El Zeitungsguerillero
Andres Jordi | Freitag, 04.06.2010
Als Zugreisende ärgern Sie sich sicher auch regelmässig über die allüberall herumliegenden und -flatternden flatten Blättchen Ringierscher oder TA-medialer Provenienz. Ich auf jeden Fall tue es, fühle sogar eine moralische Verpflichtung dazu, bin ich doch dieses lüsternen People-Journalismus mehr als überdrüssig. Oder besser gesagt: Ich tat es. Denn ich wurde aktiv. Meine Not liess mich in den Untergrund gehen.
Ich arbeite seit einiger Zeit mit subversiven Mitteln gegen die Profanisierung der Hirnwindungen meiner Zeitgenossen. Inspiriert hat mich das Guerilla Gardening. Aber ich pflanze nicht heimlich bunte Blumen in sterile Rabatten zur Verschönerung des Stadtbildes. Meine Saat ist papieren und ich ziele auf den Kopf. Ich bin jetzt Zeitungsguerillero.
Sobald ich mir von meinem Leibblatt jeweils profund die Welt erklären liess – dass ich erkenne, was sie im Innersten zusammenhält – platziere ich dieses mein Leibblatt, akkurat zusammengefaltet und sorgfältig drapiert, auf ein Fensterbänkchen jenes Eisenbahnwaggons, in dem ich gerade sitze, und vertraue hoffnungsvoll darauf, dass meine Mitmenschen eine gepflegte Lektüre dem Häppchenschund vorziehen werden und das Gute am Ende siegen wird.
Fotos: Mendhak / flickr / cc, Marco Raaphorst / flickr / cc, Gunnar Wrobel / flickr / cc
Kommentare
Als wichtig erachte ich jedenfalls, dass man in diesem Sinne auch sein persönliches Gleichgewicht pflegt und - je nach Präferenz - auch mal den Cervelat-Promis zuwendet oder sich mit den grossen Zusammenhängen des Seins oder Nichtseins auseinander setzt.