem unwichtigen Hafenkäse ihre wichtige Meinung kund zu tun?

Wo bleiben all die Swiss-Awards- und Music-Awards- und Sport-Awards-Empfänger und all die Missen und Mister, wenn es um die Freiheit eines Landes und dessen Menschen geht?

Wo bleiben die Sportler, die sich weigern, nach China zur Olympiade zu gehen? Hallo Roger, hallo Simone und hallo Dölf! Ich höre Euch nicht!

Wo bleiben all die, die sich Künstler nennen? Hallo Francine, hallo Victor, hallo Bobo, hallo WAM! Ich höre Euch nicht!

Wo bleiben all die sonst auch nicht mundfaulen Politiker? Hallo Doris, hallo Sämi, hallo Pascal, hallo Ihr 246 gewählten so genannten Vertreter von Recht und Demokratie, Ihr Hüter der Moral und der eigenen Pfründe! Ich höre Euch nicht!

Und hallo Ihr alle da draussen! Auch Euch höre ich nicht!

 

Links zum Thema:
Tibeter Gemeinschaft in der Schweiz
Amnesty International Schweiz
Human Rights Watch Asia
NZZ Online – Dossier: Chinas Problem mit Tibet
taz.de – Dossier: Tibet im Aufruhr

Bild: PD / WIKIMEDIA

Tags (Stichworte): ChinaMenschenrechteOlympiadeTibet

Kommentare

  1. Von Stettler am Donnerstag, 03.04.2008 Die Budgets sind gemacht! Wer jetzt Olympia in Frage stellt, gefährdet den Endjahresgewinn. Ach hätten die Tibeter doch Erdöl oder Erdgas oder sonst einen Bodenschatz - die Amis wären längst dort!
  2. Von Stettler am Sonntag, 06.04.2008 Herr Kellenberger, ich glaube, Sie haben recht! Seit drei Tagen ist Ihr Tibet-Beitrag online – und bisher habe nur ich mich zu Wort gemeldet. Ich würde deshalb sagen: Überlassen wir die Tibeter endlich den Chinesen, und den Rest der Menschheit der eigenen Feigheit und ihren hart erkämpften Sonntagseinkäufen. Es lebe die «freie und alles korupierende Marktwirtschaft!»
  3. Von Skydiver am Sonntag, 06.04.2008 Die freie Marktwirtschaft korrumpiert nicht alles, Stettler. Sie ist auch nicht gut oder schlecht, sondern einfach das, was Menschen zulassen und aus ihr machen. Das ist nicht immer dasselbe und Wandlungen unterworfen. Und das Schweigen zu diesem Blogthema ist nicht unbedingt ein Indikator für Desinteresse oder Gleichgültigkeit – könnte auch schlicht Ratlosigkeit dahinter stehen. Meine Stimme ist ein bisschen wenig Stimme gegenüber ziemlich viel China. Weniger Feigheit, mehr Ratlosigkeit eben.

    Ich, zum Beispiel, gehöre zu jenen, die sich weder an Lichterketten quer durch Europa noch an Demonstrationen mit Schlusskundgebung beteiligen. Weil ich denke, damit ist keinem geholfen. Mit Ausnahme des Gewissens der Demo-Teilnehmer. Man hat jetzt ja was getan, man darf wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Prima, damit ist aber noch nichts passiert – nichts Wesentliches jedenfalls.

    Das Dranbleiben mit Multiplikationseffekt, zum Beispiel also der Blogbeitrag von Markus Kellenberger, löst schon was aus. Gedanken und Diskussionen im eigenen Kreis, möglicherweise. Oder Wahlverhalten bei den nächsten Parlamentswahlen. Oder Einkaufsverhalten in Bezug auf chinesische Billigprodukte. Oder Destinationenwechsel bei der nächsten Fernreise-Planung. Das alles ist wenig, aber sehr viel mehr als blosse Betroffenheit. Die kommt nämlich weder in China noch im Tibet an, die beruhigt nur die Gemüter hierzulande. Also, Blogs und Gedanken lösen Prozesse aus. Die brauchen Zeit, bewirken aber auf Dauer was. Auch dann, wenn sie im Stillen gären.

    Aber eigentlich wollten Sie nur nicht allein sein mit Ihrer Betroffenheit. Gut, jetzt sind wir schon zu Dritt. Das macht die Ratlosigkeit nicht kleiner, ist aber deutlich mehr als gestern. Vor allem dann, wenn wir der heutigen Betroffenheit morgen Taten folgen lassen, die irgendwann auch in China ankommen.

  4. Von kellenberger am Montag, 07.04.2008 Eines, lieber Skydiver, ist mir klar: Ich allein kann weder China ändern, noch das IOC derart beeinflussen, dass es die Olympischen Spiele ausfallen lässt. Das ist aber - wie in vielen andern Bereichen des Lebens auch - noch lange kein Grund, resigniert die Arme zu verschränken und nichts zu tun. Bezüglich Tibet, China und den Olymischen Spielen setze (setzte) ich beispielsweise folgendes konkret um:
    - Ich schrieb der Chinesischen Botschaft in Bern einen Protestbrief.
    - Ich meide Chinesische Restaurants in der Hoffnung, dass die Wirte unter Druck geraten und ebenfalls in China protestieren.
    - Dasselbe mache ich mit TCM.
    - Wenn ich schon Waren aus Fernost kaufe, dann nur solche aus Taiwan!
    - Die Olympischen Spiele werde ich mir nicht anschauen.
    Natürlich sind das alles nur Nadelstiche. Und solange ich alleine bin, werden diese auch keine Wirkung haben. Aber wer weiss – vielleicht bin ich nicht ganz alleine.
  5. Von LaMeSo am Montag, 07.04.2008 Lieber Herr Kellenberger, weshalb soll ich Leute in der Schweiz bestrafen, welche hier Leute heilen oder verköstigen? Auch Sie haben nur eine Stimme in ihrem Heimatland (wenn überhaupt) und sind nicht verantwortlich für die Politik der nicht von ihnen gewählten Politiker. Sippenhaft ist in keinem Fall angebracht.

