Die Welt ist ungerecht – und Männer sind immer Schweine
Markus Kellenberger | Montag, 04.04.2011
Die schlechte Nachricht: Wir haben einen neuen Mister Schweiz. Die gute Nachricht: Ich bin es nicht! Und trotzdem musste ich mich mit diesem unsäglichen Anlass auseinandersetzen. Innerfamiliär. Auf der Sonnenterrasse eines Strassenkaffees. Am Sonntag nach der Wahl.
Meine Geliebte blicktt unvermittelt von der sonntäglichen Zeitungslektüre auf und fragt: „Schaust Du den jungen Frauen nach?“ Was soll ein ehrlicher Mann im Wissen darum, dass jede Antwort falsch ist, darauf antworten? Ich entscheide mich für die Vorwärtsstrategie. „Ja“, sage ich und dopple nach:. „Und einige sehen wirklich hübsch aus.“ Längere Pause. „Welche denn“, fragt meine Geliebte in dieser neutralen Tonlage, die eine Killerwelle ankündigt. „Die dort drüben zum Beispiel“, sage ich mit dem Mut der Verlorenen. Bedeutungsvolle Pause. „Wegen den grossen Brüsten, stimmts!?!“
Männer sind Chauvis, Machos, egal, was sie in solchen Situationen antworten. Und darum habe ich darauf verzichtet zu sagen: „Nein, es war das sympathische Lachen.“ Ich schweige – und zufrieden widmet sich meine Geliebte wieder dem gewiss hochspannenden Portrait des neuen schönsten Schweizers, völlig ausblendend, dass sie damit knapp am Vorwurf der Pädophilie vorbeischrammt. Ich verkneife mir eine entsprechende Bemerkung. Viel lieber halte ich es mit Georg Danzer und schaue der jungen Frau nochmals nach – und ja: mindestens C.
Meine Frage an Sie: Bin ich wirklich ein Schwein? Und was hat die Mister Schweiz-Wahl mit Männern zu tun?
Fotos: Maurice / flickr / cc, Illusive Photography / flickr / cc
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