Die Welt – die Medien – und der Rest vom Leben
Markus Kellenberger | Montag, 11.04.2011
Ein ganzes Wochenende lang habe ich mir erlaubt, keine Medien zu konsumieren. Keine Zeitungen, kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet, auf Facebook bin ich nicht und werde ich nie sein, Twittern soll wer will – es war der Himmel auf Erden. Meine Geliebte und ich haben an der Lenk lange Spaziergänge gemacht, die bösen Buben liessen wir eigens dazu rabenelternmässig in der Ferienwohnung zurück («Macht was ihr wollt – aber haltet Ordnung!») und fühlen uns nun schon fast unanständig erholt. Das hielt an bis Montags früh. Als Journalist fühlte ich mich verpflichtet, einen Blick in verschiedene Zeitungen zu werfen, und das mit der ernüchternden Erkenntnis: Die Welt dreht sich auch ohne mich – und erst noch ständig um denselben Seich! Soll ich mich frühpensionieren lassen?
Fotos: Zach Dischner / flickr / cc, c_pichler / flickr / cc
Kommentare
Abschalten heisst nicht automatisch, die Shareholder value party zu wählen. Abschalten heisst, die Konsequenzen zu ziehen und die unsäglich aufdringlichen Nullinformationen und Verblödungsattacken dorthin zu verbannen, wo sie wachen Geistern keine Zeit stehlen können. Es gibt auch noch Printerzeugnisse jenseits von Blick und Weltwoche. Man muss sie aber suchen, wie Quartierläden im Einkaufszentrum-Sumpf. Massenmedien sind Dumpfmacher-Drogen. Man kann sie zur Kenntnis nehmen, um bei den Leuten zu bleiben, tut aber - wie bei andern Drogen - gut daran, zu wissen, wann genug ist.
Klar, die Welt dreht sich mit oder ohne uns. Ich hab's ganz gern, wenn sie sich mit mir dreht. Das zwingt mich nicht, jeden Mist mitzumachen, jeder Welle aufzusitzen oder jeder Hysterie zu folgen. Mit etwas Gelassenheit bleibt die Wahl bei mir. Und bei Ihnen.
Also, nix mit Frühpensionierung. Das wäre eben zu früh - und sie hätten dann erst richtig Zeit, sich über vieles zu ärgern, das heute spurlos an Ihnen vorbeigeht.
Dass mir niemand die Frühpensionierung gönnen mag, ist insofern erfreulich, weil mich somit auch niemand ins Pfefferland wünscht. Danke alle! Und weil ich diese Woche ein bisschen trötzelig auf Medienverweigerung mache, ist mir beinahe entgangen, dass Fukushima jetzt auf Stufe Tschernobyl angelangt ist. An dieser Stelle dem betreffenden Kollegen ein besonders strahlendes Dankeschön.
Aber lassen wir Zynismus und Ironie einen Moment beiseite. Liebe LeserInnen, unser schwer pubertierende Sohn hat mir in einem Moment hormoneller Ausgeglichenheit anvertraut, es sei eigentlich gar nicht so schlimm, dass es in der Ferienwohnung an der Lenk keinen TV habe - so könne er endlich einmal lesen.......und dsa sind doch die wirklich guten und wichtigen Nachrichten aus der grossen weiten Welt.