    Ich unterstütze Sie lieber beim Nichtkaufen von Chinaware und beim Nichtschauen der olympischen Spiele (sollten Sie denn entgegen meiner Hoffnung doch statfinden).

    Wie immer in der Geschichte der Menschheit geht es nur mit Gewalt. Dabei nehme ich auch die Tibeter nicht aus. Trotz Aufrufen des Dalai Lama wird beiderseits Gewalt angewendet um die eigenen Ziele durchzusetzen.

    Wie wäre es, wenn wir alle in einem Gebet beider Parteien gedenken und Ihnen die gewaltfreie Lösung ihres Konflikts wünschen? Ein paar Millionen Gebete jeden Tag und es ist genug Energie da für eine Lösung die uns jetzt noch als gänzlich unmöglich erscheint.

    Wer nicht beten kann oder mag könnte dies auch in Meditation tun, Hauptsache, liebevolle Energie wird in den Tibet gesandt.

  6. Von kellenberger am Dienstag, 08.04.2008 Liebe (lieber) LaMeSo. Beten und Meditieren sind ein Teil dessen, was zu einer bessseren Welt beitragen kann, da bin ich mit Ihnen völlig einverstanden. Doch allein vom Beten wurde meines Wissens noch kein Acker gepflügt und auch kein Haus gebaut. Aus diesem Grund halte ich es für nötig, in bestimmten Fällen aktiv zu handeln. Wohlverstanden: nicht mit Gewalt! Wo nicht anders möglich aber mit dem nötigen Druck!
  7. Von LaMeSo am Mittwoch, 09.04.2008 Lieber Herr Kellenberger

    Druck erzeugt immer Gegendruck - eine physikalische Tatsache deren wir uns nicht entziehen können. Mahatma Gandhi hat uns eine Form des Gewaltfreien Widerstands vorgemacht. Obwohl diese Form in Tibet nicht erfolgreich sein würde, braucht es einfach die Inspiration für eine Tibet-Methode.
    Und woher Inspiration kommt - da denke ich, sind wir uns einig.

  8. Von Andreas am Dienstag, 15.04.2008 Etwas spät melde ich mich... was heisst hier spät?! Die Menschenrechtsverletzungen gehen pausenlos weiter, in Tibet, in Palästina, besonders krass in Afrika, jeden Tag verhungern Menschen, \"Mord!\" schreit Jean Ziegler verzweifelt und zurecht.

    Revolution! Sie kommt lieber Markus Kellenberger, immerhin haben sich 1,5 Millionen Menschen vereinigt gegen das Unrecht in Tibet. Sie kämpfen gegen Diktaturen, für Demokratie... und es werden immer mehr, die Graswurzelbewegung wird immer grösser.

    Ein hervorragendes Beispiel ist die Vereinigung Avaaz, mitmachen, alle, bitte erhebt eure Stimme! http://www.avaaz.org/en

    Übrigens: Tibet hat Öl. China holt es sich. Mittels google-earth kann es jeder sehen, der will (wie sich jeder informieren kann, das ist eine (heilige) Pflicht!): an meherern Orten werden Strassen von der Eisenbahnlinie ins Nirgendwo gebaut. Ins Nirgendwo zu den Ölfeldern.

    Übrigens 2: Ich bin vor Jahren mehrere Monate durch China gereist. Die chinesische Bevölkerung ist absolut liebenswürdig. Wie die Bevölkerung in Israel und Palästina liebenswürdig ist. Und voller Hoffnung und Menschlichkeit. Also: Stürzen wir die Machthaben, stärken wir das Volk!
  9. Von athnaa@bluewin.ch am Freitag, 25.04.2008 Gestern erfuhren wir von einer tibetischen Bekannten, dass der Friedenzug am Samstag 26.4.08 von 15.00 - 17.oo in Bern nur mit der polizeilich veranlassten Einschränkung abgehalten werden darf, dass die tibetanische Friedensfackel ausgelöscht wird.

    Wir finden es schon ungeheuerlich, dass der Bundesrat mit unseren Steuergeldern nach China an die olympischen Spiele reisen will, dass aber in einem neutralen Land unseren friedfertigen und sanftmütigen Mitbürgern, den Tibetern bei einer Friedensdemo polizeilich das Tragen einer brennenden Friedensfackel untersagt wird, ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Menschen, der noch irgenwo einen Hoffnungsschimmer an Friede und Freiheit in sich trägt.

    Wir fordern daher alle Weltenbürger auf, am Samstag um 15.00 Uhr unsere tibetischen Mitbürger zu unterstützen mit dem Tragen einer Fackel, einer Kerze, eines Lichtes für den Frieden, denn wir leben in der Schweiz, niemand hier kann uns das Tragen einer Fackel, Kerze oder eines Lichtes vom Bahnhof zum Bundeshaus und retour verbieten!!!!! Die Politiker verändern nichts, sie kriechen täglich in den Arsch des Reichs der Mitte für den Gott, den sie Geld nennen. Wie also soll sich auf dieser Welt etwas bewegen wenn nicht DURCH UNS ALLE MENSCHEN!

    Beatrice Helbling und Sabine Hanak, Oberkulm AG

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